Digitalisierung umsetzen

Ein Social-Media-Praxisfahrplan für HR

Social Media ist in vielen B2B-Unternehmen Standard – professionell ist es noch nicht überall. Wer im Fachkräftemangel bestehen will, braucht klare Routinen, smarte Prioritäten und KI als Entlastungswerkzeug.

Am Vormittag diskutiert die Geschäftsleitung über KI-Strategien, am Nachmittag bittet der Fachbereich «rasch um einen LinkedIn-Post» für die offene Stelle – und zwischendurch sollen auch noch Employer Branding, Lehrlingsmarketing und interne Kommunikation mitlaufen. So sieht der Alltag vieler HR-Abteilungen aus: hohe Erwartungen an Digitalisierung und Sichtbarkeit, aber wenig zusätzliche Ressourcen.

Parallel dazu hat sich in zahlreichen B2B-Unternehmen der DACH-Region eine neue Normalität etabliert: Social Media ist fester Bestandteil der HR- und Kommunikationsarbeit geworden und KI wird gezielt als Entlastungswerkzeug genutzt. Die aktuelle B2B Social Media Studie 2025/26 von «ALTHALLER communication» mit 872 befragten Unternehmen zeigt, wie weit diese Professionalisierung schon reicht – und bietet auch HR-Verantwortlichen in der Schweiz klare Ansatzpunkte, um den eigenen Weg zu justieren.

Social Media ist Standard – aber nicht überall professionell genutzt

Horizontales Balkendiagramm aus derselben Studie mit dem Titel «Welche Zielgruppen wollen B2B-Unternehmen durch Social Media erreichen?»: Neue Kunden (91,7 %) und Bestandskunden (88,4 %) sind die meistgenannten Zielgruppen, gefolgt von Geschäftspartnern (58 %) und Kooperationspartnern (54,9 %); ein Textkasten rechts hebt hervor, dass Social Media primär auf Kundengewinnung und -bindung ausgerichtet ist, Recruiting eine zweite wichtige Säule bildet und Influencer kaum relevant sind.


Die B2B Social Media Studie zeigt klar: Social Media ist im B2B kein Experiment mehr. Für die grosse Mehrheit der befragten Unternehmen gehört es fest zum Kommunikationsmix und HR spielt dabei eine wichtige Rolle. Potenzielle Mitarbeitende werden explizit als die zentrale Zielgruppe genannt. Rund 31 Prozent der Unternehmen zählen «Personal Leads» zu den wichtigen Erfolgskriterien ihrer Social-Media-Aktivitäten – HR- und Recruiting-Themen sind damit ein relevanter Treiber, kein Nebenaspekt.
 

  • In wissensintensiven Branchen wie IT/Telekommunikation, Beratung oder Medien ist Social Media meist klar strukturiert: Zuständigkeiten, Prozesse, regelmässige Auswertungen und ein messbarer Paid-Anteil. ITK-Unternehmen investieren im Schnitt rund 46 Prozent ihres Social-Media-Budgets in Paid-Massnahmen – ein Indikator für strategische Steuerung.
  • In traditionelleren Branchen wie Bauwirtschaft oder Teilen des produzierenden Gewerbes liegt der Paid-Anteil nur bei etwa 37 Prozent, Social Media wird oft «nebenbei» von Mitarbeitenden mitgemacht, die eigentlich andere Hauptaufgaben haben.

Die grössten Hürden sind über Branchen hinweg ähnlich – und treffen HR besonders:

  • Mangelnde Ressourcen und «Social Media als Nebenaufgabe» gehören zu den meistgenannten Herausforderungen.
  • Bei der Content-Generierung sehen die meisten Branchen eine zentrale Hürde. In der Finanzwirtschaft etwa nennen rund 40 Prozent der Unternehmen genau diesen Punkt als grösstes Problem.
  • Im Health-Care-Bereich fehlt es häufig am Commitment der Mitarbeitenden; rund 43 Prozent der Unternehmen in dieser Branche nennen das als Top-Hürde.

