Checkliste

Retter in der (Corona-) Not gefällig?

Wie Sie Ihr eigener Held werden und diese Krise besiegen können. Eine Anleitung in 5 Schritten.

Die Krise hat bei Ihnen zugeschlagen? Aufträge brechen weg? Projekte werden eingefroren und wohin Sie blicken ist gähnende Leere statt produktiver Betriebsamkeit? So geht es gerade vielen, willkommen im Club. Die Situation, in denen sich Kleinunternehmer und Mittelständler befinden ist wirklich nicht einfach. Ich könnte viele Beispiele aufzählen und könnte klagen, wie schrecklich Corona unserer Wirtschaft mitspielt und die Schuld der Politik geben, die den Lockdown verordnet hat und (teilweise) daran festhält. Doch all das wäre falsch. Denn jede Krise bietet Chancen. Aber nur für diejenigen, die sie auch erkennen und ergreifen wollen. Wer keine Chancen sieht, dies aber gerne würde, muss lernen die Welt anders wahrzunehmen.

Ja, dies ist ein Artikel über positives Denken – im weiteren Sinne. Auch wenn Sie davon eigentlich wenig halten, lesen Sie trotzdem mal weiter. Hoffen Sie doch auf neue Erkenntnisse, Impulse und Denkanstösse, anstatt zu befürchten, wiedergekautes Carpe-Diem- und Positiv-Gelaber vorgesetzt zu bekommen. Denn genau darum geht es: um Ihre Einstellung und Erwartungen. Diese sind es, die den Unterschied ausmachen – den Unterschied namens «inneren Haltung».

Mehr als Phrasendrescherei

Ich selbst halte auch nichts von künstlichem, oberflächlichem, positiven Denken, in dem man sich Dinge schönredet und Ausreden findet, weshalb man Probleme nicht anpacken muss, da sich in der Zukunft ja schon alles zum besseren richten wird. Es geht nicht darum, sich den ganzen Tag positive Glaubenssätze vorzusagen, sondern nicht an Negatives zu denken.

Der Unterschied ist beachtlich und nicht nur Phrasendrescherei. Denn wer zu sehr in die Welt der negativen Gedanken eintaucht, bekommt Depressionen und kreative Wegen aus der Krise werden sich so sicher nicht zeigen. Kreativität und Weitsicht sind miteinander verbunden und werden unterdrückt, wenn wir problemorientiert, besorgt und ängstlich denken. Anders ausgedrückt: Nichtnegatives-Denken leitet Ihre Aufmerksamkeit weg von Energiefressern. Die so freiwerdenden Ressourcen können Sie für wertkreierende Gedanken nutzen.

«Angeborenes» Denken durchbrechen

Kritiker meinen an dieser Stelle sicherlich, dass man nicht aus sich herauskann. Dass man ist, wie man ist. Einerseits ist da etwas dran, denn wir alle haben neben gewissen genetischen Dispositionen, mit denen wir leben müssen, auch noch anerzogene und sozialisierte Verhaltensweisen erlernt. Doch andererseits haben jüngste neurowissenschaftliche Versuche eindeutig gezeigt, dass sich unser Gehirn, bis zu einem gewissen Grad, allein durch Gedanken neu programmieren lässt. Die neuronalen Verbindungen formieren sich neu, wenn wir stetig und repetitiv Muster wiederholen. Wir sind also nicht nur das Produkt unserer Vergangenheit, sondern bestimmen selbst, durch unsere antrainierten Gedanken und Verhaltensmuster, wie wir im Affekt agieren und reagieren.

Sie sind noch immer nicht überzeugt und fragen sich, wie das ganze nun dem Kleinstunternehmer helfen soll, der seinen Laden nicht mehr betreiben kann? Die Skepsis kann ich gut nachvollziehen. Es braucht, wie gesagt, Übung, sich durch Nichtnegatives-Denken neu zu definieren und die Welt anders wahrzunehmen, um sich dann anders in ihr zu bewegen. Ein schönes (wahres!) Beispiel ist, wie ich finde, das Kindermode- und Spielwarengeschäft von Frau Eichhorst in Berlin: Sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen und dekoriert ihr Schaufenster neuerdings mit Bildern ihrer Produkte samt Artikelnummer, die ihre Kunden telefonisch oder per Postkasteneinwurf bei ihr bestellen können. Ausgeliefert werden die Bestellungen dann persönlich aber natürlich kontaktfrei.

