Best Practice im HRM: Ein Einblick in den Auswahlprozess

1. Schritt: Self-Assessment
Im ersten Schritt werden die Unternehmen aufgefordert, sich um den Swiss HR-Award 2010 zu bewerben, indem sie bis 20. November 2009 einen Fragebogen ausfüllten. Mehr als 22 hervorragende Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr beworben und uns ihre Angaben übermittelt.

Das Konzept für das Self-Assessment basiert auf einer grossen Zahl von Studien, welche den Zusammenhang von HRM-Massnahmen und dem Unternehmenserfolg untersucht haben. Entsprechend wurden beim Self-Assessment die von den Unternehmen eingesetzten Konzepte, Massnahmen und Instrumente erhoben. Unterschieden wurden fünf Dimensionen des HRM:

* Strategische Orientierung & Controlling
* HRM-Organisation & Verwaltung
* Relations Management (inkl. Arbeitsgestaltung und -organisation)
* Performance Management
* Competence Management


Beim Self-Assessment sollten die Unternehmen angeben, wie sie organisiert sind und welche Konzepte, Massnahmen und Instrumente sie in den Bereichen einsetzen. Erhoben wurde ausschliesslich das Vorhandensein und nicht die Ausgestaltung und die Qualität der Konzepte, Massnahmen und Instrumente. HRM-Instrumente, die sich gemäss Studien nachweislich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken, erhielten bei der Auswertung hohe Punktzahlen, Instrumente, bei denen die Erfolgswirkung weniger deutlich ist, niedrigere Punktzahlen. Die Bewertung der Angaben aus dem Self-Assessment fusst auf folgenden Grundannahmen:

* Je mehr Aspekte beim HRM berücksichtigt werden und je mehr erfolgswirksame Instrumente eingesetzt werden, desto besser wird das HRM beurteilt.
* Vielfalt (Diversity) bei den Mitarbeitenden fördert Problemlösungskompetenz und somit den Unternehmenserfolg. Entsprechend werden Massnahmen, welche die Vielfalt fördern, positiv beurteilt.
* Je fundierter die Berücksichtigung der gesellschaftlichen Ansprüche (beispielsweise Nichtdiskriminierung) erfolgt, desto besser.
* Mehr und breitere Information wird als Erfolgsfaktor betrachtet. Insbesondere wird angenommen, dass Strategien nur erfolgswirksam realisiert werden können, wenn diese breit verankert sind.
* Die Qualität der Arbeits- und Personalprozesse nimmt zu, je besser alle (internen) Interessengruppen integriert sind.

Allen Unternehmen, die am Award teilgenommen haben, wird ihre Wertung auf jeder Dimension in Form einer grafischen Darstellung im Spinnennetz zurückgemeldet. Dabei erhalten sie auch einen Vergleich zu dem Unternehmen, das auf dieser Dimension am besten abgeschnitten hat. Die schriftlichen Feedbacks helfen bei der Positionierung und beim Erkennen von Defiziten. Dies wurde von den Unternehmen sehr positiv aufgenommen und gezielt genutzt, um Massnahmen zu ergreifen, und hat den Wunsch geweckt, sich wiederholt oder vertieft evaluieren zu lassen.
Obwohl sich nur Unternehmen mit einem guten HRM beworben haben, war die Streuung der Analyseergebnisse der Self-Assessments sehr gross und bildete so eine sichere Basis für die Auswahl der acht besten Unternehmen.

2. Schritt: Audit mit vertiefenden Interviews und Dokumentenanalyse
Für den zweiten Analyseschritt besuchen im Januar 2010 ausgewiesene Audit-Teams des Instituts für Personalmanagement und Organisation der Fachhochschule Nordwestschweiz die acht Unternehmen. Mittels Interviews und Dokumentenanalyse wurden die Umsetzung und die betriebliche Integration des HRM evaluiert.
Das Audit hat zwei Ziele: Erstens wird dabei geprüft, ob die Angaben im Self-Assessment zutreffend waren oder ob sich Missverständnisse ergeben haben. Zweitens wurden im Audit – im Gegensatz zum Self-Assessment – Qualität, Konsistenz und Nachhaltigkeit der Ausgestaltung und des Einsatzes der HRM-Instrumente vertieft evaluiert.

Die vertiefte Evaluation muss sich allerdings auf eine Auswahl bestimmter Themenbereiche innerhalb der fünf zentralen Dimensionen des HRM beschränken. Neben den fünf Dimensionen wird zusätzlich noch die Zertifizierung der HRM-Prozesse in die Bewertung einbezogen. Dies mit der Idee, dass Unternehmen, die sich von aussen begutachten lassen, umfassend und regelmässig zertifiziert sind und in der Folge über transparente und geprüfte Prozesse verfügen.

Es ist erfreulich, dass sich einige Unternehmen wiederholt um den Swiss HR-Award beworben haben. Bei diesen konnten wir feststellen, dass die Feedbacks aus den früheren Audits auf fruchtbaren Boden gefallen sind und in kurzer Zeit erstaunliche Verbesserungen erzielt wurden. Bei den Unternehmen, die bereits bei den letzten Awards den Sprung unter die besten Unternehmen geschafft hatten, konnte das Audit auf Veränderungen im Vergleich zu vorherigen Audits fokussiert werden. Zudem wurden spezifische Themen noch vertiefter evaluiert.
 
Im Anschluss an die persönlichen Interviews wurden die einzelnen Bewertungen der Audit-Teams auf die Einheitlichkeit der Massstäbe überprüft und die Unternehmen insgesamt beurteilt. Dies erfolgte im Rahmen eines Workshops mit den Auditorinnen und Auditoren. Die Schlussrangierung wurde schliesslich aufgrund der Verrechnung der Ergebnisse des Self-Assessments und der Audit-Ergebnisse ermittelt. Die drei bestplatzierten Unternehmen wurden einer renommierten Jury mit entsprechender Dokumentation zur definitiven Rangierung unterbreitet.

Das gesamte Analysekonzept und Vorgehen kann hier als PDF heruntergeladen werden.

 
 

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