20. Berner Wirtschafts- und HR-Forum

Vom Geld, Geist und Humankapital

In Anwesenheit von rund 1000 Gästen feierte das Berner Wirtschafts- und HR-Forum im Kursaal sein 20-Jahr-Jubiläum.

Die Jubiläumsausgabe des Berner Wirtschafts- und HR-Forums stand unter der Leitfrage «Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?». Nach einem launigen Impulsreferat von «Mister Dax» Dirk Müller wurde die Frage in einer Podiumsdiskussion erörtert: Neben SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Claudio Hintermann, Gründungsmitglied von Abacus Schweiz, der Vermögensverwalterin und Secondhandshop-Besitzerin Anna Achermann standen auch Ex-Eishockey-Profi und Banker Ivo Rüthemann sowie Forumsgründer und Beiratsvorsitzender Rolf Meichle im Aufgebot von Gastgeber und Gesprächsleiter Christian Vifian.

Die Dramaturgie im Hinblick auf sein Referat zum Thema «Geld und Geist» hätte von der Schweizerischen Nationalbank nicht besser aufgebaut werden können, frotzelte Keynote-Speaker Dirk Müller zum Auftakt seines Impulsreferates mit Verweis auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Die Notenbanken seien es auch, die massgeblich das Geld regieren, nahm Müller die Antwort auf die Leitfrage gleich vorweg und setzte mit einem kurzen Einblick in die berufliche Vergangenheit der aktuell einflussreichsten Notenbanker eine durchaus interessante Fussnote: Sowohl in der US-Notenbank FED wie auch in der Europäischen Zentralbank sassen und sitzen auffällig viele ehemalige Goldman Sachs-Banker in den Chefsesseln.

Perversion und Gier

Danach nahm sein Referat weiter Fahrt auf. Müller spannte gekonnt einen Bogen vom Inflationsangst getriebenen Schuldenkarussell zum Hochfrequenzhandel, der sich «immer schneller und immer verrückter» entwickle. Als er anfangs der 90er-Jahre noch selber auf dem Börsenparkett stand, hätten noch ein gewisser Ethos und «hanseatische Kaufmannsregeln» gegolten, während sich heute mit dem anonymen Hochfrequenzhandel und der «Abschaffung der Menschen» auf den Märkten nur mehr «Perversion» und «Gier» breit machen.

Die Börse verliere damit zunehmend ihre Aufgabe für die realen Märkte. «Wir müssen langsamer werden!», so Müllers eindringlicher Appell, um danach gleich zu einem Angriff auf die Monopolbildungen im Zeitalter der Digitalisierung überzugehen: Ob Google, Apple, Microsoft oder Facebook – überall seien «totalitäre Tendenzen» auszumachen, die man nicht auf die leichte Schulten nehmen dürfe. Ebenso sei die anhaltende Monopolisierung in der weltweiten Vermögensverteilung mit grosser Sorge zu betrachten: «Das ist eine brandgefährliche Entwicklung» warnte Müller mit Verweis auf die USA, wo bereits drei Millionen Menschen auf Essensmarken angewiesen seien. Europa dürfe sich nicht den radikalen Individualismus der USA zum Vorbild nehmen, sondern müsse sich auf die Tradition des Gemeinsinns zurückbesinnen.

Deshalb begegne er Ideen, wie dem bedingungslosen Grundeinkommen oder auch der 1:12-Initiative mit einer gewissen Sympathie, wenngleich er im zweiten Fall ein Verhältnis von 1:50 vernünftiger fände. Geld sei ein trügerisches Motivationsinstrument, warnte Müller, um sein Impulsreferat in einer Empfehlung an die anwesenden Wirtschaftskräfte und HR-Verantwortlichen gipfeln zu lassen: «Die Menschen suchen Planbarkeit statt Boni, betrachten Sie ihre Mitarbeiter als Menschen und nicht als Humankapital!» 

«HSG-Qualitäten der Ignoranz und Arroganz»

Die Eröffnungsfrage zur anschliessenden Podiumsdiskussion führte stracks in die Gegenwart zurück: «Mindestkursaufhebung: Ja oder Nein?» Für Dirk Müller ein klarer Fall: «Unbedingt! Die Bilanz der SNB wäre irgendwann explodiert.» Weitaus vorsichtiger äusserte sich Ex-SRF-Moderator und SP-Nationalrat Matthias Aebischer: «Wir Politiker haben dazu gar nicht so viel zu sagen und das ist auch gut so. Fragen Sie mich in zehn Jahren nochmal.» Während Anna Achermann, Vermögensverwalterin und Second-Hand-Laden-Besitzerin in Personalunion auf die wortreichen Fragen von Gesprächsleiter Christian Vifian zwischen ihren beiden vordergründig gegensätzlichen Tätigkeiten eine Analogie herzustellen versuchte, sinnierte Ex-Profieishockeyspieler und Banker Ivo Rüthemann über das Verhältnis von Sport und Geld

Claudio Hintermann, der vor exakt 30 Jahren die Software-Firma Abacus als Start-up von HSG-Absolventen in Bern mitgegründet hatte, erinnerte sich derweil selbstironisch an die Gründerzeit zurück: «Wir machten uns mit den typischen HSG-Qualitäten der Ignoranz und Arroganz ans Werk». Weniger unbeschwert betrachte er heute allerdings die berufliche Zukunft seiner Kinder. In Bezug auf Dirk Müllers Referat pflichte er bei, dass Hochfrequenzgeschäfte abgeschafft gehören. «Geld ist wie Energie nur dann etwas wert, wenn sie sich materialisiert.» Und was ist für ihn das höchste Gut? «Mit Menschen Zeit zu verbringen, die man mag.»

Ein ausführliches Interview mit Dirk Müller lesen Sie der nächsten Ausgabe von HR Today (erscheint am 28. Januar 2015).

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