Unter uns gefragt

«Wir fördern aktiv eine gesunde Work-Life-Balance»

Nicole Messi fragt Markus Diggelmann, Human Resources Manager Switzerland/Austria/Spain bei The Valspar (Switzerland) Corporation AG.

Der Begriff Work-Life-Balance wirkt auf viele arg überstrapaziert, das ist er wohl auch. Nichtsdestotrotz sind immer öfter Fach- und Führungskräfte dem stetig steigenden Druck in der Arbeit nicht mehr gewachsen, und sogar die privaten Aktivitäten werden bisweilen zu einer Belastung.
 Wie gehst Du in der Firma mit diesem Thema um?

Markus Diggelmann: Bei uns in der Firma ist der Begriff «Work-Life-Balance» sogar im globalen Leitbild verankert und sollte dementsprechend eingehalten werden. Viele Mitarbeitende halten sich daran, arbeiten die 40 Stunden pro Woche (oder etwas mehr) und nehmen in der Freizeit Abstand zum Unternehmen. Trotzdem erleben wir aus dem HRM immer wieder, vor allem aus dem oberen Management, dass die Arbeitsstunden über das Erlaubte hinausgehen oder auch abends und über das Wochenende zu Hause gearbeitet wird. Ersichtlich auch an den Mails, welche spät abends versendet werden. Da alle Mitarbeitenden bei uns aus Sicherheitsgründen die Anwesenheit im Unternehmen «stempeln» müssen, sind wir über deren Präsenz relativ genau im Bilde. Wenn ich als Personalverantwortlicher wieder einmal den Eindruck habe, es arte aus, erlaube ich mir, diese Person auf die «Work-Life-Balance», aufmerksam zu machen. Es kam auch schon vor, dass wir Mitarbeitende zwangsmässig beurlaubt oder heimgeschickt haben.

In den meisten Unternehmen soll ein leistungsförderndes Umfeld geschaffen werden, dies verlangen die betriebswirtschaftlichen Ziele.
 Wie verfolgst Du dieses Anliegen als HR-Manager für Deinen Arbeitgeber?

Die Mitarbeiter werden tatsächlich zu immer grösseren und schnelleren Leistungen angetrieben, der Pro-Kopf-Umsatz/-Gewinn muss sich erhöhen und dafür werden leistungsfördernde Mittel eingesetzt. Wir HR-Leute können diesen Trend nicht aufhalten, müssen jedoch ein Auge darauf werfen. Es ist schon vorgekommen, dass wir bei den Linienvorgesetzten intervenieren und die rote Karte ziehen mussten. Manchmal kann man dem Leistungsdruck mit einer arbeitsplatzmässigen Umgestaltung oder einer Prozessoptimierung etwas entgegenwirken.

Und nun die Seite «Ausgleich zur Arbeit» – inwiefern liegt das Deiner Meinung nach in der Verantwortung des Arbeitgeber?

Das ist eine grosse Herausforderung und ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden immer höhere Ziele gesetzt mit schnelleren Ergebnissen, und andererseits verlangen wir von den Mitarbeitenden, dass sie nicht zu viel arbeiten, rechtzeitig nach Hause gehen und sich in der Freizeit erholen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es den Arbeitgeber nichts angeht, was der Mitarbeitende in seiner Freizeit unternimmt und somit nicht zur Verantwortung herangezogen werden kann. Und trotzdem muss er alles daran setzen, dass der Mitarbeitende ausgeruht und erholt zur Arbeit erscheint. Wir fördern dies mit regelmässigen Informationen (Informationsveranstaltungen, Publikationen im Intranet, usw.) über die Wichtigkeit einer gesunden Work-Life-Balance oder auch mit persönlichen Gesprächen mit betroffenen Personen. Zudem unterstützen wir Fitnessprogramme, bieten ein abwechslungsreiches Personalrestaurant an, haben Rückzugsmöglichkeiten und offerieren Früchte (aber auch Süssigkeiten) sowie Mineralwasser zum Gratiskonsum.     

Ganz weg von diesem Thema, wo siehst Du in Zukunft die Priorität eines professionellen HR für die Wirtschaft?



Die Rolle des HR sehe ich Zukunft noch mehr als professioneller Unterstützer des Managements in der Zielerreichung im Sinne des Business Partners. Weg vom Dienstleistergedanken im Sinne von wenn’s niemand macht,  muss es HR machen. Die Zeiten, wo das HR noch für das Organisieren von Weihnachtsfeiern verantwortlich gemacht wird, sehe ich als definitiv vorbei.

www.valsparglobal.com

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