Im Gespräch

Gesundheitsmanagement und 
Bundespersonalrecht hoch im Kurs

Das neue Ausbildungszentrum der Bundesverwaltung (AZB) besteht seit Anfang 2010. Die über 
7000 Anmeldungen im ersten Jahr sind Beleg dafür, dass die Einrichtung einem echten Bedürfnis 
entspricht. Ein Überblick über Kennzahlen, Tendenzen und die beliebtesten Kursmodule.

In der Cafeteria herrscht emsiges Treiben, in lockerer Atmosphäre wird bei Espresso und Mineralwasser heftig diskutiert. Es ist Mittwoch, der 2. März 2011. Tierärzte der 26 Schweizer Kantone haben sich im Ausbildungszentrum der Bundesverwaltung (AZB) in Bern zu einem strategischen Seminar versammelt. In der Pause tauschen sie nun Visitenkarten und Erfahrungen aus. Ein Tag wie viele andere an der Eigerstrasse 71 unweit der Aare.

Das am 1. Januar 2010 nach einer bewegten Vorgeschichte (siehe Kasten S. 9) eröffnete Ausbildungszentrum blickt auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurück: Im Jahr 2010 wurden über alle Hierarchiestufen hinweg mehr als 7100 Anmeldungen für die (mehrheitlich in den drei Landessprachen angebotenen) Aus- und Weiterbildungskurse verzeichnet. Zur Finanzierung der Kurse verfügt das AZB über ein Jahresbudget von 4,7 Millionen Franken. Das AZB ist in dem im Jahr 2000 renovierten Gebäude des Eidgenössischen Personalamts domiziliert – einem Bau aus Glas, der Transparenz symbolisieren soll. Das AZB umfasst 15 Kursräume im Untergeschoss, eine grosszügige Cafeteria sowie Lounge-Zonen für Gruppenarbeiten und Workshop-Aktivitäten.

Ausbildungskosten zwischen 450 und 550 Franken pro Tag

Der Bundesrat hat für das AZB diverse Zielvorgaben formuliert. So muss das Zentrum ein qualitativ hochstehendes Aus- und Weiterbildungsangebot zu Marktkonditionen anbieten. Eine erste Auswertung hat nun ergeben, dass sich die Ausbildungskosten für einen Tag zwischen 450 und 550 Franken bewegen. Diese Kosten werden den jeweiligen Verwaltungseinheiten des Bundes in Rechnung gestellt, die alle über ein eigenes Ausbildungsbudget verfügen. So müssen die Bundesangestellten für die Kurse nicht in die eigene Tasche greifen; zudem stehen ihnen dafür Freitage zu.

Das AZB hat im Weiteren den Auftrag, seine Produkte und Dienstleistungen an den spezifischen Bedürfnissen der eidgenössischen Departemente und ihrer Verwaltungseinheiten auszurichten. «Bevor wir einen neuen Kurs anbieten, sprechen wir mit den jeweiligen Zielgruppen, um ihre Bedürfnisse zu verstehen. Danach erarbeiten wir eine Schulungseinheit und engagieren Fachleute aus den entsprechenden Bereichen als Referenten. Unser Angebot entspricht also ganz klaren Bedürfnissen», versichert Gabrielle Merz Turkmani, die Leiterin des AZB.

Der Bund bildet mit seinen Departementen, Verwaltungs- und Logistikeinheiten einen riesigen Organisationsapparat und ist der Transparenz verpflichtet sowie der Kontrolle durch den Souverän unterstellt. Dennoch verfolgt das AZB das Ziel, wie ein privates Unternehmen zu funktionieren, d.h. konkurrenzfähig bezüglich Kosten zu operieren sowie ein kontinuierlich an die realen Bedürfnisse der Kunden angepasstes Angebot zu gewährleisten. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat das AZB sein Zielpublikum in vier Segmente gegliedert. Was die Kursbelegungen betrifft, bilden die 1060 Lernenden des Bundes die grösste Gruppe; sie repräsentieren knapp 4,5 Prozent des Bundespersonals. Ein Grossteil davon belegt einen kaufmännischen Kurs, doch bietet das AZB auch Kurse für die Lernenden der 36 anderen innerhalb des Bundes vertretenen Berufssparten an.

Der Kostendruck macht den 
«Zeitmanagement»-Kurs zum Renner

Die Mitarbeitenden repräsentieren das zweite «Kundensegment». Sie können aus rund 30 Kursmodulen wählen. Der absolute Renner ist der zweitägige Kurs «Arbeitstechnik und Zeitmanagement – Die Zeit im Griff haben, Prioritäten setzen und gute Planungsmethoden anwenden». Gemäss Gabrielle Merz Turkmani ist dies eine Folge der «Kostendruck-Kultur», die beim Bund seit zehn Jahren herrscht. «Die Mitarbeitenden müssen dieselbe Arbeit mit weniger Ressourcen bewältigen – daher ihr Interesse für das Zeitmanagement», erläutert die AZB-Leiterin. Ebenfalls en vogue sind Projektmanagement-Kurse (als Folge immer komplexerer Projekte), die beiden Module «Gut auftreten und präsentieren» und «Geschickt verhandeln und argumentieren» sowie die Kurse «Fit in die Pensionierung» und «Finanzielle Vorsorge».

