Talk im Ring, Runde 1

Arbeitszeugnisse vor dem Knockout?

 

HR Today präsentiert «Talk im Ring»: In einem Boxring im Zürcher Langstrassenquartier diskutiert Jörg Buckmann dieses Jahr sechsmal mit einem Herausforderer über polarisierende HR-Fragen. Runde 1: Jörg Buckmann und Dani Uffer diskutieren über Sinn und Unsinn von Arbeitszeugnissen.

«Die Personaler haben die Nase voll davon», sagt Jörg Buckmann. Und doppelt mit einer Frage nach: Verkommen Arbeitszeugnisse immer mehr zu einem nichtssagendem Fetzen Papier? Dani Uffer von der Avenir Group kontert. Er rechnet Arbeitszeugnissen einen hohen Stellenwert zu. Und: Wenn ein Chef seine Mitarbeitenden gut führe, sei es für ihn auch einfach, ein qualitativ hochwertiges und aussagekräftiges Zeugnis zu erstellen. Hier spiele auch HR eine wichtige Rolle.

Was meinen Sie?

  • Wie stark verlassen Sie sich beim Recruiting auf Arbeitszeugnisse?
  • Wie aussagekräftig schätzen Sie Arbeitszeugnisse ein?
  • Wie soll HR Führungskräfte beim Erstellen von Arbeitszugnissen unterstützen und schulen?
  • Welche absurden Arbeitszeugnisse hatten Sie schon auf Ihrem Schreibtisch liegen?
  • Welche Alternativen zum Arbeitszeugnis gäbe es?

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Leider fehlt es mittlerweile zu einem grossen Teil in den Firmen am Mut, wirklich wahre Arbeitszeugnisse zu erstellen. Sofern dieser Mut vorhanden wäre, würde das Arbeitszeugnis sehr wohl ein wichtiges Arbeitsinstrument bei der Rekrutierung sein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es trotzdem sinnvoll ist, bei einem Kandidaten/in in der Endrunde das Arbeitszeugnis noch einmal mit der Referenzauskunft quer zu checken.

Guten Tag! Ich bin sehr für gute Arbeitszeugnisse - gut geschrieben, von Menschen für Menschen (im Gegensatz zu den Referenzauskünften, die können wir getrost spülen). Textbausteine helfen ja denen, die nicht schreiben können - und das sind halt eben viele!! Wer keinen geraden Satz schreiben kann und auch von Kommaregeln wenig versteht, der ist mit einem frei zu schreibenden Zeugnis völlig überfordert. Logisch, dass man da lieber die Schublade aufmacht und rasch mal ein altes Zeugnis hervorkramt und copy-paste und fertig ist das lauwarme Zeugnis! Und weiter lassen es Textbausteine eben zu, dass "andere", z.B. Personalassistentinnen oder nach Europa ausgelagerte Personalmenschen oder -maschinen, ein Zeugnis schreiben können, die gar nie direkten Kontakt mit dem Mitarbeiter gehabt haben. Das spart Ressourcen! Welcher direkte Vorgesetzte geht denn bitte sehr ein Zeugnis nochmals durch, ob es den Mitarbeiter und seine Leistung auch wirklich treffend beschreibt? Kenne niemanden. Eigentlich schade, weil man die hohe Kunst des Zeugnisschreibens nämlich lernen kann. Ich habe aber noch keinen Leadershipkurs gesehen, der Zeugnisschreiben auf dem Programm hat!

Ich komme jetzt auch noch mit ein paar Zahlen. Das Personal ist ja das wertvollste Gut im Unternehmen. Sollte diesem Aspekt nicht Rechnung getragen werden? Ich sage mal, 80 Prozent der Mitarbeitenden sind gute oder sogar sehr gute Mitarbeitende und diese identifizieren sich stark mit ihrem Unternehmen. Warum sollen Arbeitgeber hier nicht etwas Aktives tun für das berufliche Weiterkommen? Auch das ist ein Teil von Employer Branding (professionelle Zeugnisse als Visitenkarte für Unternehmen). Nur aufgrund der kritischen Zeugnisse zu eliminieren, ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg. In diesen Fällen gilt es, dass HR noch stärker die Führung übernimmt - insbesondere in der Schulung/Führung.

Lieber Dani, Deine Antwort ist nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit. :-) Es geht ja nicht um die kritischen Zeugnisse, sondern generell um die fast ausnahmslos Nichtssagenden – was ja nicht wundert, wenn fast alle Zeugnisse mittlerweile aus einem Baukasten stammen – ein bisschen von dem, dann hier noch ein bisschen von jenem und jaja, das passt doch auch nicht schlecht, packen wir auch mal rein – und fertig ist das Zeugnis – wovon einige Unternehmen fürstlich leben und natürlich kein Interesse an einer Veränderung haben. Und es geht um die Interpretation. Naja, wie auch immer... aber zum Schmunzeln hast Du mich schon gebracht: Was doch mittlerweile alles unter dem Modelabel "Employer Branding" subsummiert wird?! Das ist zugegebenermassen definitiv kreativ... :-) Aber kreativ dürfte man ja in einem Zeugnis nicht schreiben – nicht dass noch jemand hineininterpretiert, dass die Person sich nicht an Vorgaben halten kann...

Mit schmunzelnden Grüsse

Jörg


Da gebe ich Ihnen Recht, lieber Herr De Micheli. Man sollte die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen. Andererseits macht das Festhalten an etwas, das nicht mehr funktioniert, doch auch keinen Sinn. Weiterentwickeln – ja, warum nicht. Fakt ist aus meiner Sicht: Der "wertvolle Zweck" ist doch schon längst ad absurdum geführt worden. Lassen Sie doch einmal 10 in der Personalauswahl tätige einen Schlusssatz interpretieren – sie erhalten Antworten nach dem Zufallsprinzip. Von den Zeugnissen profitieren die Arbeitnehmer und Arbeitgeber immer weniger. Wertvoll sind die Zeugnisse vor allem noch für die Arbeitszeugnisindustrie - ein Millionenbusiness.

Arbeitszeugnisse haben nach wie vor den wichtigen und wertvollen Zweck eines Leistungs- und Erfahrungsausweises für Arbeitnehmer, der sie beim beruflichen Fortkommen unterstützt. Die Probleme löst man selten, indem man an sich bewährte Instrumente ablehnt oder totsagt. Sondern nur damit, indem man diese korrekt, glaubwürdig und professionell handhabt und sie allenfalls neu überdenkt. Bei Arbeitszeugnissen könnten dies neue Konzepte und inhaltliche Formen und kompaktere Standards, Vereinfachungen oder effizientere Onlinelösungen, beispielsweise mit Audiotools als Stichworte, sein.

Jörg gewinnt in der 2. Runde durch K.O. - sorry Dani. Du hast tapfer gekämpft. Aber: Zeugnisse in der heutigen Form und Verwendung bringen keinen Mehrwert. Nur Verwirrung, Missverständnisse und Aufwand. Weg damit!

Ganz meine Worte! :)

Hier noch mehr Meinungen und Zahlen zum Thema:
https://www.srf.ch/news/wirtschaft/arbeitszeugnisse-sind-ein-relikt-aus-alten-zeiten

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