Die 24-Stunden-Sitzung der Zukunft

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Herr Jordi, Sie organisieren Ende August eine 24-stündige Konferenz zum Thema «Arbeitswelt der Zukunft». Müssen wir uns darauf einstellen, dass in Zukunft alle Konferenzen so lange dauern?

Christoph Jordi: Nein, das glaube ich nicht. Es ist ein neues Format, das wir gerne ausprobieren wollen. Aber wir werden natürlich niemanden einsperren. Die Türen bleiben die ganze Nacht über offen. Wer will, kann jederzeit nach Hause gehen -  oder wieder zurückkommen. Unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen treffen, die sich bei der Arbeit nicht über den Weg laufen würden. Sie sollen die Möglichkeit haben Ideen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, ohne an einen engen Zeitrahmen denken zu müssen. Es soll Platz und Zeit für Bier- und Schnapsideen geben.

Was stört Sie denn an den herkömmlichen Konferenzformaten?

Verschiedenes. Erstens werden Konferenzen heute vor allem von Eventorganisationen auf die Beine gestellt, und diese sind an einem finanziellen Gewinn interessiert. Diese Kommerzialisierung hat nichts mehr mit der Ursprungsidee zu tun, dass branchenverantwortliche Gremien sich zusammensetzen, um Erfahrungen auszutauschen. Zweitens sind die wenigsten Konferenzen interdisziplinär. Sie sind nicht durchmischt, weder betreffend Branchen, noch bezüglich Alter oder Hierarchiestufen. Ich bin aber überzeugt, dass die Probleme der Zukunft interdisziplinär gelöst werden müssen. Dafür braucht es eine Flexibilisierung der Organisation. Drittens: Bei den üblichen Konferenzen kann niemand arbeiten, es wird nur zugehört. Die kollektive Energie, das kollektive Wissen, das in einem Raum mit sagen wir 100 Zuhörern vorhanden ist, wird nicht genutzt.

Der Interviewpartner

Christoph Jordi ist Gründer und Geschäftsführer von DoDifferent. Das Beratungsunternehmen organisiert die 24-Stunden Konferenz. Jordi war Chief Marketing Officer der Winterthurer Versicherungsgruppe und Group Head of Learning & Development sowie Global Head Organisation Development beim AXA Konzern. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft ist er Dozent für Marketing und Branding. Jordi lebt in Zürich und Klosters.

Das wollen Sie ändern an der 24-h-Konferenz?

Genau. Wir arbeiten nach der sogenannten Open-space-Methode. Jeder kann ein Thema auf den Tisch bringen, das er gerne diskutieren möchte. So bilden sich kleine Gruppen, nur mit Personen, die sich wirklich für die Fragestellung interessieren. Mehrere solche Gespräche laufen parallel. Was spannend ist, wird weiter entwickelt - auf diese Weise entsteht das Programm an der Konferenz selbst. Nicht ein Referent bestimmt die Richtung, sondern die Teilnehmer. Das klingt jetzt etwas chaotisch, in Wahrheit aber ist der Anlass sehr strukturiert und wird stark moderiert. Eingeladen sind alle, die neugierig und bereit sind, sich aktiv einzubringen und ihre Ideen, Erfahrungen und Gedanken zu teilen. So treffen Manager auf Studenten, Selbständige auf Querdenker, Dozenten auf Mitarbeiter. 24 Stunden - 100 kreative Köpfe - das dürfte 1000 Ideen geben.

Gibt es Vorbilder für die 24-h-Tagung?

Die Tradition der 24-h-Konferenz gibt es in der IT-Branche schon länger. Sie sind aus den Hackatons, den Hack-Days entstanden, wo Computer-Cracks 24 Stunden Zeit hatten, um Löcher im Sicherheitssystem einer Firma zu finden. Es hat sich gezeigt, dass in dieser kreativen Atmosphäre sehr viel positive Energie entsteht. Heute wird das Format darum nicht nur für die Qualitätsüberprüfung genutzt, sondern auch für Innovationsworkshops. In der Software-Welt hat sich das Format bewährt. Nun wollen wir es in einer etwas ungewohnteren Umgebung ausprobieren.

