Future of Work

Mit jungen Talenten in die Zukunft – so geht's

Junge Talente ticken anders: Wer Generation Z und Alpha gewinnen will, braucht Authentizität, Flexibilität und Führung auf Augenhöhe. Nur so entsteht Bindung in einer sich wandelnden Arbeitswelt.

Der Schweizer Arbeitsmarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Mit den Generationen Z und Alpha treten zwei junge, gut vernetzte und werteorientierte Gruppen in die Arbeitswelt ein, die Erwartungen und Kommunikationsformen neu definieren. Traditionelle Konzepte der Rekrutierung und Führung verlieren dadurch an Wirkung. Gleichzeitig verschärfen die Digitalisierung, der Fachkräftemangel und der demografischer Wandel den Wettbewerb um Talente. Unternehmen, die Gewinnung, Bindung und Führung junger Mitarbeitender strategisch zusammendenken, verschaffen sich einen entscheidenden Vorteil für ihre Zukunftsfähigkeit.

Was junge Mitarbeitende von Arbeitgebenden erwarten

 

Während frühere Generationen häufig über Loyalität oder finanzielle Anreize an ein Unternehmen gebunden waren, rücken bei jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andere Werte in den Vordergrund. Sie suchen Arbeitgebende, die glaubwürdig auftreten, klare Werte leben und dies im Alltag sichtbar machen. Besonders wichtig sind ihnen ein respektvolles Arbeitsklima, Vielfalt und Transparenz sowie gute Voraussetzungen für psychische Gesundheit. 

Artikelzitat: Sicherheit und faire Entlohnung bleiben zentrale Faktoren, werden jedoch kombiniert mit einem starken Bedürfnis nach Flexibilität und Selbstbestimmung.

Sicherheit und faire Entlohnung bleiben zentrale Faktoren, werden jedoch kombiniert mit einem starken Bedürfnis nach Flexibilität und Selbstbestimmung. Homeoffice, hybride Modelle, transparente Lohnsysteme sowie eine Kultur der Mitgestaltung werden von vielen jungen Arbeitnehmenden als selbstverständlich betrachtet. Ebenso erwarten junge Talente häufiges Feedback und eine Arbeitsumgebung, die persönliche Entwicklung aktiv fördert.

Strategien zur Gewinnung: Sichtbarkeit und Authentizität
 

Die Art und Weise, wie sich Unternehmen im Markt präsentieren, spielt für die Gewinnung eine zentrale Rolle. Junge Talente informieren sich nur noch selten über klassische Stellenanzeigen, sondern über Websites, Social Media, persönliche Empfehlungen und Einblicke in den realen Arbeitsalltag. Hochglanzbotschaften allein überzeugen sie nicht.

Erfolgreich sind Arbeitgebende, die authentisch zeigen, wofür sie stehen, welche Werte sie leben und wie die Zusammenarbeit konkret aussieht. Einfache, intuitive und digitale Bewerbungsprozesse, transparente Informationen zum Ablauf und zeitnahe Rückmeldungen werden zunehmend als Standard vorausgesetzt. Kooperationen mit Schulen, Hochschulen oder Lernendenformaten schaffen Kontaktpunkte, die früh Vertrauen aufbauen. Entscheidend ist ein stimmiges Gesamtbild: Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo das gezeigte Arbeitsumfeld auch dem realen Erleben entsprechen.

Praxis-Tipp: drei Ideen für den Umgang mit jungen Talenten

  1. «Job Insights Days» veranstalten: Laden Sie Studierende, Auszubildende oder Berufseinsteigende für einen Schnuppertag ins Unternehmen ein. Lassen Sie direkt mit Teams arbeiten, an echten Projekten mitwirken und Führungskräfte kennenlernen. So entstehen ein authentischer Eindruck und wertvolle Kontakte.
  2. Feedbackkultur sichtbar machen: Führen Sie regelmässige Mini-Feedbackrunden ein, zum Beispiel «15-Minuten Check-ins» alle zwei Wochen. Das signalisiert Wertschätzung, fördert Transparenz und gibt jungen Mitarbeitenden die Möglichkeit, Ideen einzubringen, bevor Probleme entstehen.
  3. Mentorenprogramm (inkl. Reverse Mentoring) starten: Verknüpfen Sie Berufseinsteigende mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen. So entsteht ein generationenübergreifender Wissensaustausch, der Bindung und Verständnis zwischen unterschiedlichen Altersgruppen stärkt.

Onboarding als entscheidender Bindungsmoment
 

Doch mit der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag ist die Aufgabe nicht erledigt. Viele Organisationen beobachten zunehmend, dass jüngere Mitarbeitende die neuen Stellen gar nicht erst antreten. Wenn doch, sind die ersten Wochen und Monate entscheidend für den langfristigen Verbleib. Onboarding wird damit zu einem zentralen Baustein der Bindungsstrategie.

Ein strukturiertes Onboarding schafft Orientierung, Sicherheit, Zugehörigkeit und Entwicklungsperspektiven. Klare Ansprechpersonen, realistische Erwartungen, frühzeitige Einbindung in sinnvolle Aufgaben und regelmässig stattfindende Feedbackgespräche sind zentrale Elemente. Umgekehrt führt ein unstrukturiertes oder inkonsistentes Onboarding häufig zu schneller Enttäuschung – oder im schlimmsten Fall zu einer frühen Kündigung. Gute Onboarding-Prozesse erstrecken sich über mehrere Monate und formen den Grundstein für Motivation und Loyalität.

