Betriebliches Gesundheitsmanagement – Massnahmen

Gesunde Ernährung für gesunde Mitarbeiter

Wer sich gesund ernährt, leistet mehr und wird weniger krank. Das Personalrestaurant des Inselspitals Bern beschreitet mit dem prämierten Projekt lunch4vitality neue Wege in Sachen gesunder Ernährung.

Diabetes, Herzleiden, Krebs oder Fettsucht: Viele Krankheiten und Gesundheitsprobleme werden durch ungesunde Ernährung hervorgerufen oder zumindest begünstigt. Laut UNO-Fachleuten wird schlechte Ernährung zu einem immer grösseren Gesundheitsrisiko und verursacht enorme Behandlungskosten. «Ein Teil der Welt isst sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode», warnte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, bei der Eröffnung der 67. Weltgesundheitsversammlung Mitte Mai in Genf.

Ausgezeichnetes Personalrestaurant als Faktor im Employer Branding

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Vielerorts wird die Bedeutung von gesunder Ernährung erkannt und dementsprechend gehandelt. So etwa am Inselspital in Bern. Dort haben Kundenbefragungen gezeigt, dass die Menü-Auswahl im Personalrestaurant zu klein ist und Vegetarier zu wenig berücksichtigt werden. Grund genug für den Leiter Gastronomie, Bernhard Tanner, das Problem zu lösen und das modulare Angebot lunch4vitality zu entwickeln: Seit Herbst 2013 wählen die Restaurantgäste aus acht Komponenten deren vier aus. Zur Auswahl stehen zwei Gemüsebeilagen, Salat, Fruchtkompott oder frische Früchte, Fleisch, etwas Fleischloses und zwei verschiedene Stärkebeilagen. Für die vier Zutaten zahlt der Gast einen fixen Preis: 9.20 Franken zahlen Inselmitarbeiter, 13.50 Franken kostet das Menü für externe Gäste.

«Am Anfang waren die Kunden etwas verwirrt, was sie jetzt alles nehmen dürfen», sagt Tanner. Mittlerweile haben sich die Gäste nicht nur daran gewöhnt, sie sind auch sehr zufrieden mit dem Tagesteller. «Wir erhalten sehr positives Feedback und keine Klagen mehr über mangelnde Auswahl», sagt der Leiter Gastronomie nicht ohne Stolz. Die häufigste Rückmeldung sei: «Früher musste ich nehmen, was es hat. Heute finde ich immer etwas, das mir passt.» Seit der Einführung von lunch4vitality verzeichnet das Personalrestaurant im Inselspital mehr Gäste, die sich für den Tagesteller entscheiden, und weniger Kunden weichen auf das Salat- oder Gourmet-buffet aus. «Denn mit dem Tagesmenü können sie sich gesund ernähren und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse gut abdecken», erläutert Tanner.

Der tägliche Fruchtkonsum ist am Inselspital dank lunch4vitality um rund 20 Kilogramm (entspricht 200 Portionen) gestiegen, und auch der Gemüseanteil hat deutlich zugenommen. So viel Innovation zahlt sich aus: Das Projekt lunch4vitality erhielt den ersten Preis der Grands Prix Suisses «Gesundheit im Unternehmen 2014». Intern wird das gesunde Mittagsmenü ebenfalls mit Wohlwollen betrachtet: Sogar in Jobinseraten wird das Personalrestaurant erwähnt.

Gesunde Ernährung

Für eine ausgewogene Ernährung empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE die  Richtlinien der Schweizer Lebensmittelpyramide. Die sechsstufige Pyramide steht für eine ausgewogene Ernährung. Lebensmittel der unteren Pyramidenstufen werden in grösseren Mengen benötigt, jene in der oberen Stufen sollten weniger häufig gegessen werden.

Die Kombination der Lebensmittel im richtigen Verhältnis macht eine gesunde Ernährung aus. Wichtig ist, diese möglichst abwechslungsreich aus den einzelnen Pyramidenstufen zu wählen und schonend zuzubereiten. www.sge-ssn.ch/lebensmittelpyramide

Gesunde Mitarbeiter als Grundlage des unternehmerischen Erfolgs

Gerade im Berufsalltag ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung enorm wichtig, da sie dem Leistungserhalt und auch der Leistungssteigerung dient. Die Grundlage jedes Unternehmens sind gesunde und zufriedene Mitarbeiter. «Hier spielt die Ernährung eine wichtige Rolle», sagt Steffi Schlüchter, dipl. Ernährungsberaterin HF bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. Die meisten Arbeitnehmenden verbringen mindestens acht Stunden täglich sitzend am Arbeitsplatz, und oft ist der Arbeitsalltag hektisch. «Mit ausgewogenen Menüs im Personalrestaurant leistet ein Unternehmen einen wesentlichen Beitrag für seine Mitarbeiter.»

Doch für die Gesundheit reicht Essen allein nicht aus. «Die Ernährung ist nur ein Element von vielen», sagt Tanner. Hinzu kommen der Raum, die Servicequalität und der soziale Austausch mit anderen. «Für die Gesundheit ganz wichtig ist, dass der Gast nach seiner Mittagspause zufrieden vom Tisch aufsteht.»

Pause zu machen ist für Tanner von hoher Bedeutung: «Gerade im Spital machen die Mitarbeiter oft zu wenig Pause, dabei ist Abschalten ein zentraler Gesundheitsfaktor.» Vor allem jüngere Menschen nähmen sich oft zu wenig Zeit zum Essen. Dafür stellt der Leiter Gastronomie fest, dass die junge Generation ein höheres Ernährungswissen hat und experimentierfreudiger ist als die ältere. Auch die Bedürfnisse der Generationen sind unterschiedlich – zum einen abhängig von körperlichen Möglichkeiten, zum anderen aufgrund von Gewohnheiten. «Sushi kommt bei 60-Jährigen erwartungsgemäss schlechter an als bei Menschen zwischen 20 und 40», sagt Steffi Schlüchter von der SGE.

Liegestühle und Treppen zum Verweilen in der Personalkantine

Am Inselspital stellt Bernhard Tanner auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest: Frauen bevorzugen ein wohnliches, warmes Personalrestaurant, während Männer eher rational sind. «Sie wollen in erster Linie viel auf dem Teller haben», sagt Tanner schmunzelnd. Frauen hätten zudem ein höheres Sozialbedürfnis in der Mittagspause als Männer.

«Ein hoher sozialer Kontakt entspricht uns; dem will das Inselspital noch stärker gerecht werden», so Tanner. Das nächste Projekt soll sich deshalb mit der Restaurant-Aussenzone befassen. Dem Gastronomie-Chef schweben Liegestühle und Treppen vor, die zum Verweilen einladen.

lunch4vitality: Erfolgreiche gesunde Restaurants im Inselspital

An der nationalen Tagung für betriebliche Gesundheitsförderung erfahren Sie im Referat von Bernhard Tanner,
Leiter Gastronomie am Inselspital Bern, wie gesunde Ernährung im Personal­restaurant gestaltet werden kann.

Ort: Universität Fribourg, Symposium 6
Datum: 3. September 2014
Infos: gesundheitsfoerderung.ch/tagung

 

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