HR Today Nr. 11&12/2022: Interview mit Laura Bornmann

«Der Spruch: ‹Du hast noch keine Erfahrung› zieht nicht mehr»

Laura Bornmann leitet seit Oktober 2022 mit Jenny Maertens das operative Geschäft der Non-Profit-Organisationen «Startup Teens» und «GenZ Talents». Ein Gespräch über die digitale Generation Z, was diese im Arbeitsalltag fordert und weshalb das auch anderen Generationen nützt.

Mit «Startup Teens» wollen Sie relevante Future Skills ­vermitteln: etwa unternehmerisches Wissen und Coding-Know-how sowie die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen fördern. Wie machen Sie das?

Laura Bornmann: Indem wir jungen Menschen Lernvideos zu unterschiedlichsten Themen rund ums Gründen zur Verfügung stellen – angefangen bei «Was ist ein Lean Start-up?» über «Was ist Flutter?» bis hin zu «Wie baut man einen ­Roboter?». Diese Videos sind nebst unserem Mentorenprogramm das Kernstück unseres Angebots. Dafür arbeiten wir mit über tausend Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen, die uns Mentorinnen und Mentoren zur Verfügung stellen. In ­Pitch-Trainings lernen Teens, wie sie ihre Ideen verkaufen und Gelder von Investorinnen und Investoren sammeln. Daneben veranstalten wir jedes Jahr eine landesweite ­Challenge, bei der 14- bis 19-jährigen Schülerinnen und ­Schüler ihre Ideen pitchen. Die Gewinnerinnen oder Gewinner ­erhalten ein Preisgeld von 10 000 Euro als Startkapital für ihre ­Gründungsideen.

Laura Bornmann

Laura Bornmann ist 31 Jahre alt und gemeinsam mit Jenny Maertens Managing Director bei «Startup Teens» und «GenZ Talents». Hier befähigen sie junge Menschen in Bezug auf unternehmerisches Denken und Handeln. Ausserdem vermitteln sie junge Talente an Unternehmen und beraten diese dahingehend, wie sie zum attraktiven Arbeitgebenden für die Generation Z werden. Zuvor hat Bornmann die Personalentwicklung bei der Rewe Dortmund SE & Co. KG geleitet und war in dieser Funktion zuständig für rund 18 000 Mitarbeitenden.

 

Apropos Future Skills. Was benötigen künftige Arbeitnehmende?

Die Königsdisziplin ist Intrapreneurship. Unternehmen suchen Mitarbeitende mit unternehmerischen Fähigkeiten, die mitdenken und im Sinne des Unternehmens handeln. Wichtig sind zudem Soft Skills wie Empathie und Kreativität. Ausserdem werden in Zukunft technische Grundlagen-Skills in der KI und Robotik sowie die Fähigkeit mit Veränderungen umzugehen wichtiger.

Inwiefern besitzt die digitale Generation Z diese Skills – im Gegensatz zu anderen Generationen?

Die Generation Z ist digital gross geworden und unterscheidet nicht mehr zwischen virtueller und realer Welt. Das ist eindeutig ein Vorteil, weil Arbeitnehmende künftig über technologische Grundkenntnisse verfügen müssen. Dafür sind junge Menschen gut vorbereitet. Zudem besitzen sie in der Regel einen Sinn für unternehmerisches Handeln und Denken und wollen heute rasch Verantwortung übernehmen. Es kommt für diese Generation nicht mehr infrage, zehn Jahre zu warten, bis man ihnen endlich etwas zutraut und sie ein Projekt stemmen dürfen. Der Spruch: «Du hast noch keine Erfahrung», zieht somit nicht mehr. Zumal es für die Generation Z selbstverständlich ist, auch auf die Nase zu fallen und Fehler zu machen. Etwas, das früher in der Arbeitswelt verpönt war, heute aber im Kontext des lebenslangen Lernens normal ist. Wir dürfen aber nicht vergessen: Erfolgreich sind Unternehmen nur, wenn alle Generationen zusammenarbeiten und diverse Teams entstehen, in denen jeder seine Erfahrungen einbringen kann. Auch junge Leute können von älteren Kolleginnen und Kollegen lernen.

Beispielsweise?

Persönliche Reife: Diese ist in der Regel in jungen Jahren noch nicht ausgeprägt. Aber auch Geduld und Durchhaltevermögen, wenn Dinge nicht sofort klappen. Hinzu kommt ihre fehlende Erfahrung. Das darf man nicht kleinreden. Auch wenn sich heute alles viel schneller verändert und Erfahrung heute nicht mehr einen so grossen Stellenwert hat wie früher.

