Wie bleiben Teams in Transformationsphasen leistungsfähig? Einblicke von SMG und nilo
Wie gelingt Transformation, ohne dass Mitarbeitende auf der Strecke bleiben? Florian Conradi, Leiter Talent- & Organisationsentwicklung bei SMG, und Jonas Keil, CEO von nilo, diskutieren, worauf es in Veränderungsphasen ankommt.

Jonas Keil, CEO von nilo und Florian Conradi, Leiter Talent- & Organisationsentwicklung bei SMG. (Bild: zVg)
Florian, wie die meisten Unternehmen wart auch ihr in den letzten Jahren mit viel Veränderung konfrontiert. Mit eurer Fusion kam zusätzlich eine grosse Transformation hinzu. Was waren die drei grössten Herausforderungen?
Die grösste Herausforderung war, zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Kulturen, Technologien und Arbeitsweisen zusammenzuführen, die kurz zuvor noch direkte Wettbewerber waren. Dabei ging es um gemeinsame Prozesse und Wissenstransfer, aber auch darum, die Zusammenarbeit neu zu gestalten und eine gemeinsame kulturelle Basis zu schaffen.
Gleichzeitig mussten wir sehr unterschiedliche Reaktionen aushalten und auffangen: von Begeisterung bis Skepsis und Widerstand, gerade bei schwierigen und teils einschneidenden Entscheidungen. Für uns als HR war deshalb entscheidend, die Mitarbeitenden im Wandel gut zu begleiten und zu unterstützen.
Jonas, womit kämpfen Teams in Transformationsphasen besonders? Welche Warnsignale sollte HR im Blick haben?
Veränderung fordert Mitarbeitende oft weit über neue Prozesse hinaus. Aus psychologischer Perspektive bewertet unser Gehirn Neues schnell als Risiko und Veränderung ist häufig mit Kontrollverlust verbunden. Beides kann Stress verstärken.
Das zeigt sich z. B. durch Unsicherheit, Widerstand oder Rückzug: Mitarbeitende fragen sich, was sich für ihre Rolle verändert, Zusammenarbeit wird schwieriger und Silos oder Wissenshortung nehmen zu. Für HR lohnt es sich deshalb, neben Kennzahlen auch Veränderungen in Zusammenarbeit, Kommunikation und Verhalten im Team im Blick zu behalten.
Florian, welche Massnahmen haben euch geholfen, Mitarbeitende durch die Veränderung zu begleiten?
Entscheidend war, Veränderung nicht nur zu kommunizieren, sondern erlebbar zu machen. In Culture Bootcamps konnten Mitarbeitende die neuen SMG-Werte reflektieren und mitgestalten.
Über Pulse- und Engagement-Umfragen haben wir überprüft, wie die Veränderung ankommt. Eine gemeinsame Wissensplattform, transparente Kommunikation und konkrete Unterstützungsangebote über HR oder externe Berater haben zusätzlich Orientierung gegeben.
Warum habt ihr euch in diesem Kontext für nilo entschieden, Florian?
Für uns war und ist entscheidend, mentale Gesundheit früher und breiter zu unterstützen. Mit nilo erreichen wir Mitarbeitende in akuten Belastungssituationen, schaffen aber auch präventive Zugänge über 1:1-Sessions, Live-Gruppenformate sowie On-Demand-Inhalte. So können sie je nach Bedarf und Situation das passende Format nutzen. Gleichzeitig ermöglicht uns die Plattform, unsere internationale Workforce länderübergreifend unter einem Angebot zusammenzubringen – digital und einfach wie die SMG.
Ihr seid von einem klassischen EAP-Anbieter zu einem proaktiven Ansatz mit nilo gewechselt. Was hat sich dadurch verändert?
Der grösste Unterschied ist, dass wir heute deutlich mehr Mitarbeitende erreichen. Das sehen wir auch an den höheren Nutzungszahlen.
nilo ist dabei nicht nur ein separates Mental-Health-Angebot, sondern lässt sich gezielt mit bestehenden Initiativen wie Performance und Growth Cycles oder Leadership Development verbinden. So geht mentale Unterstützung über einzelne Awareness-Kampagnen hinaus und wird Teil des Arbeitsalltags. Gleichzeitig sehen wir mit nilo in Echtzeit, wie stark die Angebote genutzt werden und welche Themen besonders gefragt sind und können als HR reagieren.
Was macht mentale Unterstützung proaktiv, Jonas? Warum ist das gerade in Zeiten ständiger Veränderung entscheidend?
Proaktiv wird mentale Unterstützung, wenn sie nicht als Krisenangebot nebenherläuft, sondern in den Arbeitsalltag integriert ist und Mitarbeitende sie früh und passend zu ihrer Situation nutzen können. Gerade in Veränderungsphasen ist das wichtig, weil Belastung sehr unterschiedlich entsteht. Deshalb braucht es verschiedene und niedrigschwellige Formate. Regelmässige Check-ins und eine offene Kultur helfen zusätzlich, Belastungen früh aufzufangen. Gleichzeitig signalisiert ein solches Angebot: Mentale Gesundheit wird im Unternehmen ernst genommen.