Der Weg eines politischen Dossiers – vom Parlament zum Bundesrat

Auch für das Kaderpersonal des Bundes besteht ein spezifisches Kursangebot. «Diese Module betreffen zwar einen kleineren Personenkreis, erfordern jedoch höhere Inves-
titionen», betont Vanda Descombes, verantwortlich für das Kadersegment. Die Führungsseminare I (Personenführung und Management) und II (Leadership und Management) sind die meistbesuchten Module; sie dauern neun Tage und sind für Basiskader beziehungsweise das mittlere und höhere Management konzipiert. Das Modul «Bundesrats- und Parlamentsgeschäfte» rangiert ebenfalls unter den Topkursen; es bietet vertieften Einblick in die Prozesse rund um die politischen Dossiers – von ihrer Entstehung bis zum definitiven Entscheid des Bundesrats.

Führungskräfte haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich von externen Coaches unterstützen zu lassen – eine sehr geschätzte Dienstleistung, besonders von jenen höheren Kadern, die frisch an die Spitze eines Departements oder eines wichtigen Dienstes befördert werden. Dreimal pro Jahr bietet das AZB jeweils abends Vorträge mit anschliessendem Apéro für das Management an. Diese informellen Anlässe werden regelmässig von über 100 Personen besucht. Im Jahr 2010 standen folgende Vorträge auf dem Programm: «Die Werte von morgen: Die Zukunft der Führung» von Georges T. Roos, «Voice your leadership: Die Bedeutung von Stimme, Mimik und Gestik in der mündlichen Kommunikation» von Branka Zei-Pollermann sowie «Warum gute Manager unethisch handeln» von Prof. Dr. Guido Palazzo von der Uni Lausanne.

HR-Kundensegment: zentral für die Veränderung der Unternehmenskultur

Das vierte Kundensegment des AZB repräsentieren die HR-Fachleute. «Dieses Zielpublikum ist zwar zahlenmässig relativ klein, doch es ist ein überaus zentraler Faktor, wenn es darum geht, in den diversen Departementen eine neue Unternehmenskultur zu verankern», meint Vanda Descombes, neben dem Kadersegment auch verantwortlich für das Segment «HR-Fachleute». Am beliebtesten waren bei Letzteren im Jahr 2010 die beiden Module «Personalrecht Bundesverwaltung – Bundespersonalrecht in der Praxis» und «Betriebliches Case Management – Gesundheitsmanagement».

Auf grosses Echo stossen bei den HR-Fachleuten jeweils die Feierabend-Vorträge. Im Rahmen dieser Vortragsreihe referierte etwa Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Mai über die neue Personalstrategie des Bundes (Marketing und Personalbindung, modernes Arbeitsumfeld, konkurrenzfähige Anstellungsbedingungen, Führung des Personals als Basis für hohe Leistungsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit, Herausforderungen der Zukunft, Potenzial der Vielfalt). Das AZB organisiert auch spezifisch auf HR-Fachleute ausgerichtete Praxis-Workshops, an welchen problematische Fallbeispiele präsentiert und mit HR-Kolleginnen und -Kollegen der anderen Departemente diskutiert werden.

Zickzackkurs beendet

Das am 1. Januar 2010 eingeweihte neue Ausbildungszentrum der Bundesverwaltung hat eine bewegte Vorgeschichte. Während der Amtszeit von Peter Hablützel, dem früheren Direktor des Eidgenössischen Personalamts, war das Ausbildungszentrum bereits in einem Gebäude zentralisiert. Im Jahr 2006 beschloss der Bundesrat, die Ausbildung in den einzelnen Departementen zu dezentralisieren; dies wurde in den Jahren 2007 und 2008 denn auch so praktiziert. In dieser Periode verblieb die Ausbildung für höhere Kader, HR-Fachleute und Lernende an der Eigerstrasse 71. 2008 kommt der Bundesrat auf seinen Entscheid zurück und ordnet die erneute Zentralisierung der Ausbildung unter einem Dach an. Mit diesem strategischen Zickzackkurs handelt sich die Landesregierung herbe Kritik und Häme von zahlreichen Parlamentariern ein. AZB-Leiterin Gabrielle Merz Turkmani erhält in der Folge den Auftrag, die Restrukturierung innerhalb eines Jahres zu vollziehen. «Wir waren enorm unter Druck. Wir mussten ein Team rekrutieren, die Kursprogramme erstellen sowie die Kursräume einrichten», erinnert sie sich. Schliesslich konnte sie aber mit berechtigtem Stolz vermelden: Mission erfüllt!

 

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Marc Benninger ist Chefredaktor der französischen Ausgabe von HR Today.

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