Nebst «Startup Teens» wollen Sie neu mit «GenZ Talents» jungen Menschen den besten Berufseinstieg ermöglichen. Damit das gelingt, beraten Sie Unternehmen zum Recruiting, Onboarding, Personalführung und Intrapreneurship. Was ist neu?

Der klare Fokus auf die Generation Z. Das Spannende an dieser Generation ist ja, dass sie meist das gleiche will, wie die Generationen davor – beispielsweise Sinn bei der Arbeit finden oder flexible Arbeitsbedingungen – sie es aber ganz anders einfordert, weil sie auf dem Arbeitsmarkt einen andere Stellenwert hat. Am Ende sind viele Dinge, welche die Generation Z fordert, auch ein Gewinn für die anderen Generationen.

Sie selbst haben bereits mit 28 Jahren eine Führungsposition übernommen und waren Leiterin der Personalentwicklung bei der REWE Dortmund SE & Co. KG. Was waren Ihre grössten Learnings?

Nähe, Vertrauen und ein gutes Miteinander sind auch als Führungsperson möglich. Als ich bei Rewe in der Führung tätig war, pflegte ich mit meinen Mitarbeitenden immer ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Meine zumeist älteren Kollegen sagten mir: Das kann nicht gut gehen, insbesondere bei kritischen Entscheiden. Wir konnten aber zeigen, dass es funktioniert. Und nicht nur das: Diese Art von Führung ermöglicht, dass Teammitglieder auf einen zukommen, wenn sie einen Fehler gemacht haben, sodass sie schnell optimieren und daraus lernen können. Ausserdem habe ich an Selbstbewusstsein gewonnen und gelernt, Konflikte auszuhalten. Dadurch bin ich gewachsen.

Apropos Führung: Wo befinden wir uns momentan?

In vielen Unternehmen ist die neue Art des Führens zwar ein Thema, die meisten stehen jedoch noch am Anfang. Das ist problematisch, weil viele Schwierigkeiten haben, Talente zu finden. Am Ende bleiben die Mitarbeitende dort, wo sie eine wertschätzende Kultur vorfinden.

Wodurch zeichnet sich eine moderne und menschenorientierte Arbeitswelt überhaupt aus?

Dadurch, dass sie Menschen in den Fokus nimmt und diese als Ganzes sieht. Unternehmen sollten für Mitarbeitende auch dann Verständnis zeigen, wenn sie sich in einer schlechten Phase befinden und das nicht so toll für das Geschäft ist. Wichtig ist auch, ihnen Sicherheit in der digitalen Veränderung zu geben, aber nicht vor der Veränderung. Das ist heute nicht mehr möglich.

Inwiefern lässt sich das digitale Zeitalter mit einer modernen und menschenorientierten Arbeitswelt überhaupt vereinbaren – zumal man einer rein digitalen Welt eine gewisse Menschlichkeit absprechen kann?

Ja, da gebe ich ihnen Recht. Einerseits bringt das digitale Zeitalter zwar mehr Flexibilität – so gehe ich spazieren, während wir dieses Gespräch führen – aber gleichzeitig sind wir immer und überall erreichbar. Deshalb müssen wir künftig mehr lernen, abzuschalten und uns Resilienzen zu verschaffen.

«Startup Teens»

«Startup Teens» ist eine Non-Profit-Organisation, die jungen Menschen, Unternehmen und Mitarbeitenden sowie allen Interessierten eine Plattform bietet, um voneinander zu lernen und die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu lösen. Die Plattform vermittelt Jugendlichen relevante Future Skills – Dinge, die sie in der Schule nicht lernen, wie unternehmerisches Denken, Coding und Persönlichkeitsentwicklung. Das Angebot ist kostenlos und sozial inklusiv. startupteens.de

«GenZ Talents»

«GenZ Talents» ist ein Social Business unter dem Dach von «StartUp Teens», der digitalen Generation-Z-Bildungsplattform für Unternehmertum, Future Skills und Coding in Deutschland. Die Mission von «GenZ Talents» ist, jungen Menschen den besten Berufseinstieg zu ermöglichen und Unternehmen darin zu beraten, wie eine Arbeitswelt gemeinsam mit der Generation Z erfolgreich gelingen kann.

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Christine Bachmann

Christine Bachmann ist stellvertretende Chefredaktorin von HR Today. cb@hrtoday.ch

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