Social Media ist im B2B also flächendeckend angekommen, aber nicht flächendeckend professionell aufgesetzt. Für HR-Abteilungen ist die Frage nicht mehr, ob Social Media und KI genutzt werden sollten, sondern wie konsequent – und ob man sich eher auf der Seite der digitalen Vorreiter oder der Nachzügler wiederfindet. Genau hier setzt der folgende Praxisfahrplan an.

Drei typische Pain Points im HR-Alltag

Horizontales Balkendiagramm aus der Studie 2025/26 «Von der Masse zur Klasse» mit dem Titel «Was sind die größten Herausforderungen für Social Media in der B2B-Kommunikation?»: Zehn Faktoren werden auf einer Skala von 0 bis 4 bewertet (Vergleich 2024/2025); als grösste Herausforderungen stechen Ressourcen (≈3,5), Generierung von Content (≈3,3) und Budget (≈3,1) hervor, die im Diagramm gesondert hervorgehoben sind. Quelle: ALTHALLER communication / Arbeitskreis Social Media B2B / Mittelstand-Digital Zentrum Ilmenau.


Aus den Studienergebnissen im DACH-Raum lassen sich drei wiederkehrende Herausforderungen erkennen, die auch in der Schweiz sichtbar sind:

  1. Zeit und Ressourcen: HR-Teams arbeiten am Limit. Strategische Personalplanung, operative Prozesse, interne Projekte – für systematische Social-Media-Arbeit bleibt wenig übrig. Die Folge sind unregelmässige Posts, «Bauchgefühl-Kommunikation» und Kampagnen, die rasch versanden. Die B2B Social Media Studie zeigt: Erfolgreiche Unternehmen haben klare Rollen, einfache Workflows und feste Routinen etabliert – auch mit kleinen Teams.
  2. Kompetenz und Sicherheit beim Einsatz von KI: HR-Verantwortliche sehen den Nutzen von KI, sind aber unsicher im Umgang mit ihr. Textentwürfe, Kampagnenideen oder Bildkonzepte lassen sich beschleunigen, gleichzeitig stellen sich Fragen nach Qualität, Kulturpassung und rechtlichen Rahmenbedingungen. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen nutzen KI bereits für Content-Unterstützung – aber nur ein Teil bindet sie bewusst in Strategieprozesse ein. Das Potenzial wird genutzt, aber noch nicht systematisch gesteuert. Nicht das Tool entscheidet über den Erfolg, sondern die Fragen, die HR daran stellt.
  3. Fehlende strategische Verankerung: Social Media wird im HR häufig als zusätzliches Recruiting-Instrument betrachtet, nicht als Teil einer integrierten HR- und Unternehmenskommunikation. Zuständigkeiten zwischen HR, Kommunikation und Fachbereichen bleiben unscharf. Erfolgreiche Unternehmen dagegen denken Social Media entlang eines klaren Pfads – von Aufmerksamkeit über Vertrauen bis hin zur konkreten Bewerbung.

Zweiteilige Kreisdiagramm-Infografik aus derselben Studie mit dem Titel «Welcher Teil des Gesamtbudgets für die Social-Media-Kommunikation entfällt auf Ads/Sponsored Posts?»: Links ein Halbkreisdiagramm zeigt, dass 53,4 % der Unternehmen bezahlte Inhalte einsetzen; rechts ein Ringdiagramm schlüsselt die Budgetanteile auf (35,1 % investieren 0–20 %, 32 % investieren 20–50 %); ein Textkasten unten hält fest, dass zwei Drittel unterhalb der 50-%-Marke bleiben und strategisches Potenzial ungenutzt bleibt.


