Swisscom verschärft den Sparkurs und baut weitere 700 Stellen ab

Die Swisscom war im Geschäftsjahr 2017 gut unterwegs. Trotz anhaltenden Preisdrucks hat der grösste Telekomkonzern der Schweiz einen Gewinn auf Vorjahreshöhe erreicht. Das 2016 eingeleitete Sparprogramm soll dennoch verschärft werden.

Zürich (sda). Vor zwei Jahren kündigte die Swisscom an, im Schweizer Geschäft bis 2020 die Kosten jährlich um rund 60 Millionen Franken senken zu wollen. Das genügt der Swisscom-Geschäftsleitung nicht mehr. Neu sollen bis 2020 jährlich 100 Millionen Franken eingespart werden. Swisscom-Chef Urs Schaeppi verwies an der Bilanzmedienkonferenz zur Begründung auf die internationale Konkurrenz. «Im TV-Bereich steht die Swisscom im Wettbewerb mit globalen Internetunternehmen, die eine ganz andere Kostenstruktur aufweisen als wir», sagte Schaeppi am Mittwoch in Zürich.

Das hat Folgen. Die Swisscom will im laufenden Jahr weitere 700 Stellen streichen. Ende 2018 sollen es in der Schweiz nur noch 17'000 Vollzeitstellen sein. Damit schrumpft der Stellenbestand bei der Swisscom auf das Niveau des Jahres 2013. Beim Start des Sparprogramms beschäftigte der Telekomkonzern noch knapp 19'000 Mitarbeitende.

Die Swisscom will wie in den letzten zwei Jahren den Abbau vor allem mit freiwilligen Stellenwechseln und Pensionierungen umsetzen. Gemäss Swisscom-Personalchef Hans Werner hat der Konzern im letzten Jahr bei einem Abbau von insgesamt 684 Vollzeitstellen 98 Kündigungen aussprechen müssen. Für 85 Prozent der Betroffenen sei zudem eine externe Lösung gefunden worden sei, sagte Werner. «Lediglich 15 Prozent mussten an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) verwiesen werden.»

In welchen Abteilungen die Swisscom im laufenden Jahr Stellen streichen wird, konnte Werner nicht sagen. Klar sei einzig, dass der Grossteil des Abbaus an den Standorten Zürich und Bern erfolgen wird.

Stabile Geschäftszahlen

Hinter den Kulissen wird sich beim grössten Schweizer Telekomkonzern demnach auch in diesem Jahr einiges verändern. In den Kennzahlen des vergangenen Geschäftsjahrs widerspiegelt sich diese Bewegung nur bedingt. So sind 2017 sowohl der Umsatz (+ 0,2 Prozent auf 11,7 Milliarden Franken) wie das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (+ 0,0 Prozent auf 4,3 Milliarden Franken Ebitda) stabil geblieben.

Die Investitionen (-1,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Franken) und der Reingewinn (-2,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken) haben sich vor allem aufgrund von Sonderfaktoren leicht reduziert.

Dieser Anschein der Stabilität jedoch trügt. Sie ist das Ergebnis von Verschiebungen. So haben beim Umsatz die italienische Tochterfirma Fastweb und die günstigen Wechselkurse den Umsatzeinbruch in der Schweiz wettgemacht. Beim Betriebsergebnis kompensierten höhere Gewinn von Fastweb und vom Schweizer IT-Geschäft den Gewinneinbruch im Schweizer Privatkundengeschäft.

Und auch in diesem selbst ist das Geschäft in Bewegung. So hat die Swisscom in der Schweiz 199 Millionen Franken an Umsatz eingebüsst. 80 Millionen davon gingen durch die weiter sinkenden Zahl von Festnetzanschlüssen verloren. 40 respektive 50 Millionen Franken weniger als im Vorjahr nahm die Swisscom wegen Rabatten bei Bündelangeboten und tieferen Roaminggebühren ein.

Kombiangebote auf dem Vormarsch

Gleichzeitig weisen Bündelangebote und das TV-Angebot weiterhin ein starkes Wachstum auf. Die Zahl der Breitbandanschlüsse stieg vor allem aufgrund von Swisscom TV gegenüber 2016 um 22'000 auf 2 Millionen Anschlüsse. Der Umsatz mit Bündelangeboten stieg um 13,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken.

Schaeppi erwartet, dass diese Trends auch in den kommenden Jahren bestimmend bleiben werden. Geschäftlich dagegen verspricht er weitere Stabilität. Auch für 2018 erwartet die Swisscom einen Umsatz, ein Betriebsergebnis und Investitionen auf Vorjahreshöhe.

Die Anleger reagierten auf diesen Ausblick positiv. In einem allgemein wieder optimistischeren Markt erhöhte sich der Kurs der Swisscom-Aktie bis 16 Uhr um über 3 Prozent.