Arbeitsrechtstagung 2019

Korrekte Massenentlassung

«Als Betrieb gilt es manchmal, kleinere und grössere Stürme zu überstehen», eröffnet Tagungsleiterin und Rechtsanwältin Sara Licci den Anlass am 7. März im Marriott Hotel Zürich. «Wir wollen Ihnen helfen, diese Stürme zu überstehen.»

Dafür sorgen sollen namhafte Referenten wie Urs Schmid. Der Leiter des Mobilen RAV im Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau hat in seiner über 20-jährigen Tätigkeit einiges durchlebt punkto betrieblicher Veränderungen: Rund 300 Massenentlassungen hat er begleitet. Seine Ansichten seien mittlerweile etwas pragmatisch. «Trennungen sind ein Teil des Lebens und damit auch ein Teil des Arbeitslebens.»

Trotzdem stelle er heute noch typische Fehler beim Personalabbau fest: überhastete Vorgehensweisen, eine fehlende Vorbereitung, unklare Botschaften. Vergessen gingen meistens die über 50-Jährigen und die verbleibende Belegschaft. «Es gibt aber auch Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen», betont Schmid. Ein aktuelles Beispiel sei eine Kabelfirma. Sogar der CEO habe an einem Workshop für Führungskräfte teilgenommen, bei dem es um professionelles Trennungsmanagement gegangen sei.  «Ein Kündigungsgespräch muss man nämlich üben. Es muss sec, klar und trotzdem menschlich sein.»

Den ehemaligen Waadtländer Nationalrat Jean Christophe Schwaab stört bei Personalabbau-Plänen etwas anderes. Meist werde nur darüber gesprochen, wie die Folgen eines Abbaus gemildert werden können. Das Hauptziel müsse jedoch sein, die Stellen zu retten. «Man kann gar keine Massnahmen für die Gekündigten ergreifen, solange man nicht genau weiss, wie viele überhaupt gehen müssen», gibt Schwaab zu bedenken. Um einen Personalabbau so sauber wie möglich abzuhandeln, brauche es Spielraum und genügend Zeit. Womit er gleicher Meinung ist wie Urs Schmid: Eine überhastete Vorgehensweise hinterlässt nur Unzufriedenheit – auf beiden Seiten.

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Eliane Stöckli

Online-Redaktorin, HR Today. es@hrtoday.ch

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