Etwas riskant, oder?

Wer nichts wagt, gewinnt nicht. Es ist immer riskant, Neues auszuprobieren. Aber wir haben tolle Leute dabei. Auf der einen Seite sind das bekannte Namen wie Heiko Fischer, Matthias Mölleney und Sybille Sachs. Auf der anderen Seite aber auch unbekannte Gesichter mit spannenden Lebensgeschichten wie beispielsweise eine Studentin, die unter anderem schon Lehrerin, Tangotänzerin und Bandcoach war und jetzt Kriegsjournalistin werden will. Die Menschen reagieren positiv auf unsere Idee, zudem haben wir AXA und KV Schweiz als Partner - das stimmt mich optimistisch.

Warum haben Sie für die erste 24-h-Konferenz das Thema «Arbeitswelt der Zukunft» ausgewählt?

Weil das Thema breit und tief genug ist, um viele Diskussionen zuzulassen. Und weil ich glaube, dass sich in der Arbeitswelt sehr viel verändert.

In welche Richtung?

Persönlich glaube ich, wird es in Zukunft weniger fixe Stellen und fixe Stellenbeschriebe geben. Es wird mehr darum gehen, sein Talent zur Verfügung zu stellen - projektbezogen. Zudem werden starre Hierarchien verschwinden. Ein CEO ist vielleicht CEO für einen bestimmten Prozess, dann kommt ein neuer. Die Schweiz mit ihrem relativ freien Arbeitsrecht ist prädestiniert, diesbezüglich eine gewisse Vorreiterrolle zu übernehmen. Auch denke ich, werden die Arbeitsplätze nicht mehr die gleichen sein. Das Büro wird etwas zwischen Starbucks, Kinderkrippe, Sportzentrum sein - eine Art Dorfplatz mit vielen Nischen und Arbeitsplätzen. Aber das sind alles nur Ideen, die gerne an der Konferenz angefochten werden dürfen.

Das Thema Arbeitswelt ist ziemlich lebensnah. Denken Sie, Ihr Konferenz-Format eignet sich auch für trockenere Themen?

Ja, unbedingt. Ich könnte mir vorstellen, dass Unternehmen solche Konferenzen auch für beispielsweise Strategieentwicklungsprozess nutzen. Mitdiskutieren dürfen dann alle: Von der Putzfrau über den Portier bis zum Geschäftsleitungsmitglied. Unser Ziel ist es, jedes Jahr eine solche Konferenz durchzuführen. Super wäre natürlich, wenn sich das Thema für 2014 bereits an der diesjährigen Konferenz herauskristallisiert.

24thinkpark «Arbeitswelt der Zukunft»

Der 24thinkpark «Arbeitswelt der Zukunft» startet am Freitag, 23. August, um 9:30 Uhr und endet am Samstag, 24. August, um 9:30 Uhr. Diskutiert wird im Papiersaal des Sihlcity-Areals in Zürich. Für Verpflegung ist gesorgt. Anmeldung und Information unter: www.24thinkpark.com.

 

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Langweilige Referate, die immer gleichen Branchenköpfe und keine Zeit für kontroverse Diskussionen: Wer Konferenzen besucht, ist über deren Nutzen oft enttäuscht. Dabei wäre in einem vollen Tagungssaal doch ein riesiger Pool an Erfahrungen, Know-how und Ideen versammelt. Dieses Potential will die Beratungsfirma DoDifferent nutzen und organisiert eine Konferenz der völlig neuen Art - während 24 Stunden kann interdisziplinär jeder mitmachen, der Lust hat. Das Thema passt zum Format: Diskutiert wird über die Arbeitswelt der Zukunft.

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