Bindung durch Entwicklung, Kultur, Beteiligung und Flexibilität
 

Bindung ist für junge Generationen eng mit persönlicher und fachlicher Entwicklung verbunden. Sie wollen Verantwortung übernehmen, Neues ausprobieren und in Lernumgebungen arbeiten, die Fehler als Chance verstehen. Individuelle Entwicklungspläne, sichtbare Karrierepfade und projektbezogene Lernschritte stärken die Perspektive im Unternehmen. Weiterbildung wird nicht mehr nur als Zusatzangebot verstanden, sondern als integraler Bestandteil des Arbeitsverhältnisses.

Ein weiterer wichtiger Bindungsfaktor sind flexible Arbeitsmodelle. Homeoffice, hybride Zusammenarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle werden als Ausdruck von Vertrauen verstanden. Gleichzeitig wissen viele, dass Lernen, Teamentwicklung und Problemlösung physische Begegnung benötigen. Unternehmen, die Flexibilität mit bewusst gestalteten Präsenzmomenten verbinden, schaffen ideale Bedingungen für Zusammenarbeit, Identifikation und Innovation.

Artikelzitat: Sicherheit und faire Entlohnung bleiben zentrale Faktoren, werden jedoch kombiniert mit einem starken Bedürfnis nach Flexibilität und Selbstbestimmung.

Zudem spielt das Arbeits- und Teamklima eine entscheidende Rolle. Kollegialität, Fairness, gegenseitige Unterstützung und ein respektvoller Umgang sind zentrale Erwartungen der Generation Z. Viele sind sich regelmässige Rückmeldungen gewohnt und wünschen sich zeitnahes, kontinuierliches und konstruktives Feedback und Coaching statt jährliche rückwärtsgewandte Mitarbeitendengespräche. Unternehmen, die Beteiligung und Mitsprache ermöglichen, steigern zudem die Identifikation und das Engagement. Der emotionale Faktor ist dabei nicht zu unterschätzen: Junge Mitarbeitende bleiben besonders dort, wo sie sich gesehen, gehört und wertgeschätzt fühlen.

Wer junge Talente gewinnen will, sollte auch ihre Bedürfnisse berücksichtigen.

Führung auf Augenhöhe: Orientierung und Autonomie im Gleichgewicht
 

Junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen sich eine Führung, die Klarheit schafft, Orientierung gibt und Raum für eigene Ideen lässt – und damit sowohl Sicherheit als auch Gestaltungsfreiheit bietet. Wirksame Führung bedeutet für sie nachvollziehbare Entscheidungen, transparente Ziele und eine offene Kommunikation. Statt Kontrolle stehen heute Begleiten, Befähigen und echter Dialog im Mittelpunkt, sowie eine Kultur, die Lernen fördert. Junge Talente wollen sich entwickeln, Verantwortung übernehmen und spüren, dass ihre Perspektiven einbezogen werden. Ebenso wichtig ist Sensibilität für mentale Gesundheit und individuelle Lebenssituationen.

Für junge Talente ist Führung auf Augenhöhe von zentraler Bedeutung: Führungskräfte sollten daher präsent sein, zuhören, regelmässig Feedback geben und bei Bedarf Unterstützung bieten. Offenheit und echtes Interesse an ihrer Entwicklung fördern das Vertrauen und die Motivation. So entsteht eine Kultur, in der junge Menschen Verantwortung übernehmen, sich engagiert einbringen und dem Unternehmen langfristig verbunden bleiben.

Fazit: Junge Talente gewinnen heisst Zukunft sichern

 

Die Generationen Z und Alpha verändern den Arbeitsmarkt nachhaltig. Unternehmen, die ihre Bedürfnisse verstehen und ernst nehmen, gewinnen nicht nur Talente – sie stärken ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Junge Mitarbeitende bringen neue Perspektiven, Digitalisierungsaffinität und Veränderungsbereitschaft ein; erfahrene Kolleginnen und legen ergänzen diese durch Wissen, Erfahrung und Souveränität. Das Zusammenspiel der Generationen kann zu einer treibenden Kraft für Innovation werden – vorausgesetzt, die Zusammenarbeit wird aktiv gestaltet.

Kurstipp zum Thema

Der Fachkurs «Junge Mitarbeitende im Fokus – Strategien zur Findung und Bindung leistungsbereiter Talente» der FHNW richtet sich an HR-Verantwortliche, Führungskräfte und Projektverantwortliche, die ihre Zusammenarbeit mit jungen Mitarbeitenden stärken möchten. Er vermittelt praxisnahe Tools, fundiertes Wissen und neue Sichtweisen, damit Generationenvielfalt zum Erfolgsfaktor wird.

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Christoph Vogel (M.Sc.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Personalmanagement und Organisation (PMO) und Studiengangleiter des CAS Integriertes Personalmanagement in kleinen Unternehmen an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

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Porträt von Christine Kuhn vor einem neutralen, hellgrauen Hintergrund. Sie blickt lächelnd direkt in die Kamera. Sie hat langes, blondes Haar, blaue Augen und trägt einen schwarzen Blazer über einer helltürkisen Bluse sowie eine dezente Halskette mit einem Herzanhänger.

Christine Kuhn ist Professorin und Dozentin für Human Resource Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, CEO von Beyond Coaching sowie Mitglied in verschiedenen Verwaltungsräten.

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