Experimentierkultur ist wichtig

Die KI-Transformation durch einen «Skills-first»-Ansatz meistern

Weiterbildung fokussiert sich heute auf Fähigkeiten statt Jobtitel. Mit einem Skill-basierten Ansatz können HR-Teams flexibel auf Veränderungen reagieren, Talente fördern und KI-Kompetenzen ausbauen.

Noch nie zuvor war das Tempo des Wandels so hoch wie in den letzten Jahren. In nahezu allen Unternehmen bewerten verschiedene Abteilungen derzeit neu, wie sich Tools und Kompetenzen als Reaktion auf künstliche Intelligenz weiterentwickeln sollten. