Label Friendly Work Space

«Betriebliches Gesundheitsmanagement muss man leben»

Die Feldschlösschen Getränke AG ist seit Anfang 2012 mit dem Label Friendly Work Space (FWS), welches durch Gesundheitsförderung Schweiz vergeben wird, ausgezeichnet. Dies, nachdem sie sich im November 2011 dem Assessment gestellt hatten. Marc Edel, Head of Corporate Health Management bei Feldschlösschen, gibt Auskunft zum Gesundheitsmanagement beim Getränkehersteller.

Herr Edel, was hat Sie dazu bewogen, das Label FWS zu erlangen?


Wir wissen, dass der Erfolg eines Unternehmens wesentlich von gesunden und engagierten Mitarbeitenden abhängt. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist schon seit Jahren ein fester Bestandteil der Unternehmensführung. Wir haben zuerst das BGM realisiert und uns erst dann um das Label «Friendly Work Space» beworben. Wie gesagt, das Assessment war eine Bestätigung und zeigte auf, wo wir uns noch weiter verbessern können.

Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches BGM?


Als wesentlichster Faktor für ein erfolgreiches BGM gilt das Commitment der Geschäftsleitung. Dieses Commitment beinhaltet nicht bloss, sich zu BGM zu bekennen, sondern auch Geduld zu haben. Viel Geduld. Denn BGM ist nicht eine Frage von Papier, sondern eine Frage von Menschen und somit von Kultur. BGM muss man also leben, damit sich die damit verbundenen Werte langsam und nachhaltig in die Betriebskultur integrieren können.
Über BGM muss gesprochen werden. Die Kommunikation ist ein wesentlicher Faktor einer erfolgreichen Integration von BGM. BGM wird nicht einfach eingeführt, BGM wird integriert. Aktivitäten der Unternehmung müssen mit dem BGM und dem Label verknüpft werden, damit die Mitarbeitenden den Zusammenhang auch einfach erkennen können. Gute Möglichkeiten ergeben sich an Anschlagbrettern, dem Intranet, der Mitarbeiterzeitung, in Kursen etc. Alles, was mit BGM zu tun hat, muss auch mit BGM "verkauft" werden. Am Einfachsten gelingt dies beispielsweise mit einem eigenen internen Label.

Inwiefern äussert sich BGM als integraler Bestandteil in Ihrem Unternehmen?


Viele der BGM-relevanten Themen waren bei Feldschlösschen bereits umgesetzt, bevor wir uns um das Label bewarben. Dieser Umstand vereinfachte es uns, das BGM als integralen Bestandteil unseres Unternehmens festigen. Wichtig waren für uns die ergänzenden Vorgaben der Carlsberg-Gruppe, die unsere Bemühungen unterstützten. So misst die Carlsberg-Gruppe beispielsweise  der Corporate Social Responsibility (CSR) eine grosse Bedeutung zu. Unter CSR verstehen wir die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens. In Sachen CSR gibt uns die Carlsberg-Gruppe Vorgaben. Auch die Winning Behaviours unterstützen unserer Bemühungen im BGM. Mit diesen Unternehmensvorgaben geniessen wir die volle Unterstützung bei der Umsetzung und Integration von BGM. 

Wie setzen Sie das Unternehmensleitbild um?


In unserem Leitbild werden die Werte zur Förderung von Mitarbeitergesundheit explizit erwähnt (respektvoller und offener Umgang, verantwortungsvolle Führung und fortschrittliche Personalpolitik). Aus der Unternehmensstrategie werden die strategischen Jahresprioritäten und daraus die Bereichsziele abgeleitet. Auch diese beinhalten gesundheitsrelevante Dimensionen. Für die Mitarbeitergesundheit relevante Werte wie Weiterbildung, Partizipation oder auf Feedback basierende Führungskultur sind in der Unternehmensstrategie von Feldschlösschen integriert.

Wie integrieren Sie das BGM in Ihre Organisationsstrukturen und –prozesse
?

Die Stelle des Leiters BGM wurde 2007 geschaffen und in die Unternehmensstruktur integriert. Ziele werden jährlich neu festgesetzt, überprüft und angepasst. Zur Umsetzung stehen unterstützend die Steuerungsausschüsse «BGM» und «Sicherheit & Gesundheit» zur Seite. 
Beschlossene Massnahmen finden Eingang in das Zielsystem von Führungskräften. Die Organisationsprozesse werden regelmässig durch den Konzern überprüft und bewertet.

Haben Sie Ressourcen für das BGM?

Für BGM müssen regelmässig personelle, zeitliche wie auch finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Wie setzen Sie das Kriterium «Managementbewertung» um?


Wichtig ist die regelmässige Berichterstattung gegenüber der Geschäftsleitung. Diese ermöglicht eine aktive Auseinandersetzung der obersten Leitung der Unternehmung mit dem BGM. Absenzzahlen und deren Auswirkung auf die Prämiensituation können so regelmässig präsentiert und die Zusammenhänge sowie der finanzielle Effekt anhand messbarer Zahlen erklärt werden.

Bieten Sie Aus- und Weiterbidlungen zum Thema an?


Das umfangreiche Aus- und Weiterbildungsangebot von Feldschlösschen beinhaltet einiges an BGM-relevanten Themen. Stressbewältigung, Ergonomie, Umgang der Vorgesetzten mit Absenzen sind genau so enthalten, wie stufengerechte Führungsschulung, die wiederum eine transparente und nachvollziehbare Leistungsbeurteilung und somit korrekte Entlöhnung garantiert. So schliesst sich der Kreis zu den Bekenntnissen im Leitbild.

Haben Sie gesundheitsrelevante Infrastruktur und Angebote
?

Infrastruktur und Angebote verursachen Kosten. Gerade weil BGM so wichtig ist für eine Unternehmung, müssen Massnahmen pragmatisch, vernünftig und wirtschaftlich sein. Wir bieten den Mitarbeitenden mehrere Möglichkeiten, sich auf dem Betriebsareal gesund und günstig zu ernähren. Getränke sind rund um die Uhr umsonst erhältlich. Es besteht die Möglichkeit, sich nach sportlicher Betätigung zu duschen. Ebenso werden die Betriebsvereine (Tischtennis, Fussball)  finanziell unterstützt.

Wo setzen Sie persönlich den Schwerpunkt bei diesen Kriterien?


In den Bereichen «BGM und Unternehmenspolitik», «Personalwesen und Arbeitsorganisation» und «Soziale Verantwortung» sind wir schon relativ weit. Unseren Fokus setzen wir auf Verbesserungen bei der Planung von BGM, die weitere Umsetzung sowie die Gesamtevaluation. So zum Beispiel beim systematischen Berücksichtigen gesundheitsrelevanter Kennzahlen und Dimensionen bei BGM-Massnahmen sowie bei den Kommunikationskonzepten dieser Massnahmen.

Verschiedenste Untersuchungen und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) dann zum Erfolg führt, wenn es von der obersten Leitung eines Unternehmens getragen wird und die gesundheitsrelevanten Themen integraler Unternehmensbestandteil sind und als Führungsaufgabe wahrgenommen werden. Auch die BGM-Kriterien von Friendly Work Space® tragen dieser Tatsache Rechnung. Das Kriterium 1 (Betriebliches Gesundheitsmanagement und Unternehmenspolitik) prüft, inwiefern BGM im Führungsalltag wahrgenommen wird und in bestehenden Managementsystemen eingebettet ist. Dabei geht nicht nur darum, dass BGM im Unternehmen verankert ist, sondern dass dieses auch regelmässig überprüft und laufend optimiert wird.

 

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