Vier konkrete Handlungsempfehlungen


Damit aus diesen Erkenntnissen praktische Schritte werden, lassen sich vier Empfehlungen ableiten, die sich auch mit begrenzten Ressourcen umsetzen lassen:

1. Fokussieren statt verzetteln


Viele HR-Teams sind auf zu vielen Plattformen ein bisschen aktiv – und nirgends wirklich präsent. Die B2B Social Media Studie zeigt eine Entwicklung weg von «überall ein bisschen» hin zu einem Fokus auf wenige Kernplattformen. Für HR-Verantwortliche kann das bedeuten:

  • LinkedIn als Hauptbühne für Fachkräfte, Führungskräfte und Corporate Influencer;
  • Instagram dort, wo Lernende, Trainees oder jüngere Zielgruppen im Fokus stehen.

Statt mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen, lohnt sich eine klare Priorität pro Halbjahr, zum Beispiel:

  • «Mehr qualifizierte Bewerbungen für Fachfunktionen im Raum Zürich» oder
  • «Stärkung der Arbeitgebermarke im IT-Segment».

Darauf aufbauend hilft ein einfaches Raster: 1. Ziel, 2. Hauptzielgruppen, 3. Kernbotschaften. Dieses Raster dient als Kompass und erleichtert es, auch unter Zeitdruck konsistent zu bleiben.

2. KI bewusst als Entlastungswerkzeug definieren


KI kann HR deutlich entlasten – wenn klar ist, wofür sie eingesetzt wird. Hier bewährt sich ein pragmatischer Ansatz:

  • KI erstellt Rohfassungen von Stellenanzeigen, Social-Media-Posts oder Kurzbotschaften.
  • HR prüft, ergänzt kulturelle Aspekte und schärft die Tonalität (z. B. Sprachvarianten Deutsch/Französisch).
  • KI hilft bei Variation und Verdichtung von Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen oder Kanäle.

Sinnvoll ist ein klarer Rahmen: Drei wiederkehrende Aufgaben definieren, bei denen KI entlasten soll (z. B. Post-Entwürfe, Umformulierungen, Zusammenfassungen von Fachtexten), diese über drei Monate testen und Effekte auf Zeitaufwand und Resonanz messen. So wird aus KI-Nutzung ein strukturierter Lernprozess – kein Zufallsprodukt. Wichtig: HR behält die inhaltliche Hoheit, KI liefert Tempo und Varianten.

3. Corporate Influencer in Engpassbereichen aufbauen


Die Studie zeigt, dass Corporate Influencer – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über ihre Arbeit, Projekte und Erfahrungen sprechen – zu den stärksten Glaubwürdigkeitsfaktoren im B2B gehören. Besonders in der IT werden Entwicklerinnen und Entwickler, Consultants oder Projektleiterinnen und Projektleiter bewusst aufgebaut und begleitet. Für HR bieten Corporate Influencer-Programme vor allem in Engpassbereichen Chancen, etwa in Pflege, IT oder Engineering. Ein realistischer Pilotansatz:

  • Auswahl von 3–5 Mitarbeitenden aus Schlüsselbereichen, die Interesse an Social Media haben.
  • Gemeinsame Definition von Themenfeldern (beispielsweise «Arbeitsalltag im Spital» oder «Technologieprojekte im Maschinenbau»).
  • Unterstützung durch HR und Kommunikation in Form von Leitplanken, Schulungen sowie inhaltlichem Sparring.

Ein Rahmen von zwei Beiträgen pro Monat pro Person über sechs Monate reicht, um Wirkung und Kennzahlen wie Profilbesuche, Bewerbungen oder Rückmeldungen aus dem Markt auszuwerten.

4. Erfolg an HR-Kennzahlen messen


Unternehmen wechseln zunehmend von reinen Reichweitenkennzahlen zu aussagekräftigeren KPIs. Für HR heisst das: Follower-Zahlen und Impressionen sind nachrangig. Entscheidend ist, was Social Media zu HR-Zielen beiträgt. Sinnvolle Kennzahlen sind zum Beispiel:

  • Anzahl qualifizierter Bewerbungen pro Kampagne
  • Herkunft der Bewerbungen (Anteil Social Media versus Jobportale)
  • Time-to-Hire in Funktionen, die aktiv über Social Media beworben werden
  • Traffic auf der Karriereseite aus Social Media

Ein monatliches 30-Minuten-Review mit einem einfachen Dashboard reicht oft, um Muster zu erkennen und Budgets gezielt zu steuern. Gerade in Organisationen mit schlanken HR-Teams hilft dieser feste Termin, Social Media von der «Nebenaufgabe» zur gesteuerten Massnahme zu entwickeln.


