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So vermeiden Sie Stress über die Feiertage

Weihnachten, das ist Zeit, um Familie und Beziehungen zu feiern. Doch das Fest der Liebe kann schnell auch zum Stress für alle Beteiligten werden. Das lässt sich mit ein paar einfachen Gedanken im Vorfeld verhindern. Probieren Sie es aus!

Ein Familien- und Beziehungsfest

Weihnachten ist ein Fest der Gefühle und eine schöne Gelegenheit, um den Liebsten zum Ausdruck zu bringen, dass man sie schätzt und dankbar ist für die Vertrautheit und die Geborgenheit, die die eigene Familie schafft.

Weihnachten ist aber auch ein Fest der Erinnerungen. Viele von uns werden in ihre Kindheit zurückversetzt. Harmonische Bilder tauchen auf und prägen unser Bild davon, wie wir heute Weihnachten feiern wollen. Es können jedoch auch unangenehme Erinnerungen mit dem Fest verknüpft sein. Dann darf Weihnachten vor allem eins nicht: So sein wie früher.

Es stehen also hohe Erwartungen, geprägt von Ideal-Vorstellungen, im Raum. Klaffen diese und die «reale emotionale Welt» zu weit auseinander, folgt der Stress auf dem Fuss.

Es lohnt sich darum, sich im Vorfeld mit ein paar Fragen auseinanderzusetzen: Kann man den gestellten Erwartungen gerecht werden? Welche Gefühle begleiten mich an Weihnachten? Kann man den anderen Familienmitgliedern so positiv besetzte Gefühle überhaupt entgegenbringen? Teilen die anderen Mitglieder die eigene Auffassung von Weihnachten?

Je weniger man die realen Gefühle in sich wahrnimmt, umso stärker bemüht man sich oft, gute Gefühle zu erzeugen. Sei es, indem man auf besonders kostbare Geschenke achtet, ein besonders aufwändiges Essen serviert oder sich ein speziell stimmungsvolles Szenario ausdenkt. Gefühle als lebendige Energie haben es in sich, dass sie sich kaum an ein solches Drehbuch halten. So braucht es wenig – eine falsche Bemerkung, eine zerkochte Speise, ein unstimmiges Geschenk – und schon brechen die weniger beliebten Gefühle aus, die man vorher mit viel Aufwand zu übertünchen versuchte. Die Katastrophe bahnt sich an.

Ehrliche Selbstreflexion hilft

Wie wäre es, wenn Sie schon vor Weihnachten in einer ruhigen Minute folgenden Fragen nachgehen?

  • Wie nahe fühle ich mich meinen nächsten Angehörigen?
  • Haben wir eine Beziehung des Vertrauens oder herrscht viel Distanz?
  • Kommt die Wertschätzung immer wieder in Form von Freude und Lust am Beisammensein zum Ausdruck, oder herrscht eher ein Gefühl von Distanz, Enttäuschung oder sogar Entfremdung?
  • Pflegen wir einen offenen Austausch, kennen wir die eigentlichen Gefühle der Nächsten oder haben wir uns schon länger kaum mehr über persönliche Dinge miteinander unterhalten?

Wie es auch immer ist, Weihnachten kann eine Gelegenheit sein, sich näher zu kommen und Beziehungen zu pflegen. Besonders dann, wenn man sich von den idealen Vorstellungen löst und sich mehr den wirklichen Gefühlen zuwendet. Das Weihnachtsfest hilft dabei, weil ausgelöst vom Ambiente oft die tiefen, ehrlichen Gefühle in uns aufsteigen – ob die nun positiv oder negativ sind. Gerade an Weihnachten lassen sich schlechte Gefühle besonders ungern verdrängen. Wer sich seine realen Gefühle vergegenwärtigt und ihnen Platz lässt, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist besser gewappnet für einen möglichen Ausbruch an Enttäuschung, Ärger oder Stress, der sich oft an Kleinigkeiten entzündet. Wer sich seiner eigenen Gefühle bewusst ist, kann gelassener reagieren und eher auf die Störung eingehen.

So kann ein sich anbahnender Streit mit einem Satz geschlichtet werden. Zum Beispiel so: «Ich verstehe, dass Du enttäuscht bist. Mir ist auch bewusst, dass wir uns zu wenig Zeit genommen haben füreinander. Jetzt haben wir ein paar Tage, nutzen wir diese doch für uns.» Auf diese Weise kann wieder Nähe und Vertrauen entstehen.

