Sommerserie 2021 «Vereinbarkeit neu gedacht»: Beitrag 4 – Selbstwert stärken

Warum wir täglich unseren Selbstwert und das Vertrauen in uns selbst stärken sollten

Es ist ein riesiger Unterschied, ob du deine Bedürfnisse «nur» kennst oder ob du auch deine Bedürfnisse wahrst. Ob letzteres dir gelingt hat sehr viel mit deinem Selbstwert zu tun.

Die Realität der Kombination aus fordernden Jobs und Familie ist, dass immer viel zu tun ist. Und wenn du es dir selbst nicht wert bist, dich an erster Stelle zu stellen, wirst du untergehen. Dann wird selbst das Ausräumen der Spülmaschine wichtiger sein als ein 15-minütiger Power-Nap oder du wirst erst um 23 Uhr – wenn alles andere erledigt ist (inkl. dir selbst) – Zeit für dich haben. Wenn du also deine Bedürfnisse wahren möchtest, kommst du nicht drum rum auch etwas für deinen Selbstwert zu tun.

Wir wachsen oft im Irrglauben auf, dass unser Selbstwert von der Anerkennung anderer abhängig ist. Also von dem was andere über uns denken und wie sie unsere Arbeit oder Leistung empfinden. Genau genommen ist es genau andersherum. Zum Glück, denn das bedeutet gleichzeitig, dass wir es auch selbst in der Hand haben. Es gibt einen Grund warum die Worte Selbstbewusstsein, Selbstliebe, Selbstwert, Selbstvertrauen, Selbstfürsorge alle mit «Selbst» anfangen: Du kannst es bei anderen nicht finden.

Vielleicht kennst du das auch: Wenn dir jemand ein Kompliment macht und beispielsweise sagt wie gut die Präsentation war, die du vorbereitet hast oder dir jemand sagt, wie gut du ausschaust, und du es selbst nicht glaubst, dann wirst du es auch der Person, die dir dieses Kompliment macht, nicht wirklich glauben. Vielmehr schiessen dir dann Gedanken durch den Kopf wie: «Der hat das ja nur gesagt, um mich bei Laune zu halten» oder «der/die will, dass ich mich besser fühle», usw. Erst wenn du dich selbst liebst/respektierst/achtest, wie auch immer du es nennen möchtest, dann wirst du das auch im Aussen spüren. Es beginnt also immer bei dir.

Ich vergleiche den Selbstwert gerne mit einem Muskel, den es täglich zu trainieren gilt. Je häufiger du ihn nutzt, desto kräftiger wird er. Und je kräftiger er ist, desto leichter wird es dir fallen deine eigenen Bedürfnisse zu wahren.

Das kannst du als Mutter tun, um deinen Selbstwert und das Vertrauen in dich selbst zu stärken

Es gibt viele Möglichkeiten an deinem Selbstwert zu arbeiten. Hier mal zwei Ansätze:

  1. Hör auf dich mit anderen zu vergleichen. Es ist zwar ein natürlicher Impuls, gleichzeitig jedoch einer der grössten Killer der Selbstliebe. Es nimmt uns unsere Einzigartigkeit, weil wir versuchen jemand anders zu sein und schürt Zweifel zu genügen.
  2. Tu dir etwas Gutes und sei grosszügig mit dir selbst (nicht nur mit anderen). Das kann hinsichtlich Zeit sein, die du dir für dich beanspruchst, etwas für dich kaufst, dir gönnst oder auch einfach mal sich selbst gegenüber gnädig und wohlgesinnt sein mit den eigenen Worten und Gedanken.

Was kann HR, bzw. können Führungsverantwortliche tun?

Themen wie Selbstwert und Selbstvertrauen betreffen nicht nur Mütter und spielen bei Führungskräften und HR eine wichtige Rolle. Die folgenden 3 Schritte sind dabei zentral:

1. Sich seiner eigenen Stärken bewusst sein. Das ist tatsächlich die ursprüngliche Bedeutung von Selbstbewusstsein: Sich seiner selbst bewusst sein. Sich seiner Stärken und Qualitäten bewusst sein:

  • Was kann ich gut?
  • Was fällt mir leicht?
  • Wofür erhalte ich von anderen Anerkennung?
  • Wenn viele unterschiedliche Dinge anstehen, was mache ich als erstes?

2. Das Bewusstsein über die eigenen Stärken schafft die Grundlage, diese Stärken auch bewusst einzusetzen. Hierzu kann man bestehende Rollen beispielsweise anpassen, um ihnen mehr Raum zu geben oder sich dazu entscheiden, seine Stärken bewusst in die bestehende Rolle einzubringen. Das ist einerseits motivierend für den Mitarbeitenden und führt in der Regel auch dazu, dass sie/er einen grösseren Beitrag am Unternehmenserfolg leisten. 

3. Eine Feedback-Kultur etablieren, in der wir uns auf die Stärken des Anderen konzentrieren, um ein ideales Umfeld für Wachstum zu schaffen. Die Neurowissenschaft zeigt, dass wir am meisten wachsen, wenn wir uns auf unsere Stärken konzentrieren. Lernen beruht auf unserem Verständnis dessen, was wir gut machen, nicht was wir schlecht machen – und schon gar nicht darauf, dass jemand anderes der Meinung ist, dass wir etwas schlecht machen.¹

Quelle:

  • ¹ Artikel «The Feedback Fallacy» von Marcus Buckingham und Ashley Goodall, März/April 2019

Anm. d. Red.: Der nächste Beitrag erschein am 22. Juli 2021.

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Elisabeth Thiessen

Nach über 10 Jahren in der Unternehmensberatung ist Elisabeth Thiessen heute Coach und Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung. In ihrem Podcast «Power On», sowie Kursen und Coaching-Programmen begleitet sie Eltern dabei Job und Familie besser zu vereinbaren.

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Ein wunderbarer Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Wie sagte ein bekannter Psychologe so schön: «Mut tut gut.»

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