Sicherheit am Arbeitsplatz

Von Stolperunfällen und umstürzenden Regalen

Die Wirtschaft ist für ihr Wohlergehen auf gesunde und ­leistungsfähige Menschen angewiesen. Im Interview mit ­HR Today erläutert Stefan Kuchelmeister, Geschäftsführer von Arbeitssicherheit Schweiz, die Tragweite der ­Thematik Arbeitssicherheit.

Herr Kuchelmeister, was fassen Sie alles unter dem ­Begriff «Arbeitssicherheit»?

Neben der klassischen Unfallprävention zur Sicherung der körperlichen Unversehrtheit und einem Notfallkonzept – falls es trotzdem zu einem Zwischenfall kommt – gehört auch der Gesundheitsschutz zur Arbeitssicherheit. Mit zusätzlichen Massnahmen zur Gesundheitsförderung und einem konsequenten Absenzenmanagement mündet sie im betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Wie unterscheiden sich betreffend Arbeitssicherheit die ­Risiken in einer Bank am Zürcher Paradeplatz von jenen auf  einer Grossbaustelle oder am Fliessband eines Schlachthofs?

Die klassischen Gefährdungen im Umgang mit schweren Maschinen oder Anlagen sind in einem industriellen oder gewerblichen Betrieb natürlich in einem viel stärkeren Umfang vorhanden als in einer Bank. Aber auch in reinen Bürobetrieben kommt es wegen Stolperunfällen, umstürzenden Regalen oder Einklemmen immer wieder zu Arbeitsausfällen. Wichtig sind ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, ausreichende Lichtverhältnisse und gute Lüftung ohne Zugserscheinung. Immer mehr Gewicht erhalten aber auch die psychosozialen Faktoren. Stichwort: der Stress im immer hektischer werdenden Arbeitsumfeld.

Zur Person

Stefan Kuchelmeister, Jahrgang 1962, ist Geschäftsführer des Schweizerischen Vereins für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, kurz Arbeitssicherheit Schweiz. Der Verein bietet eine Branchenlösung an, die in Verwaltungen, Heimen, Schulen, Bädern, Sportanlagen, Werkhöfen und vielen öffentlichen Einrichtungen eingesetzt wird. Die Branchenlösung von Arbeitssicherheit Schweiz erlaubt dank Weiterbildungsangeboten und Beratungen eine wirkungsvolle und kostengünstige Umsetzung von Arbeits­sicherheit und Gesundheitsschutz im eigenen Betrieb.

Gibt es Arbeitssicherheitsprozesse, die branchenübergreifend identisch sind?

Über alle Branchen hinweg gleich sind das Erfassen der Unfallzahlen und ein effizientes Absenzenmanagement. Dasselbe gilt für das Gestalten und Aufrechterhalten einer Sicherheitskultur verbunden mit regelmässigen Informationen und Schulungen zum Thema. Alle Branchen sollten ein Interesse haben, ihre Mitarbeitenden für Sicherheit und Gesundheitsschutz zu sensibilisieren.

Wie beurteilen Sie den heutigen Sensibilisierungsgrad?

Die EKAS Richtlinie 6508 aus dem Jahr 1999 über den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit hat in vielen Betrieben zu einer systematischen Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ­geführt. Neben den betrieblichen Lösungen für eine Arbeits­sicherheitsorganisation entstanden auch Modelle und Branchenlösungen, wie wir sie entwickelt haben. Richtlinien und Merkblätter sowie Checklisten erleichtern heute zielgerichtet die Gefährdungsanalyse und die Kontrolle, ob genügend wirksame Schutzmassnahmen getroffen worden sind.

Welche Rolle kommt dem HR beim Thema Arbeitssicherheit zu?

Grundsätzlich hat das HR die Aufgabe rechtzeitig die richtigen Mitarbeitenden zu marktgerechten Kosten zur Verfügung zu stellen. Die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden sind in diesen Prozessen Schlüsselgrössen, die massgeblich durch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bestimmt werden.

Welche Kennzahlen und Prozesse sollten der Personalabteilung geläufig sein?

Für jeden Betrieb sind die effektiven Leis­tungsstunden der Mitarbeitenden relevant. Denn Ausfälle führen zu unproduktiven Kosten. Entsprechend sollten die Ausfalltage für Betriebs- und Nichtbetriebsunfälle (Unfallzahlen mit Häufigkeit und Ausfallzeiten) sowie Krankheit bekannt sein und regelmässig ausgewertet werden. Die Resultate dieser Auswertungen sollten in das Sicherheitsleitbild, die betriebliche Sicherheits­organisa­tion und das Notfallkonzept einfliessen.

Wie muss ein Sicherheitsbeauftragter mit der HR-Abteilung zusammenarbeiten?

Eine enge Zusammenarbeit ist sinnvoll und im Bereich ­Unfallkennzahlen und Absenzenmanagement unerlässlich. Massnahmen und Aktionen im Bereich Gesundheitsförderung sind sinnvollerweise in Absprache mit der HR-Abteilung durchzuführen.

Welches sind in der Schweiz die massgebenden Organisa­tionen, wenn es um die Arbeitssicherheit geht?

Die vier wichtigsten Institutionen in der Schweiz sind die EKAS (Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit), die Suva als Versicherung für Arbeitnehmende im industriellen Bereich, das SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) mit der Abteilung für Arbeitnehmerschutz und die bfu (Beratungsstelle für Unfallverhütung) in den Bereichen Strassenverkehr, Sport und Schulen.

Sie sind Beirat der Fachmesse Arbeitssicherheit Schweiz, die Ende Juni in Bern stattfindet. Weshalb sollten Personaler die Messe besuchen?

Weil Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eine starke Wirkung auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden haben und die Personaler sich konzentriert in kurzer Zeit über die wichtigsten Aspekte informieren können. Neben den vielfältigen Messeständen bieten auch Praxisforen wertvolle Informationen für Personalverantwortliche.

Fachmesse Arbeitssicherheit

Die Arbeitssicherheit, der Gesundheitsschutz und die Gesundheitsförderung der Mitarbeitenden an ihrem Arbeitsplatz ist das Hauptthema der Fachmesse Arbeitssicherheit Schweiz, die vom 25. bis 27. Juni 2014 in Bern stattfindet. www.arbeitssicherheit-schweiz.ch

 

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