Heft 7&8/2015: Fokus Forschung

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Führen heisst, Leute um sich zu scharen, um mit ihnen gemeinsame Ziele zu erreichen. Führung hat also viel mit Gefolgschaft für gemeinsame Ziele zu tun. Wie aber erreicht man für gemeinsame Ziele Gefolgschaft?

Mit der Frage der Gefolgschaft beschäftigt sich die Führungsforschung seit jeher. Dazu braucht es u. a. motivierende Aufgaben, interessante Belohnungen und individuelle Beachtung für die Geführten sowie Kompetenz und persönliche Ausstrahlung der Führenden. Aber wie verklickert man gemeinsame Ziele? Betrieblich gesehen ist diese Frage ebenso wichtig, denn Betriebe sind Plattformen der Teamproduktion, und bei der Teamproduktion zählt vor allem die gemeinsame Koordination und nicht nur die individuelle Motivation. Es sollen ja alle am gleichen Strick ziehen – und vor allem in die gleiche Richtung! Wie also vermitteln Führungspersonen gemeinsame Ziele?

Eine Forschungsgruppe um Andrew M. Carton der Universität von Pennsylvania ging der Frage nach, wie in Führungsbeziehungen gemeinsame Ziele entstehen. Sie konzentrierten sich dabei auf die Kommunikation und fokussierten die Bedeutung, die Visionen und Werte für die Bildung von gemeinsamen Zielen haben. Zu diesem Zweck analysierten sie Dokumente von 151 Spitälern und experimentierten mit 62 Gruppen von Vollzeitbeschäftigten. Fazit: Führungspersonen kommunizieren häufig mit Visionen und Werten. Die meisten nutzen viele Werte und vermitteln abstrakte Visionen. Der grösste Effekt auf die Bildung von gemeinsamen Zielen ergab sich jedoch dann, wenn die Führungspersonen nur wenige Werte brauchten und die Visionen besonders bildhaft vermittelten.

Was lässt sich aus diesen Forschungsergebnissen ableiten? Erstens: Führung ist Kommunikation – eine Lehre für alle virtuellen Teams, verteilten Organisationen und Führungsbeziehungen auf Distanz. Zweitens: Eine Kommunikation zur Bildung gemeinsamer Ziele braucht nicht viele Werte, sondern vor allem bildhafte Visionen – eine Lehre für alle, die Konzepte skizzieren, Theorien nutzen und Modelle entwickeln. Drittens: Bildhafte Visionen können gemeinsame Auffassungen effizienter vermitteln als verbale Feuerwerke – eine Lehre für alle, die planen, Kick-offs lancieren und Leitbilder formulieren. Viertens: Führungskommunikation ist nicht deshalb effektiv, weil sie eloquent, fremdsprachig oder gescheit ist, sondern weil sie bildhaft ist.

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Prof. Dr. Bruno Staffelbach ist Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre und Direktor des Centers für HRM an der Universität Luzern.

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