3 «praxisnahe Leadership-Tipps» zum Tag der Arbeit
CEO und Berater Gottlieb Fürchtegott versteht die postmoderne Businesswelt wie kein Zweiter. Und kein Zweiter gibt Tipps wie er. Heute: Partizipation, Gleichberechtigung und Wettbewerb. Auf eigene Gefahr: Lesen und Erfolg haben! (Achtung, Satire!)

Weiss, wie's geht: CEO und Berater Gottlieb Fürchtegott. (Bild: iStock)
Jede Krise ist eine Chance.
Dass sich die breitere Attitüde unserer Gesellschaft gegenüber dem Thema Arbeit negativ verändert hat? Eine Chance.
Der Tag der Arbeit? Für uns ein Tag, an dem wir uns und die Arbeit feiern, denn Arbeit geben ist seliger denn Arbeit nehmen, wie einst Volker Pispers sagte. Eine Chance.
Für Menschen ist es ein Tag, an dem sie für Veränderung auf die Strasse gehen.
Wir möchten, dass die Welt gleich bleibt, wie sie ist, nur besser. Aber die Welt ist im Wandel.
Der postmoderne Manager weist die Veränderung daher nicht ab. Er integriert sie. So, dass sie ihm nützt.
Entgegen anderer Behauptungen: Der Weg des geringsten Widerstands ist der effizienteste und lohnendste, denn: Widerstände sind teuer. Wer widerständig ist, ist nicht treu.
Unsere Untergebenen aber sollen treu sein. Widerstand ist daher zu verhindern, ohne Widerstand zu generieren.
Wie Ihnen das gelingt? Mit der Kunst des «Reframings».
Nachfolgend Tipps aus der Leadership-Praxis, damit wir nicht einfach mit der Zeit gehen, sondern die Zeit mit uns.