Wie KI-Assistenzlösungen HR konkret entlasten


Zwischen Anspruch und Alltag entsteht in vielen HR-Teams eine Lücke. Ein Ansatz, sie zu schliessen, sind kombinierte Beratungs- und KI-Formate wie «MySocialAssist». HR- und Kommunikationsverantwortliche bringen ihre Fragen mit, eine speziell trainierte KI greift auf die Langzeitdaten der B2B Social Media Studie zurück, Studienherausgeberin Jacqueline Althaller ordnet die Ergebnisse individuell ein und übersetzt Zahlen in konkrete Schritte. HR ist damit nicht allein mit der KI, sondern bewegt sich in einem moderierten Rahmen. So entsteht Sicherheit im Umgang mit der Technologie – ein zentraler Punkt für viele HR-Verantwortliche.

In «MySocialAssist» schildert zum Beispiel eine Employer-Branding-Verantwortliche aus dem Maschinenbau mit 280 Mitarbeitenden ihre Recruiting-Situation – die Kombination aus Studienbenchmarks und KI wird dort in einen konkreten Kanal-Mix, Budgetleitplanken und passende Formate für technische Fachkräfte übersetzt. Das ausführliche Anwendungsbeispiel ist in den Autoreninformationen mit weiterführenden Links am Ende des Beitrags vermerkt.

Parallel dazu macht «AlthallerAssist», die neue App von «ALTHALLER communication», die weiterentwickelte Studienbasis als 24/7 verfügbare, datenbasierte KI nutzbar. Anders als generische Sprachmodelle arbeitet das System mit der B2B-Langzeitstudie als Kern. Nutzerinnen und Nutzer können eigenständig prüfen, wie vergleichbare Unternehmen mit Fachkräftemangel umgehen, welche Rolle Corporate Influencer in ihrer Branche spielen oder wie intensiv KI bereits im Recruiting eingesetzt wird.

Fazit: Digitalisierung im HR beginnt mit Klarheit, nicht mit Tools


Digitalisierung und KI verändern die Arbeit von HR – ob man es aktiv gestaltet oder geschehen lässt. Die B2B Social Media Studie 2025/26 zeigt: Viele Unternehmen haben Social Media bereits professionalisiert und nutzen KI als produktiven Verstärker. Für HR-Abteilungen liegt darin eine Chance: Sie können auf erprobte Muster zurückgreifen, statt jede Erfahrung selbst machen zu müssen.

Wer Social Media als strategisches Instrument versteht, klare Ziele definiert, KI bewusst als Entlastungswkzeug einsetzt und den Erfolg an HR-Kennzahlen misst, verschafft sich im Wettbewerb um Talente einen spürbaren Vorsprung. KI-Assistenzlösungen können diesen Weg erleichtern – ersetzen ihn aber nicht. Nicht das Tool entscheidet über den Erfolg, sondern die Fragen, die HR daran stellt.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur B2B Social Media Studie und zu «MySocialAssist» erhalten Sie hier.

Ein konkretes HR-Anwendungsbeispiel aus «MySocialAssist» (Employer Branding im Maschinenbau) finden Sie hier.

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Gastautorin Alexa Ramgraber blickt freundlich lächelnd direkt in die Kamera. Sie trägt eine Brille mit gemustertem Rahmen, ein braunes Top unter einem schwarzen Blazer sowie eine feine Goldkette. Ihr langes, gewelltes Haar fällt offen über die Schultern vor einem neutralen Studiohintergrund.

Alexa Ramgraber ist PR-Consultant bei «ALTHALLER communication» und Projektverantwortliche für die B2B Social Media Studie 2025/26.

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