Serie Lügen: Teil 6

Zeichen der Lüge in der Mimik und im Körper

Im sechsten Teil der Lügenserie geht es vornehmlich um unsere Mimik, unseren Körper, sowie um die Bedeutung von Nähe und Distanz.

Unser Körper kann nicht lügen! Jeder unserer Gedanken ist Gehirnaktivität, die Muskelaktivität erzeugt und sich anhand unserer Mimik und unserer Bewegungen zeigt. Unsere Befindlichkeit erstreckt sich über drei grosse Bereiche: die rational-geistige, die emotional-seelische und die körperliche Ebene. Noch bevor wir etwas sagen, kommen 90 Prozent unserer Befindlichkeit durch unsere Körpersprache zum Ausdruck. Die ehrlichsten Körperteile sind unsere Füsse. Dies liegt zum einen daran, dass diese am weitesten vom Gehirn entfernt sind und zum anderen sind unsere Füsse in der Kindheit selten in den Fokus elterlicher Erziehungsmassnahmen geraten sind und haben sich damit ein Eigenleben bewahren können.

Zone 1 der Körpersprache: Der Kopf

Unser Kopf ist die am weitesten bewusste Ebene der Köpersprache. Unser Gesicht tragen wir meist offen, und im Laufe unseres Lebens lernen wir, unsere Gefühle nicht in unserer Mimik zu zeigen und mit einem Pokerface durch die Welt zu gehen. Macht sich ein Gefühl breit, erkennen Sie dieses als sogenannte Mikroexpression, einer kurzen Reaktion, die nicht länger als den Bruchteil einer Sekunde dauert. Danach folgt meistens ein Pokerface, oder das sogenannte Soziale Lächeln.

Umgekehrt setzen wir unsere Mimik oft bewusst ein, um bei anderen etwas zu erreichen. Schon meine dreijährige Nichte hat bei mir meist Erfolg, wenn sie mit ihren grossen Augen kullert und ein Schnütchen zieht. Der Einsatz des Kindchen-Schemas (grosse Augen, gekräuselte Nase, zusammengezogene Lippen und schräg gelegter Kopf) ist aber auch bei erwachsenen Menschen eine Strategie, mit der sich allerhand erreichen lässt.

Zone 2 der Körpersprache: Arme, Beine und Bauch

Unsere Extremitäten und der Rumpf bis zum Bauchnabel sind Spiegel unserer Seele. Hier werden unsere Gefühle in Körpersprache umgesetzt. Dies kann in harmonischen und weichen, aber auch in hektischen und ausladenden Bewegungen erfolgen. Frauen gestikulieren grundsätzlich mehr als Männer. Je höher Menschen in der sozialen Hierarchie steigen, desto weniger gestikulieren sie im Allgemeinen. Kürzlich war ich bei einem Vortrag von Richard von Weizsäcker, der innerhalb einer Stunde nur den rechten Arm nennenswert bewegte, während sein gesamter restlicher Körper ruhig blieb.

Bei der Intensität der Gestik gibt es kulturelle Unterschiede. Italiener beispielsweise setzen häufig den ganzen Arm sowie den Rumpf zum Gestikulieren ein, ihre Gesten sind staccato-artig und wechseln im Tempo. Franzosen beschränken ihre Armbewegungen eher auf Unterarme und Hände. Bei den Deutschen ist die Gestik noch stärker reduziert.

Zone 3 der Körpersprache: Der untere Teil des Rumpfes

Der Bereich vom Bauchnabel bis zum Steissbein, inklusive der Geschlechts- und Ausscheidungsorgane, bildet die Zone der Körpersprache, in der die körperliche Ebene unserer Befindlichkeit zum Ausdruck kommt. Hier ist der Bereich, in dem unsere Sinnlichkeit und Sexualität sowie unser generelles Aktivitätslevel sich zeigen. Hier kommen die menschlichen Grundbedürfnisse zum Ausdruck, aber auch sein Dominanzanspruch. Eine typisch männliche Dominanzgeste ist das breitbeinige Sitzen auf einem Stuhl, wodurch das Augenmerk der anderen ganz automatisch auf die Geschlechtsteile gelenkt wird. Bei Frauen sind der gestreckte Rücken und der nach aussen gereckte Po körpersprachliche Signale, welche die Aufmerksamkeit anderer wecken sollen.