1. Kollaboration und Wettbewerb
Solidarität hemmt den Wettbewerb und der Wettbewerb ist ein zentraler Faktor für Ihren Unternehmenserfolg. Zwar ergeben manche Studien, dass kollaborative Unternehmen erfolgreicher seien – die Frage ist hier aber: Wie lange? Zu viel Solidarität und Groupthink bedrohen Ihre Macht und Kontrolle. Das ist gefährlich. Sie möchten schliesslich nicht, dass Ihre Belegschaft plötzlich etwa solidarisch die Arbeit verweigert und dadurch Ihren Erfolg in die Bredouille bringt. Wettbewerb steht darum im Zeichen des Langzeiterfolgs. Heizen Sie ihn an. (dazu mehr im kommenden Teil zu Strafen und Kontrollen). Je mehr Ihre Belegschaft im Wettbewerb mit sich selbst steht, desto weniger denkt man dabei an Sie, desto weniger gerät Ihre und die Macht der Unternehmen in Bedrängnis. Seien Sie solidarisch mit Unternehmen – am meisten aber mit sich selbst.
Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden deshalb über den Tag der Arbeit frei verfügen. Das heisst: Der freie Tag kann gegebenenfalls auch an einem anderen Datum eingesetzt werden. Die rechtliche Situation spielt hier eine untergeordnete Rolle. Niemand, der über einen raren freien Tag verfügen kann, wird sich darüber beschweren. Bieten Sie zusätzlich einen halben freien Tag an für alle (aber höchstens die Hälfte der jeweiligen Teams – es hät, solang's hät, und es hat nie genug für alle, ausser für Sie – das nennt man scarcity economics), die nicht am 1. Mai, sondern an einem anderen Datum frei nehmen.
Verkaufen Sie das als Geschenk im Geiste der Solidarität. Das führt zu Wettbewerb und deshalb auch dazu, dass sich Ihre Untertanen nicht verschwistern und solidarisieren, etwa an einem Umzug oder Fest.
Falls Ihnen Compliance tatsächlich wichtig ist, sehen Sie die Mehrkosten durch etwaige Feiertagsentschädigung (sofern Sie das Pech haben, dass der 1. Mai in Ihrem Kanton ein gesetzlicher Feiertag ist) als Investition ins Risk Management.
2. Partizipative Formate
In der heutigen Welt fühlen sich viele Menschen machtlos. Sie haben das Gefühl, selbst in unseren Demokratien nicht viel Mitspracherecht zu haben. Dieses Gefühl hilft Ihnen. Wenn Sie etwas haben, dann: Verständnis. Das Gefühl der Machtlosigkeit ist verständlich. Sie wissen: Wir leben in Demokratien, in denen die Wirtschaft im Grunde autoritär-feudal organisiert ist (der Kunde ist König, und der Kunde ist der Markt – und Sie sind dessen Vasall, aber irgendwie auch König). Zudem werden Grosskonzerne immer mächtiger – mächtiger als so mancher Staat. Das Gefühl der Machtlosigkeit ist verständlich.
Ihre Lösung: Partizipation und Kollaboration. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden das Recht, mitzubestimmen. Ermutigen Sie Ihre Untertanen zum Bilden von Gremien. Diese Gremien aber dürfen selbstredend keine echten Befugnisse haben, müssen von Ihnen abgesegnet sein und dürfen sich auch nur mit unwichtigen Dingen befassen, keinesfalls aber mit Arbeitsbedingungen.
In der Praxis erprobt: Lassen Sie Ihr Team über die Kaffeesorte in der Küche entscheiden. Idealerweise geben Sie dabei Wahlmöglichkeiten, die Sozial- und Umweltbewusstsein suggerieren, etwa zwischen Starbucks-Biokaffee und Billigkaffee mit noch miserablerer CO₂-Bilanz. Ihre Mitarbeitenden entscheiden sich für die «ethische» Wahl, beruhigen sich damit ihr generelles Unbehagen und fühlen sich durch die Partizipationsmöglichkeit ermächtigt – und die einzigen Kosten, die Sie tragen, ist der teurere Kaffee (wobei Sie ja schon von Beginn weg wussten, auf welche Sorte die Wahl fallen wird und entsprechend kalkuliert haben – falls nicht, haben Sie noch viel zu lernen).
Zudem: Zeit, die in Gremien verbracht wird, muss in jedem Fall nachgearbeitet werden, sonst wird Partizipation schnell zum Selbstverständnis, statt das Privileg einer Pflicht zu sein.
3. Gleichberechtigung
Der Manager der Vergangenheit lamentiert gerne über junge Generationen, über Diversität, über Gleichberechtigung und findet Angelegenheiten wie den Gender Pay Gap lästig. Der moderne Manager weiss es besser. Diversität ist nur ein Problem, wenn Sie zu wenige auf verschiedene Anspruchsgruppen zugeschnittene Profitmaximierungsstrategien haben. Und Gleichberechtigung ist nur ein Problem, wenn Sie nicht wissen, wie Sie diese Strategien einsetzen können.
Wie ich immer sage: Die Ungleichheit muss gleich ungleich sein. Sehen Sie es durch die Linse des Marktes: In unserer Welt wird es immer schlecht bezahlte Arbeit geben. Aber damit Ihre Welt stabil bleibt, muss die schlechte Bezahlung fair auf alle Schlechtbezahlten* verteilt sein.
Die heute relevante Marktdemographie möchte Gleichberechtigung und Gleichbehandlung. Geben Sie dem Markt, was er sich wünscht. Kontrollieren Sie nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage. Ihre Aufgabe ist nicht, manche Wünsche zu erfüllen und andere abzulehnen, sondern jeden Wunsch zu erfüllen. Solange er sich zu Ihren Gunsten instrumentalisieren lässt. Denn: So kann Ihnen niemand die Schuld für schlechte Rahmenbedingungen geben.
Auch dann nicht, wenn sich aus diesen Wünschen paradoxe Effekte ergeben (denken Sie an das Konzept der obligatorischen Wehrpflicht für Frauen im Namen der Gleichstellung). In solchen Fällen weisen Sie gewissenhaft auf Gleichbehandlung hin. Gleiche Rechte bringen gleiche Pflichten mit sich. Gleichberechtigung und Gleichbehandlung sind Tugenden. Halten Sie sie mit überzeugter Überzeugung hoch.
Ein Satz für die Praxis: «Danke, dass du dein Bedürfnis nach weniger Überstunden so offen äusserst. Aber da wir nach dem Prinzip der Gleichbehandlung operieren, können wir leider nicht darauf eingehen, das wäre deinen Mitarbeitenden/Kollegen und Kolleginnen gegenüber unfair.»
*Als Schlechtbezahlte gelten gemäss Fürchtegott Consulting sämtliche Menschen, die einer regelmässigen Lohnarbeit nachgehen, statt, wie es sich gehört, Kapital zu besitzen.
Im nächsten Teil der Serie befassen wir uns mit Disziplin, Kontrolle, Regeln und Kohärenz. Bleiben Sie erfolgreich!
KEINE WERBUNG*

*Dieser Beitrag wurde keinesfalls nicht mit 200'000 Franken und Sachleistungen bezahlt und zählt deshalb nicht als keine Werbung. Wir danken Caturix Friedenstechnologien für die angenehme Zusammenarbeit und sind überaus überzeugt, dass Gottlieb Fürchtegott kein Vampir ist.