Klinken Sie sich dafür in diesen Tagen möglichst von Ihren Mails aus und schalten Sie Ihr Smartphone aus. So vermeiden Sie erneute Enttäuschung. Ein schreckliches Gefühl, wenn Ihre Liebsten den Eindruck haben, das Büro sei sogar in diesen Tagen wichtiger.

Vom Stress, das richtige Geschenk zu finden

Wieso schieben wir die Suche nach passen Geschenken immer wieder bis zum letzten Moment hinaus? Ist das nur eine Frage des Zeitmanagements?

An Weihnachten möchten wir unseren Liebsten beweisen, dass wir das beste und passendste Geschenk für sie ausgesucht haben und erwarten entsprechend begeisterte «Oh, wie toll! Super!» - Bestätigung. Doch schon bei der Suche schleichen sich Zweifel ein: Passt das wirklich? Ist das wirklich sein Geschmack? Ist es wertvoll genug? Die Zweifel sind berechtigt: So ganz sicher kann man im Voraus ja nie sein. Man wälzt die Ideen lange Zeit im Kopf hin und her. Erst der Zeitdruck kurz vor den Festtagen erlöst uns: Heute muss ich mich entscheiden.

Wie schützt man sich vor diesem Stress?

Lassen Sie Ideen reifen, mit was Sie Ihre Nächsten beschenken wollen. Das braucht seine Zeit. Geben Sie deshalb Ihrem Unbewussten früh genug den Auftrag, Ihnen Ideen zu liefern. Und räumen Sie einer möglichen Enttäuschung Platz ein. Der Beschenkte darf auch enttäuscht sein, falls Sie den Geschmack doch nicht getroffen haben. Schätzen Sie Ihren Partner dafür, dass er Ihnen aufrichtig zum Ausdruck bringt, ob Sie den Geschmack getroffen haben. Eine authentische Beziehung ist mehr wert als jedes Geschenk.

Bei einer allfälligen Enttäuschung können Sie auf diese Weise gelassener reagieren. Zum Beispiel so: «Oh, schade, dass ich deinen Geschmack nicht getroffen habe. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und gedacht, das würde dir gefallen. Aber man darf es umtauschen.»

Stress durch Familien-Besuche

Die kostbaren freien Tage am Jahresende sind häufig stark belegt durch Besuche von oder bei der Familie. Endlich hat man frei, kann ausspannen – und ist schon längst wieder ständig auf Achse. Diese Besuche kosten ja auch Kraft; so ganz kann man sich oft nicht gehenlassen. Die Lust auf Verwandtenbesuche hält sich deswegen häufig in Grenzen.

Die Partnerin spürt natürlich Ihre Unlust bei der Frage: «Wie lange bleiben wir denn?» oder «Muss das denn den ganzen Tag in Anspruch nehmen?» Eine solche Reaktion kann kränkend sein. Denn auch wenn jemandem bewusst ist, dass die eigene Familie anstrengend sein kann, ist sie doch ein Teil von einem selbst. Insofern wünschen wir uns, dass der Partner den eigenen Familienangehörigen Wertschätzung entgegenbringt.

Man kann den Familienbesuchen aber auch Positives abgewinnen. Stellen Sie sich vor, dass Sie ausgiebig Zeit und Gelegenheit bekommen, Ihren Partner über seine Familie kennenzulernen, vielleicht mit Seiten und Aspekten, die im Alltag eher verborgen bleiben.

Man hat die eigenen Eltern ja auch in sich. Wer Kinder erzieht, also Eltern geworden ist, spürt das. Die Schwiegermutter, die alles perfekt arrangiert und über den kleinsten Patzer lange lamentiert, der Schwiegervater, der jede Diskussion beherrscht, indem er immer Recht hat und auf andere Argumente gar nicht eingeht. Sie demonstrieren Schwierigkeiten, mit denen Ihre Partnerin oder Ihr Partner zu kämpfen hatte und die Sie an Ihrem Partner vielleicht auch hie und da nerven. Mit der richtigen Einstellung können Sie bei Verwandtenbesuchen die «innere Landkarte», die Sie von Ihrem Partner haben, ausdifferenzieren und im besten Fall mehr Verständnis für ihn entwickeln.

 

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Felix Kobelt, Lic.phil. Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, bietet in Winterthur Beratung, Therapie, Supervisionen und Coaching für Einzelne, Paare und Gruppen an. Zudem führt er Seminare zu den Themen «Emotionale Intelligenz im Berufsleben», «Emotional intelligent Konflikte lösen» und «Emotionale Intelligenz im Umgang mit schwierigen Team-Situationen».

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