Ferienabwesenheit

Nicht erreichbar sein – darf man das?

Die neuen Technologien machen es möglich: Dank Smartphone, Laptop und Co. sind wir ständig erreichbar, selbst am Feierabend und in den Ferien. Darf man in der heutigen Zeit überhaupt noch sagen: Ich bin jetzt zwei Wochen offline?

Stellen Sie sich vor, Sie liegen gerade am Strand und geniessen die Sonne, als plötzlich Ihr Handy klingelt: Die Firma ruft. Kein Problem für Sie? Oder finden Sie, dass Sie im Urlaub eine Auszeit verdient haben und nichts von Arbeit hören wollen?

Für HR-Experte Matthias Mölleney ist es durchaus in Ordnung, in den Ferien nicht erreichbar zu sein. «Es ist aber wichtig, das vorher genau abzumachen, damit es keine Missverständnisse gibt.» Er empfiehlt, mit dem Vorgesetzten eine «Notfall-Telefonnummer» zu vereinbaren, unter der man auch in den Ferien erreichbar ist, die aber «wirklich nur im Notfall benutzt wird».

Ein paar Tage kein Problem

Wie lange jemand «untertauchen» darf, hänge ganz von der Stelle, von der Verantwortung und der Stellvertretungsmöglichkeit ab, findet Mölleney. «Generell sind ein paar Tage sicher kein Problem. Doch je länger die Nichterreichbarkeit dauert, desto schwieriger könnte es werden, fällige Entscheidungen ohne den Einbezug des Abwesenden zu treffen.»

Urs Klingler, Managing Partner der klingler consultants ag, macht die Erreichbarkeit ebenfalls von der Position abhängig. «Ein Sachbearbeiter oder ein unteres Kadermitglied darf durchaus mal nicht erreichbar sein.» Ein Mitglied der Geschäftsleitung oder der Direktion werde sich aber vermutlich regelmässig informieren müssen, was im Geschäft läuft, und sich vielleicht einmal pro 24 Stunden telefonisch im Büro melden. «Je höher die Position, umso mehr muss man seine Abwesenheit regeln», sagt Klingler.

Ob man erreichbar sein wolle oder nicht, sei eine Frage der Organisation. Wer daran gewöhnt sei, für den sei es kein Problem, praktisch ständig zur Verfügung zu stehen. «Für andere kann es jedoch bedrückend sein» gibt Klingler zu bedenken. Das sieht auch Mölleney so:  «Wen die ständige Erreichbarkeit bei der notwendigen Entspannung und Erholung behindert, sollte Lösungen mit ‘Off-Zeiten’ finden, in denen ständige Erreichbarkeit nicht notwendig ist.» Er persönlich habe kein Problem damit, dauernd verfügbar zu sein. «Ich habe mich daran gewöhnt.» Er wolle dies aber auf keinen Fall verallgemeinern.

Stellvertretung klar regeln

Klingler findet es ganz gut, zwischendurch nicht erreichbar zu sein. Entscheide sich jemand für die Abschalt-Variante, müsse es einfach jemanden geben, der die Anfragen beantworte, sagt Klingler. Die Stellvertretung müsse klar geregelt oder das Mail umgeleitet werden. Ganz wichtig: Die Dauer der Abwesenheit kommunizieren.

Wie HR Today erfahren hat, wird in einigen Firmen weder mitgeteilt, wie lange jemand weg ist, noch, dass er in den Ferien weilt. Mölleney findet es keine Schande zu kommunizieren, dass man in den Ferien sei. «Der einzige Grund, Ferienabwesenheit nicht zu kommunizieren, könnte darin bestehen, dass man vermeiden möchte, dass Unbefugte von den Ferien erfahren und die Abwesenheit zum Beispiel für einen Einbruch in die Privatwohnung nutzen könnten.»

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