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Keine Ja-Sager, sondern echte Consultants

Sie fordert mehr Berufsstolz und Bewusstsein für die eigene Tätigkeit: Ute Neher, Head of Global Talent Acquisition der Deutschen Telekom AG und Referentin an der 9. Recruiting Convention, die am 1. Oktober in Zürich stattfindet.

Ute Neher, Sie werden Ihren Vortrag zum Thema «Recruiting Mindset» halten. Weshalb dieses Thema?

Ute Neher: Wenn wir von Recruiting sprechen, nehmen wir uns meist nur dem Thema Service an. Aber für mich ist Recruiting viel mehr. Es ist eine strategische Funktion, die Unternehmen hilft, erfolgreich zu sein und zu bleiben. Haben wir Menschen mit den benötigten Fähigkeiten, der passenden kulturellen Übereinstimmung sowie der entsprechenden Diversität, dann sind wir als Recruiter ein wesentlicher Treiber für den unternehmerischen Erfolg. Das bedeutet aber auch, dass wir Berater der Hiring Manager werden, diese durch den Rekrutierungsprozess begleiten und sie mit Daten unterstützen müssen, sodass sie die bestmöglichen Kandidaten finden können.

Was bedeutet Recruiting Mindset?

«Recruiting Mindset» steht für den Stellenwert, den wir Recruiting einräumen müssen, denn die «Post-and-Pray»-Phase haben wir endgültig hinter uns. «Recruiting Mindset» ist somit mehr, als nur neue «Sourcingkanäle» zu benutzen – und beginnt bei uns selbst und unserem Selbstverständnis.

Worin unterscheidet sich dessen Haltung von einem Recruiter der «Post-and-Pray-Phase»?

Recruiter der «Post-and-Pray»-Phase hatten andere Rahmenbedingungen. War eine Stelle zu besetzen, schalteten sie diese auf, warteten, bis sich Kandidaten bewarben, um dann – überspitzt gesagt – Erfüllungsgehilfe der Fachbereiche zu sein. Auch wenn ich fest daran glaube, dass erfolgreiche Recruiter schon damals anders agiert haben.

Welches Mindset sollte ein moderner Recruiter mitbringen?

Ein Bewusstsein für den Berufsstolz. Das stärkt ihn, um auf Augenhöhe mit den Hiring Managern zu agieren. Es braucht keine Recruiter, die Ja-Sager sind, sondern echte Consultants. Ein moderner Recruiter nutzt Daten und ist stets hungrig. Natürlich ist er auch ein guter Verkäufer, nicht nur für sein Unternehmen, sondern vielmehr von Kandidaten. Ausserdem ist er neugierig, teilt seine Begeisterung mit anderen und lässt sich auf Neues ein. Ein moderner Recruiter ist zudem ein guter Netzwerker, der nicht nur mit den Kandidaten in Verbindung bleibt, sondern sich durch seine Kontakte immer neu inspirieren lässt, und damit das Bestehende hinterfragt.

Wohin wird sich das moderne Recruiting entwickeln?

Es wird sich zusammensetzen aus Mensch und Maschine. Für mich sind die Digitalisierung und die damit verbundenen Schlagwörter wie KI/AI oder Matching-Algorithmen nichts Negatives. Es bedeutet vielmehr, dass wir endlich Zeit haben, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich wesentlich ist: den Kandidaten. HR Analytics heisst in diesem Fall, nicht nur rückwärtsgerichtet Daten zu analysieren, sondern auch Annahmen für die Zukunft zu treffen. Algorithmen zu durchforsten und Datensätze von Profilen oder Datenspuren aufzubereiten, hilft uns, Kandidaten zu identifizieren, bei denen wir uns bewerben werden.

Und wie können sich Recruiter auf diese Veränderungen einstellen?

Indem sie zu Gestaltern werden, Veränderungen als Chance begreifen, aber vor allem mitnehmen, dass Daten nicht ihr Feind, sondern ihr Freund sind. Und dass die Technik und Digitalisierung ihnen nicht den Job wegnimmt, sondern Antworten liefert auf die Herausforderungen der Zukunft.

Welche Fähigkeiten, Eigenschaften braucht ein moderner Recruiter, um in diesem Wandel bestehen zu können?

Neugierde, Leidenschaft und Veränderungsbereitschaft.

Und wie kann er sich diese Kompetenzen aneignen?

Indem er sich austauscht. Beispielsweise kann man wunderbar in Barcamps, Konferenzen oder kleinen Meetups voneinander lernen. Das ist aber nur ein Baustein. Daneben braucht es je nach Ausgangslage auch Trainings oder eine Recruiting Academy. Ich habe bisher am meisten durch mein Netzwerk gelernt und durch das eigene Interesse daran, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Drei Tipps für Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen?

Kritisch hinterfragen, ob man wirklich weiss, wen man sucht. Schauen, ob Recruiting auch die richtige Priorität bei allen hat. Und: den Fokus auf Bewerber setzen – sprich, Einfachheit und Fokus als Schlüssel für Schnelligkeit.

Worauf dürfen sich Recruiting-Convention-Teilnehmende freuen, die Ihren Vortrag besuchen?

Auf einen authentischen Einblick in meine Recruiting-Welt, aber auch auf eine kritische Auseinandersetzung und den einen oder anderen Denkanstoss. Dabei geht es mir nicht darum, den Teilnehmenden eine Copy-Paste-Vorlage zu bieten. Vielmehr möchte ich ihnen eine Diskussionsgrundlage in diesem strategisch wichtigen Feld geben.

Recruiting Convention Zürich 2019

Die Recruiting Convention Zürich findet am 1. Oktober 2019 bereits zum neunten Mal statt. Auch dieses Jahr dreht sich am Zürichsee wieder alles um Recruiting und Personalmarketing: Erfahrene Spezialisten aus der Schweizer und Deutschen Personalmarketing- und Recruiting-Szene plaudern aus dem Nähkästchen. Das Thema Employer Branding wird zu einer immer wichtigeren Disziplin in der Rekrutierung. Mit Hilfe von Praxisbeispielen erfahren Sie, wie Sie mit Themen wie diesem umgehen müssen. recruitingconvention.ch

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