General Electric streicht weitere 1400 Stellen in der Schweiz

Der angeschlagene US-Konzern General Electric (GE) will in der Schweiz 1400 weitere Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind die Standorte Baden, Birr und Oberentfelden im Kanton Aargau. GE will jedoch keinen der drei Standorte ganz schliessen.

New York/Baden (sda). GE begründet die Massnahme mit der schwierigen Marktsituation im Turbinengeschäft. Der Abbau soll in den nächsten zwei Jahren vollzogen werden, wie der Industriekonzern am Donnerstag mitteilte. Für die betroffenen Mitarbeitenden wird es einen Sozialplan geben.

GE wolle möglichst dafür sorgen, dass alle Mitarbeitende wieder eine Stelle finden, sagte Michael Rechsteiner, Vizepräsident und Chef von Power Service Europe. GE beschäftigt insgesamt noch rund 4500 Angestellte in der Schweiz.

Die Schweiz bleibe trotz des Abbaus weiterhin von grosser Bedeutung, hiess es weiter in der Mitteilung. Baden werde auch künftig Hauptsitz der Geschäftsbereiche Steam Power Systems und Power Services bleiben.

Aargauer Regierungsrat bedauert

Der Aargauer Regierungsrat zeigte sich bestürzt über den Stellenabbau. Gemäss Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann (SP) ist der Massenabbau «ein harter Schlag für den Industrie- und Wirtschaftskanton Aargau». Dass die Produktionsstandorte Birr und Oberentfelden erhalten bleiben, verbuchte der Regierungsrat als Folge seiner Bemühungen.

Der Regierungsrat hat sich zum Ziel gesetzt, die negativen Auswirkungen der Restrukturierung auf den Industriestandort Aargau möglichst klein zu halten. Er will sich auch dafür einsetzen, dass der Stellenabbau reduziert werden kann.

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz und die Gewerkschaften Unia und Syna bezeichneten den Abbau als «Kahlschlag». Es gebe keine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit für einen derartigen Radikalabbau, schrieb die Syna in einer Mitteilung.

Für die Unia stellt der US-Konzern «einmal mehr das Interesse von profitgierigen Aktionären über dasjenige der Arbeitnehmenden». Angestellte Schweiz verlangt von GE ein «tatkräftiges Bekenntnis zum Standort Schweiz».

Politiker in der Pflicht

Die Gewerkschaften Syna und Unia sehen die Politiker in der Pflicht. Die kantonale als auch die nationale Politik müsse den erneuten Abbauplänen von GE entschieden entgegentreten, schrieb die Syna. Der Bundesrat, insbesondere Johann Schneider-Ammann, müsse gegenüber GE die sofortige Sistierung der Abbaupläne durchsetzen, hiess es in der Unia-Mitteilung.

Wirtschaftsminister Schneider-Ammann erteilt der gewerkschaftlichen Forderung jedoch eine Absage. Der Stellenabbau sei zwar ein harter Schlag, sagte er gegenüber Medienvertretern im Bundeshaus. Er gehe jedoch davon aus, dass der Schritt notwendig sei, um die Rentabilität wieder herzustellen.

Gleichzeitig betonte er, dass es in der Industrie nicht nur Abbau gebe, sondern auch viele neu angesiedelte Stellen. «Darüber redet man viel zu wenig», stellte der Wirtschaftsminister fest. Die Schweiz sei ein Industrieland. Die Industrie generiere 23 Prozent des Bruttoinlandprodukts. «Hätten wir die Industrie nicht, hätten wir riesige Probleme mit der Arbeitslosigkeit.»

Zweiter grosser Stellenabbau

General Electric hatte bereits im Januar 2016 angekündigt, 1300 Arbeitsplätze abzubauen bei der Energiesparte, die der Konzern 2015 Alstom abgekauft hatte.

Nach der Konsultation fiel die Zahl jedoch tiefer aus: Im Sommer 2016 gab GE bekannt, es sollen nunmehr 900 Jobs hierzulande gestrichen werden. Die Reduktion um 400 entspreche dabei der Summe aus der natürlichen Fluktuation, reduzierten Synergiezielen und innerbetrieblichen Bewerbungen auf neu geschaffene Stellen.

Zudem stellte GE damals die Schaffung neuer Stellen im Bereich Power Services in Baden in Aussicht. Diese Sparte wartet, repariert und modernisiert Kraftwerke und Industrieanlagen.

Schon ein Jahr später, im Juli 2017, gab GE bekannt, am ehemaligen Alstom-Standort in Birr zusätzlich 99 der insgesamt 2444 Stellen im Bereich Hydro Solutions zu streichen. In diesem Bereich werden vor allem Maschinen für Pumpspeicherwerke entwickelt, produziert und gewartet.

Gegenwind für Kraftwerksparte

GE begründete in ihrer Mitteilung vom Donnerstag den Abbau mit den Veränderungen im Energiemarkt. So setzen gemäss der Mitteilung die zunehmende Zahl von Windkraft- und Solaranlagen, die Verbesserungen bei der Energieeffizienz, der Preisdruck im Strommarkt und die stärkere globale Konkurrenz dem Geschäft von GE Power zu. GE Power stellt vor allem Turbinen für Gas- und Kernkraftwerke her.

Die Nachfrage nach neuen thermischen Kraftwerken ist laut GE in den letzten Jahren jedoch aufgrund des Strompreiszerfalls dramatisch zurückgegangen. Zudem drückt die neue Konkurrenz aus Asien auf die Preise.

GE-Chef John Flannery hatte unter anderem darum Mitte November nach einem «fürchterlichen» dritten Quartal ein hartes Durchgreifen mit Milliardenverkäufen angekündigt. Erste Pläne dazu hatte er Mitte November an einer Investorenkonferenz in New York vorgestellt. Zu den Folgen für die Schweiz sagte GE damals jedoch noch nichts.

Abbau von insgesamt 12'000 Stellen

Der Abbau in der 2015 übernommenen Energiesparte des französischen Konkurrenten Alstom betrifft nicht nur die Schweiz. Insgesamt sollen gemäss der Nachrichtenagentur Reuters in der Kraftwerksparte insgesamt 12 000 Stellen weltweit gestrichen werden.

GE bestätigte am Donnerstag einen Abbau von 1600 der rund 10 000 Stellen in Deutschland. In Grossbritannien sollen 1100 Arbeitsplätze verschwinden. GE beschäftigte Ende 2016 weltweit rund 295 000 Leute.