Checkliste

Nachhaltige Einführung von digitalem Lernen

Die Unterstützung von Lehren und Lernen durch digitale Medien und Technologien hat einen neuen Schub bekommen. Zu den Auslösern hierfür gehören die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre («Web 2.0»), Trends wie eine grössere Bedeutung von informellem Lernen sowie auch ganz aktuell das Thema digitale Transformation.

E-Learning ist für viele ein verbrannter Begriff und vermintes Gelände. Um das Jahr 2000 herum war E-Learning ein Hype-Thema und es wurden sehr viele Ressourcen in Infrastrukturen (z.B. kostspielige LMS) oder Inhalte (z.B. umfangreiche WBT) investiert, die dann die Erwartungen nicht erfüllt haben oder nicht nachhaltig genutzt wurden. Dies gilt gleichermassen für Schulen und Hochschulen wie für Unternehmen und Organisationen.

Infrastrukturen bzw. Werkzeuge und Inhalte allein sind kein Garant für Erfolg mit digitalem Lernen. Was muss also beachtet werden, damit Investitionen in neue (digitale) Lernangebote, Lerninfrastrukturen und Lernwerkzeuge nachhaltig wirksam sind? Die nachfolgende Checkliste gliedert sich in drei Bereiche:

  • Zielstrategie
  • Einführungsstrategie
  • Arbeitsfelder

Zielstrategie

  • Zielsetzungen: Was soll mit dem neuen Angebot / der neuen Infrastruktur / den neuen Werkzeugen erreicht werden?
  • Zielgruppen: Welche Zielgruppen sollen im Vordergrund stehen?

Einführungsstrategie

  • Einführungsrichtung: Soll mit der Einführung der neuen Angebote / Infrastrukturen / Werkzeuge eher bottom-up oder top-down oder eher an verschiedenen Einzelpunkten (multiple nucleus) gestartet werden?
  • Innovationsprozess: Wie und in welchem Tempo soll die Innovation / sollen die neuen Angebote über Teilschritte wie «Konzept & Prototyp» -> «Pilotierung» -> «Roll-out» vorangetrieben werden?
  • Veränderungsprozess: Wie und in welchem Tempo sollen die mit den neuen Angeboten verbundenen (Verhaltens-)Änderungen über die Teilschritte «Bereitschaft zur Veränderung» -> «Veränderung» -> «Stabilisierung» vorangetrieben werden?

Arbeitsfelder

  • Angebotsportfolio definieren: Welche Lernangebote sollen für wen verfügbar sein?
  • Lernkultur diagnostizieren: Welche Lernkultur (typische Lernformen, Lernstile, Werthaltungen bezüglich Lernen) ist etabliert und wie passen die geplanten neuen Angebote / Werkzeuge / Infrastrukturen dazu? In welchem Umfang sind beispielswiese Selbstverantwortung und Selbststeuerung als Voraussetzungen für soziale und technisch unterstützte Lernaktivitäten (Stichwort Lerncommunities) etabliert?
  • Lernangebote gestalten: Wird bei der Gestaltung neuer Lernumgebungen von den Zielen her gedacht und nicht von den verfügbaren oder gerade in der Einführung befindlichen Werkzeugen und Infrastrukturen (z.B. Social-Media-Plattformen)?
  • Learning Professionals entwickeln: Bringen die Bildungsverantwortlichen (Konzeptentwickler, Trainer / Lernbegleiter, etc.) die erforderlichen Kompetenzen für die Gestaltung neuer Lernumgebungen mit oder müssen diese dabei gezielt unterstützt werden?
  • Führungskräfte einbinden: Werden die Führungskräfte als Promotoren für die Akzeptanz und Verankerung neuer Lernformen systematisch eingebunden?
  • Nutzen und Wertbeitrag systematisch bestimmen und beobachten: Welche Aspekte treiben Nutzen und Wertbeitrag von neuen Lernangeboten / neuen Lerninfrastrukturen / neuen Lernwerkzeugen? Wer sind die zentralen Anspruchsgruppen und was sind deren Erwartungen?

 

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Dr. Christoph Meier ist Senior-Projektleiter am Swiss Centre for Innovations in Learning (scil) an der Universität St. Gallen (HSG).

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