Neben diesen drei körpersprachlichen Zonen gilt es noch drei weitere Phänomene unter die Lupe zu nehmen.

Nähe und Distanz: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie sich bedrängt und unangenehm berührt fühlen, wenn auf der Rolltreppe unmittelbar jemand hinter Ihnen steht und Sie dessen Atem spüren können? Ähnlich empfinden wir in Aufzügen, oder wenn jemand unmittelbar frontal vor uns steht. Im westeuropäischen Raum haben wir Menschen einen sogenannten Sicherheitsabstand von einer Armlänge, ca. 80 cm. Wird dieser Abstand von einer fremden oder einer Person, die wir nicht mögen, unterschritten, treten wir den Rückzug an.

Daraus lässt sich eine spannende Regel ableiten: Alles, was wir mögen, darf ganz nah an uns heran, alles, was wir nicht mögen, dem weichen wir aus und ziehen uns körperlich zurück. Beobachten Sie sich selbst einmal im Umgang mit Menschen, die Sie mögen und im Umgang mit Menschen, die Sie nicht mögen. Wie reagiert Ihr Körper?

Betrachten wir einmal unsere beiden Gehirnhälften: Wofür sind diese jeweils zuständig? Was haben diese mit unserer Körpersprache zu tun? Die rechte Hälfte steuert Gefühle, Intuition und Kreativität. Die linke Gehirnhälfte ist der Sitz unseres Sprachzentrums und unseres logisch-analytischen Denkens. Hier verarbeiten wir Zahlen, Daten und Fakten (kurz: ZDF). Man könnte auch sagen: Die rechte Gehirnhälfte ist die emotionale und die linke die rationale.

Die beiden Gehirnhemisphären steuern auch unsere beiden Körper- und Gesichtshälften, und zwar über Kreuz: Die rechte Hemisphäre ist für die linke Hälfte unseres Körpers und Gesichts zuständig, die linke Hemisphäre für die rechte Körper- und Gesichtshälfte. Folgerichtig spiegelt die linke Körperseite die intuitiv-emotionale Seite unseres Denkens und unserer Persönlichkeit – unsere Herzensseite. Unsere rechte Körperhälfte drückt dagegen die logisch-rationalen Anteile unseres Denkens aus. Achten Sie ab sofort doch mal darauf, mit welcher Seite Sie und Ihr Gesprächspartner überwiegend agieren. Ist es eher rechts, dann sind Sie logisch und analytisch motiviert. Agieren Sie vorwiegend mit links, so ist Ihre intuitive, emotionale Seite stärker. Steht links und rechts im Ausgleich, so sind Ihre beiden Gehirnhälften bestens vernetzt.

Spannend ist auch das Phänomen Schwerkraft in der Körpersprache. Wenn es uns gut geht, wir fröhlich und gut gelaunt sind, haben wir grosse Körperspannung im gesamten Körper. Alles ist wie von selbst gespannt und aufrecht. Alle Gesten zeigen nach oben. Haben wir aber Sorgen, fühlen uns in unserer Haut nicht wohl, so zeigt unsere gesamte Körpersprache nach unten, die Körperspannung lässt nach. Ganz wunderbar lässt sich dieses Phänomen bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beobachten. Sie hat eine bewusst einstudierte Hauptgeste am Rednerpult, den aufgestellten Igel. Dieser signalisiert Stacheln ausfahren, eine Barriere zum Publikum herzustellen, sich zu schützen. Doch auch bei dieser bewusst eingesetzten Geste kann man die wahren Gefühle von Frau Merkel daran erkennen, ob diese Geste nach oben oder nach unten ausgeführt wird.

Sie sehen, in der Mimik und Körpersprache lässt sich so vieles sehen, beobachten und ableiten.

Wie deutungssicher sind Sie im Entschlüsseln der Körpersprache? Manchmal muss man die Dinge noch mal vor Augen geführt bekommen, um sie umsetzen zu können. Schauen Sie sich die 10 Bilder unten im Quiz  genau an, was könnte sich hinter der Mimik und der Körpersprache wirklich verbergen? Mehrfachnennungen sind möglich.

Viel Freude dabei!

Herzlich, Tatjana Strobel

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Tatjana Strobel ist Expertin für Körpersprache, Physiognomie und Menschenkenntnis, Bestsellerautorin und Gründerin des Unternehmens «TS HeadWorx». www.tatjanastrobel.ch, www.mesmerize-it.ch

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