Checkliste

Die sechs wichtigsten agilen Prinzipien

Agilität als Allheilmittel? Weit gefehlt. Aber mit dem richtigen Mindset und einer Führung, die mit gutem Beispiel vorangeht, ist der Weg zu mehr Selbstbestimmtheit zumindest ein Stück weit vorgeebnet.

1. Kundenorientierung:

Eine konsequente Ausrichtung der Projekt- und Alltagsarbeit auf die Bedürfnisse der Kunden.

2. Eigenverantwortlichkeit:

Eine weitgehende Übertragung der für ihre Arbeit relevanten Entscheidungsbefugnisse auf die Mitarbeitenden bzw. (interdisziplinären) Teams, so dass diese eigenverantwortlich handeln können.

3. Führung:

Eine Führung, die weitgehend die (Zusammen-) Arbeit moderiert und die erforderlichen Rahmenbedingungen hierfür schafft.

4. Kooperation:

Eine bereichs- und funktionsübergreifende Zusammenarbeit z.B. in Scrum- oder Entwicklerteams, in denen alle nötigen Kompetenzen bzw. Kompetenzbereiche vertreten sind, um das übergeordnete Ziel zu erreichen.

5. Arbeitsweise:

Eine inkrementelle (= schrittweise) Arbeitsweise, bei der grössere und komplexere Vorhaben, geleitet von einer Vision, allmählich, in sogenannten Sprints geplant werden und den Kunden im Prozessverlauf regelmässig sogenannte Inkremente – also (Teil-) Lösungen – ausgeliefert werden, die diese bereits nutzen und bewerten können.

6. Qualitätssicherung:

Ein iteratives (= wiederholend) Vorgehen, bei dem in den Gesamtprozess immer wieder Reflexionsschleifen eingebaut sind, um aus den gewonnenen Erfahrungen, neuen Informationen usw. Schlüsse für das weitere Vorgehen zu ziehen.

In der Praxis scheitert das Übertragen agiler Arbeitsweisen auf ganze Unternehmen meist nicht nur daran, dass in manchen Abteilungen einige der agilen Prinzipien nur bedingt realisierbar sind. Entscheidender ist: Ein agiles, also weitgehend selbstbestimmtes Arbeiten, setzt bei den Mitarbeitenden neben einer hohen fachlichen Expertise auch eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstführung und -organisation voraus. Zudem müssen sie eine hohe intrinsische Eigenmotivation haben. Dieses Fähigkeiten- und Eigenschaftenbündel ist bei vielen Arbeitnehmenden (noch) nicht oder nur bezogen auf gewisse Aufgaben gegeben.

Dies unter anderem, weil viele Unternehmen beim Versuch ihre Kultur zu verändern, ihren Arbeitnehmenden zwar Methodenwissen vermittelt haben, das Warum aber oft zu kurz kam. Die Unternehmen haben es also weitgehend verpasst, ihren Mitarbeitenden zu erklären, warum selbstbestimmtes Arbeiten überhaupt nötig ist – was auf eine Änderung des Mindset, also der Einstellungen der Mitarbeitenden abzielt.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Bei allen Bemühungen den Mitarbeitenden gegenüber, dürfen die Führungskräfte nicht vergessen gehen. Sie brauchen in der sogenannten VUKA-Welt ein hohes Mass an Selbstreflexion und Kompetenz zur Selbstführung. Denn sie müssen ihr Führungsverhalten immer wieder flexibel und agil der Entwicklung des jeweiligen Mitarbeitenden bzw. Teams sowie der jeweiligen Situation anpassen.

Hierfür gilt es sie zu qualifizieren: Die Führungskräfte-Entwicklungsmassnahmen sollten – wie bei den Mitarbeitenden – dem Entwicklungsstand der Führungskräfte sowie ihrer aktuellen bzw. künftigen Funktion entsprechen. Zudem gilt es, die Führungskräfte zwar zu fordern, aber nicht zu überfordern, denn nur dann reifen sie mit der Zeit zu den selbstbewussten Persönlichkeiten heran, die die Unternehmen in der VUKA-Welt und im digitalen Zeitalter auf allen Ebenen brauchen.

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Uwe Reusche

Uwe Reusche ist einer der beiden Geschäftsführer des ifsm Institut für Sales & Managementberatung, das unter anderem ein «Mindful Leadership» genanntes Entwicklungsprogramm für Führungskräfte im digitalen Zeitalter anbietet.

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