Serie Tatjana Strobel

Körpersprache im Vorstellungsgespräch: Teil 7

Körpersprache-Expertin Tatjana Strobel beschreibt in 10 Teilen exklusiv für hrtoday.ch, was der Körper eines Kandidaten während eines Bewerbungsgesprächs über dessen Befindlichkeit und Charakter verrät. Im siebten Teil zeigt Tatjana Strobel auf, wie man wahre Aussagen erkennen kann.

In den letzten beiden Kolumnen konnten Sie, liebe Leserinnen und Leser, vieles über die Lüge lesen, die Motive der Lüge und deren Erkennungszeichen in Mimik, Körpersprache, und Stimme. Heute geht es um inhaltliche Hinweise in einer Schilderung, sowie Methoden, wie Sie der Wahrheit auf die Spur kommen können.

Wahre Schilderungen sollten immer folgende vier Komponenten beinhalten:

Detailreich: Wahre Erzählungen sind vielseitig und stecken voller kurioser und unnötiger Details. Der Kandidat, der sie erzählt, hat sie erlebt und kann somit alle Details wiedergeben. Unser Gehirn sammelt unzählige Informationen der Situation über die Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut) und speichert diese ab, das Erlebte kann nun immer wieder abgerufen werden. Menschen, die eine Geschichte erfinden, können diese nur detailreich schildern, wenn Sie sich die Dinge im Kopf zusammenstricken, die Inhalte niedergeschrieben haben oder die Story an etwas bereits Erlebtes anknüpfen.

Aussergewöhnliche Details: Sie sind die beste Garantie für wahre Schilderungen. Damit ist gemeint, dass man sich bei Erlebtem sehr gut an Skurriles, Verrücktes und Ungewöhnliches erinnert und dieses auch äussert. Beim Lügen können niemals die Gefühle, die sich bei real Erlebtem entwickelt haben, wiedergeben werden.

Angaben über den eigenen emotionalen Zustand: Gefühle und Gedanken in kritischen oder herausfordernden Situationen sind klare Indizien für die Wahrheit. In jeder erlebten Situation haben Menschen Gefühle und Gedanken, die sie in der Regel in den Schilderungen erwähnen. Kommen diese in einer Schilderung nicht vor, so ist es ein Indiz für eine Lüge.

Infos über Raum und Zeit: Hier werden Rituale, Gewohnheiten, räumliche und zeitliche Details mit der Erzählung verknüpft. Fehlt diese Komponente so, könnte dies ebenfalls einen Hinweis auf die Lüge oder der Hinweis auf einen einstudierten Text sein.

Sie sehen, es gibt bei Schilderungen oder Erzählungen zum Werdegang eines Bewerbers auf einiges zu achten!

Wie können Sie nun Lügen im Keim ersticken, oder ihnen auf die Spur kommen? Indem Sie die drei folgenden Methoden anwenden.

Der Erwartungshaltungseffekt

Ersticken Sie geplante Lügen durch den sogenannten Erwartungseffekt bereits im Keim.

Als HR Manager oder Mitarbeiter haben Sie sich mit jedem Berufsjahr jede Menge Menschenkenntnis erarbeitet. Fangen Sie an, diese Fähigkeit/Erfahrungswerte gekonnt in Ihr Interview miteinzubauen, schwärmen Sie von Ihren Erkenntnissen/Erlebnissen/Entlarvungen.

  • Geben Sie Ihrem Gegenüber zu verstehen, dass Sie eine gute Menschenkenntnis besitzen und nur schwer hinters Licht geführt werden können
  • Streuen Sie locker ins Gespräch ein, dass Sie sich sehr mit Psychologie auseinandersetzen und das Thema Lügen Sie sehr fasziniert
  • Lassen Sie Lügen-Menschenkenntnislektüre auffällig auf ihrem Schreibtisch liegen
  • Sprechen Sie begeistert über Ihre Erfolge

Die Testfragen

Die sogenannte Testfragen-Methode beinhaltet Fragen, deren Inhalt definitiv nicht richtig ist. Beispielsweise: «Der Aktienkurs Ihrer Firma hat ja in den letzten Tagen beachtlich an Wert gewonnen.»  – Obwohl die Aktie auf Talfahrt ist.

Die Fragen helfen die Wahrheitsliebe und das Selbstbewusstsein Ihres Gegenübers auf den Prüfstand zu stellen, sowie das Verhalten im unehrlichen Fall zu beobachten. Was passiert? Klärt er über die falsche Aussage auf? Wenn ja, wie geht er dabei vor? Zappelt er herum, lächelt er sozial, bejaht er ihre Aussage, wird sein Körper steif, lenkt er auf ein neues Thema um?

Die Hinterfrage-Methode

Sobald Sie der Meinung sind, Ihr Kandidat hat etwas geflunkert oder beim Gehalt eine Schippe zu viel aufgelegt, so fangen Sie an, 3-4 Fragen zum Thema zu stellen. Zeigen Sie dabei deutlich, dass seine Aussage Sie überrascht oder irritiert. Lassen Sie nicht locker, und lassen Sie sich vor allem nicht ablenken. Ihr Gegenüber wird sich sichtlich unbehaglich fühlen, versuchen, auf andere Themen umzulenken, und  wenn es anders nicht mehr geht, verbal versuchen, den Schaden möglichst klein zu halten, zurückzurudern. Beispiel in Sachen Gehalt: «Ihr aktuelles Gehalt erscheint mir zu hoch und entspricht nicht dem üblichen Gehaltsspiegel…Wie setzt sich dieses zusammen? Wie erklären Sie sich die Abweichung?»

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Analysieren der vier Komponenten und beim Einsatz der drei Methoden.

Herzlichst

Tatjana Strobel

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Tatjana Strobel ist Expertin für Körpersprache, Physiognomie und Menschenkenntnis, Bestsellerautorin und Gründerin des Unternehmens «TS HeadWorx». www.tatjanastrobel.ch, www.mesmerize-it.ch

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