Warum probieren Sie es nicht einfach aus? 14 Tage Nichtnegatives-Denken sollte auch Ihnen neue, positive Erfahrungen bescheren. Mit diesen 5 Schritten können Sie Ihre psychologische Muskulatur auch in der Krise aufbauen:

1. Kritisches Denken ist nicht falsch und kann Sie schützen.

Bricht Unvorhergesehenes ein, analysieren Sie die Situation und ihre Konsequenzen. Hier dürfen Sie auch negativ sein, um eventuelle Schäden abzuwenden. Nur heben Sie sich selbst nach der Analyse zurück auf ein positives Niveau. Denken Sie daran: Sie sind der Chef Ihrer Einstellung.

2. Sie haben Massnahmen getroffen, um die Krise zu meistern? Gut, dann denken Sie nun bewusst darüber nach, welche 10 Chancen sich aus dieser Situation für Sie ergeben könnten.

Hören Sie nicht auf, bis Sie 10 Punkte gefunden haben. Schauen Sie sich diese Punkte immer wieder an, wenn die Zweifel nagen oder sich die Bedenken zurückmelden. Fangen Sie sofort mit der Umsetzung der vielversprechendsten Ideen aus den 10 Chancen an.

3. Negative Gedanken haben wir den ganzen Tag. Jeden bewussten, negativen Gedanken, den Sie wahrnehmen, sollten Sie lediglich registrieren, ihn dann aber ziehen lassen.

Konzentrieren Sie sich dann sogleich auf das, was in Ihrem (Geschäfts-) Leben gut läuft, oder auf Dinge, für die Sie dankbar sind. Dadurch zwingen Sie sich, eine positive Sichtweise einzunehmen und anders zu denken. Mit Demut und Dankbarkeit schaffen Sie Raum für Optimismus. Denken Sie daran: Einstellung ist wichtiger als Fakten.

4. Fake it! Tun Sie so als ob – auch wenn Ihnen gar nicht nach positivem Denken und Handeln ist.

Untersuchungen im Rahmen der positiven Psychologieforschung haben gezeigt, dass der Geist den Taten folgt. Wenn Sie sich so verhalten, wie ein Mensch mit positiver Einstellung, wenn Sie sich so bewegen, so sprechen, dann wird das auch Ihren Geist beeinflussen und Sie positiv stimmen. Alles nur Schauspielerei? Nein, das ist gekonntes Selbstmanagement. Mit ein wenig Übung wird es leichter und besser gelingen und sich nicht mehr so künstlich anfühlen.

5. Gute Ideen können Sie nicht erzwingen.

Hatten Sie beim Duschen, beim Betrachten eines Bildes, oder beim Spaziergang schon mal Geistesblitze? Wir grübeln bei diesen Gelegenheiten in der Regel nicht nach und Sorgen uns nicht, sondern sind in diesen Situationen gelöst und öffnen unsere Wahrnehmung. Während Sie aktiv Ihre negativen Gedanken managen sollten, müssen Sie auf Ihre Ideen warten und diesen Zeit geben. Schaffen Sie sich Möglichkeiten diffus denken zu können. Im Sessel vor dem Kamin, beim Joggen allein durch den Wald. Nehmen Sie einen Notizblock oder das Handy mit, um sofort das festzuhalten, was dann kommt. Sie könnten überrascht sein.

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Stephan Jansen

Stephan Jansen ist Geschäftsführender Gesellschafter der M&A- und PMI-Beratung Beyond the Deal Deutschland. Das Beratungsunternehmen unterstützt vorrangig Mittelständler beim Kauf und Verkauf von Unternehmen sowie beim Regeln der Unternehmensnachfolge und -übergabe.

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Mit der Haltung fängt alles an, wie Sie erwähnen, vor allem mit Demut und Dankbarkeit, was uns vor Panik und Angst schützt. Mit kühlem Kopf können wir die Situation besser erfassen und unserer Intuition folgen, Chancen wahrnehmen. Wenn zu unseren Ideen dann noch Freude und Mut hinzukommen, steht uns nichts mehr im Weg.

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