Checkliste

10 Tipps gegen den Schweizer Rhetorik-Komplex

In der Schweiz gibt es teilweise einen regelrechten Rhetorik-Komplex zu beobachten. Viele scheinen dem fixen Glauben verfallen, dass sich Rhetorikkompetenz und der Schweizer Pass gegenseitig abstossen. Daher werden an sich spannende und wertvolle Gedanken viel zu oft in Form von «rhetorischen Schlaftabletten» verabreicht.

Nur wenige haben hierzulande die Ambition, vor Publikum stark und kreativ aufzutreten. Wer jedoch bei Reden, Vorträgen oder Präsentationen nur schon die folgenden 10 Tipps beachtet, ist auf gutem Weg zum Erfolg vor Publikum.

Tipp 1: Informationen auf unterhaltsame Weise präsentieren

Der Schriftsteller Mark Twain sagte einmal: «Die schlimmste aller Todesarten ist, zu Tode geredet zu werden.» Der moderne, hektische Alltag bringt es mit sich, dass sich die Leute im Allgemeinen nicht mehr so gut konzentrieren können – schon gar nicht auf langweilige Vorträge, Reden und Präsentationen. Wer jedoch neben wertvollen Inhalten auch spannende Details, interessante Zitate, skurrile Fakten, witzige Bilder oder Ähnliches serviert, darf sich nach wie vor über aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer freuen.

Tipp 2: Nicht zu viele Punkte vermitteln

Ob man zwei, fünf, zwanzig oder gar sechzig Minuten lang spricht: Am Schluss können sich die Zuhörer bloss zwei, drei Punkte merken. Wird man mit Informationen überhäuft, sieht man bald vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und kann sich am Schluss im ungünstigsten Fall überhaupt gar nichts merken. Darum gilt es, die Punkte, die dem Publikum vermittelt werde sollen, auf ein Minimum zu reduzieren.

Tipp 3: Attraktiver Start

Die ersten Sekunden eines Auftritts entscheiden darüber, ob das Publikum aufmerksam zuhört oder schon bald eindöst. Daher gilt es, die Zuhörer zu Beginn keinesfalls mit Langweiligkeiten über die eigene Person und/oder Firma in den Schlaf zu wiegen. Der Start muss vor allem eines: Neugier wecken! Menschen lieben positive Überraschungen. Wer sich diesen Umstand für den rhetorischen Einstieg zunutze macht, fesselt die Aufmerksamkeit des Publikums von Anfang an.

Tipp 4: Guter Blickkontakt mit dem Publikum

Via Blickkontakt wird Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufgebaut. Daher ist es eine gute Idee, auch bei Alltagsgesprächen stets auf guten Blickkontakt zu achten. Dann wird es vor Publikum ebenfalls besser gelingen, den Zuhörern bewusst in die Augen zu schauen.

Tipp 5: Regelmässige Sprechpausen

Durch regelmässige, kurze Pausen wird das Gesagte sauber strukturiert und richtig portioniert. Die Stille einer kurzen Pause gibt dem Publikum die Gelegenheit, das gerade Gehörte zu verdauen und sich für den nächsten Punkt bereit zu machen. Daher sollte man mindestens bei einem Gedankenwechsel oder beim Einblenden einer neuen Folie eine bewusste Sprechpause einbauen.

Tipp 6: Bilder statt trostlose Buchstabenfriedhöfe

Statt das Publikum mit den allseits bekannten Buchstabenfriedhöfen zu langweilen, nutzen Sie Produkte wie PowerPoint usw. am besten, um mittels Bildern Emotionen zu wecken und das gesprochene Wort durch einen optischen Sinneseindruck zu unterstreichen.

Tipp 7: Präsentationen nicht als Handout «missbrauchen»

Eine Präsentation, die dazu dient, das gesprochene Wort effektvoll zu illustrieren, kann unmöglich auch gleich noch die Voraussetzungen für ein optimales Handout erfüllen. Wenn bei der Präsentation gilt, möglichst wenig Text zu verwenden, so sollte sich das Handout selbsterklärend lesen lassen. Darum: Auch wenn es einen Mehraufwand bedeutet, lohnt es sich, die Präsentation und das Handout separat zu entwickeln.

Tipp 8: Verzögerungslaute vehement bekämpfen

Es ist eine beliebte Beschäftigung von Personen im Publikum: Strichliste führen über die «Ähs» des Referenten. Aber zum Glück gibt es ein bewährtes Mittel, um die leidigen «Ähs» auszurotten. Das Rezept lautet: Pause statt «Äh»! Wenn Sie auf der Suche nach dem treffenden Wort einfach kurz ruhig innehalten, dann wirkt dies ganz natürlich und unspektakulär. Achten Sie immer darauf, wenn Sie sprechen (nicht bloss vor Publikum), dass sich möglichst wenige «Ähs» zwischen Ihre Worte schleichen. Dann wird bei Ihren Auftritten niemand auf die Idee kommen, eine Äh-Strichliste zu führen!

Tipp 9: Präziser Schlusspunkt statt Dankesfloskel

Der oft gehörte Schlusssatz «Danke für Ihre Aufmerksamkeit» lässt immer den latenten Verdacht aufkommen, dass sich der Redner selbst bewusst ist, dass seine Worte eigentlich eine Zumutung waren. Ohne eine lästige Danksagungsfloskel am Schluss hallt der letzte Gedanken kräftig nach wie der finale Paukenschlag bei einem Konzert.

Tipp 10: Übung macht den Meister

Wer kreative Reden und interessante Präsentationen halten will, kann die dazu nötigen Fähigkeiten erlernen. Cicero, einer der ganz grossen Rhetoriker der Antike, sagte: «Dichter werden geboren, Redner werden gemacht.» Mit einem hohen Anspruch an die eigenen Auftritte sowie mit regelmässiger Übung kann sich jedermann ein gutes rhetorisches Rüstzeug zulegen.

In 20 Schritten zum Redeprofi

Der Leitfaden «In 20 Schritten zum Redeprofi» wurde von Michael Oefner nach dem gleichen Prinzip verfasst, das auch für Auftritte vor Publikum gilt: kurz und bündig, lehrreich und unterhaltsam soll es sein. 10 Punkte, die es bei der Vorbereitung zu beachten gilt, und 10 Punkte für den erfolgreichen Auftritt vor Publikum. Zu jedem Punkt das Wesentliche, ergänzt durch eine Kernfrage, einen Stolperstein und eine praktische Übung zum Thema. Eine Musterrede, Checklisten sowie eine Zitate-Sammlung runden den Leitfaden ab.

Michael Oefner: In 20 Schritten zum Redeprofi, Verlag SKV 2013.

www.verlagskv.ch

 

 

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Michael Oefner (geboren 1975 in Zofingen) ist Rednertrainer, Kommunikationscoach und Ghostwriter. Als Inhaber und Geschäftsführer der Firma TALKtrainer (www.talktrainer.ch) verhilft er seinen Kunden zu den richtigen Worten und zu einem überzeugenden Auftreten. Michael Oefner ist Autor des Buches «In 20 Schritten zum Redeprofi» (Verlag SKV), einem Leitfaden zum Rhetorik-Erfolg. Sein berufliches Credo lautet: «Die optimalen Worte sind der rote Teppich für den Erfolg!»

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