Mitarbeiterempfehlungsprogramme

Gute Leute kennen und empfehlen gute Leute

Ganz nach der sozialpsychologischen Theorie «Gleich und Gleich gesellt sich gerne» versuchen Unternehmen, das private Netzwerk ihrer Mitarbeitenden als gezielten Rekrutierungskanal zu nutzen. Doch wie viel bringen Mitarbeiterempfehlungsprogramme wirklich? Zusammen mit Studierenden der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften hat Sensirion den Erfolg ihres Mitarbeiterempfehlungsprogramms überprüft.

Mit der Arbeit wollte der Sensorenhersteller untersuchen, ob er durch sein Mitarbeiterempfehlungsprogramm wertvolle Mitarbeitende für das Unternehmen gewinnen kann. Um diese Frage zu beantworten, wurden 54 Mitarbeitende, welche über das Empfehlungsprogramm eingestellt wurden, mit 54 zufällig gewählten Mitarbeitenden, die über klassische Rekrutierungskanäle den Weg ins Unternehmen gefunden hatten, verglichen. Vergleichspunkte waren die Funktion, die Performance, die Karriereentwicklung sowie das Dienstalter der Mitarbeitenden.

Hohe Loyalität bei empfohlenen Mitarbeitenden

Die Studie zeigt, dass im Vergleich zu den klassisch rekrutierten Mitarbeitenden nur halb so viele Mitarbeitende, welche über das Empfehlungsprogramm gewonnen wurden, innerhalb des beobachteten Zeitraums gekündigt haben.

Die statistische Auswertung belegt, dass der Unterschied der Kündigungsraten nicht zufällig zu Stande gekommen ist. Dies bestätigt, dass empfohlene Mitarbeitende eine hohe Loyalität aufweisen und deshalb für Unternehmen langfristig wertvoll sind.

Überzeugendes Karrierepotential

Die Studie zeigt weiter, dass die empfohlenen Mitarbeitenden Karrierepotential mit sich bringen. Bei den empfohlenen Mitarbeitenden haben sich 26 Prozent mehr als bei den klassisch rekrutierten innerhalb des Unternehmens weiterentwickelt und eine Fach- oder Führungskarriere begonnen. Dies belegt, dass durch Mitarbeiterempfehlungen überdurchschnittlich viele Mitarbeitende mit Potenzial den Weg ins Unternehmen finden.

Über Sensirion

Das Schweizer Unternehmen ist Hersteller von Sensoren, die in unterschiedlichen Märkten und Applikationen, wie beispielsweise in der Automobilindustrie, Medizintechnik oder Unterhaltungselektronik, zum Einsatz kommen. Das Unternehmen wurde 1998 als Spin-Off der ETH Zürich gegründet und beschäftigt heute weltweit rund 600 Mitarbeitende.

Empfehlungen innerhalb des gleichen Tätigkeitsbereichs sind erfolgreicher

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Mitarbeitende, welche von Kollegen aus dem gleichen Bereich empfohlen wurden, durchschnittlich besser «performen» als solche, die bereichsübergreifend empfohlen wurden. Diese Erkenntnis könnte darauf zurückzuführen sein, dass bereichsinterne Empfehlende neben den Sozial- auch die Fachkompetenzen des zukünftigen Mitarbeiters besser einschätzen können. Diese Erkenntnisse gilt es bei bereichsübergreifenden Empfehlungen als Herausforderung zu berücksichtigen.

Mitarbeitende zur Empfehlung motivieren

Sensirion sieht Mitarbeiterempfehlungsprogramme sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht als nachhaltig erfolgreichen Rekrutierungskanal an. Mittels ihres Programms gewinnt sie langfristig wertvolle Mitarbeitende. Basierend auf den Erkenntnissen der Studie gilt es, die Mitarbeitenden für weitere Empfehlungen zu motivieren, um das Potenzial solcher Programme vollends ausschöpfen zu können. Durch Anreize sollen Mitarbeitende dazu motiviert werden, Empfehlungen auszusprechen. Viele Unternehmen, unter anderem auch Sensirion, nutzen dafür aktuell finanzielle Vergütungen. Literarische Recherchen belegen jedoch, dass insbesondere nicht-monetäre und immaterielle Anreize die emotionale Bindung stärken. Immaterielle Anreize könnten zum Beispiel ein persönliches Dankeschön mit Blumenstrauss oder Pralinés sein oder die Nennung des Mitarbeitenden in der Mitarbeiterzeitschrift. Sachprämien könnten ein Gutschein für ein Nachtessen oder die kostenlose Teilnahme an internen Events sein.

3 Fragen an Heiko Lambach, VP Human Resources, Sensirion AG

Die Studie bestätigt, dass das Mitarbeiterempfehlungsprogramm für Sensirion ein erfolgreicher Rekrutierungskanal darstellt. Hat Sie die Erkenntnis überrascht?

Da ich bisher keine Fakten vorliegen hatte, konnte ich lediglich annehmen, dass Mitarbeiterempfehlungen erfolgreich sind. Ich war jedoch überzeugt, dass die Studie ein positives Ergebnis aufzeigen wird. 

Wie gehen Sie mit den empfehlenden Mitarbeitenden um, wenn sich die Empfehlung als nicht erfolgreich herausstellt und die Zusammenarbeit beendet werden muss?

Unabhängig von einer Empfehlung durchlaufen alle Bewerber einen anspruchsvollen und standardisierten Einstellungsprozess. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt eine deutliche Leistungs- oder Verhaltensverschlechterung bei der empfohlenen Person erkennbar sein, wird der Empfehlende nach der Initiierung des Auflösungsprozesses, spätestens bei offiziellem Bekanntwerden des Austritts, persönlich von mir informiert. 

Die Studie zeigt, dass neben der finanziellen Vergütung auch immaterielle Anreize gesetzt werden sollen. Wie vergütet Sensirion Mitarbeiterempfehlungen?

Bisher hat Sensirion erfolgreiche Empfehlungen finanziell honoriert. Diese Vergütung behalten wir unverändert bei. Die Studie hat jedoch gezeigt, dass die Personalisierung der Belohnung den Anreiz positiv beeinflusst und auch eine persönliche Anerkennung sehr effektiv und motivierend ist. Sensirion wird nun basierend auf den Erkenntnissen der Studie entsprechende Massnahmen entwickeln.

 

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Dr. Constanze Haibach arbeitet bei der Sensirion AG im Geschäftsbereich Employer Branding & Recruiting. In dieser Position betreut sie umfangreiche Projekte, die darauf ausgerichtet sind, die Arbeitgebermarke Sensirion extern und intern zu stärken und den Bekanntheitskreis des Unternehmens als Top-Arbeitgeber international zu forcieren. Dr. Constanze Haibach ist promovierte Molekularbiologin und verfügt über langjährige Erfahrungen im Consulting. Vor 5 Jahren wechselte sie zu Sensirion in den Bereich Employer Branding.

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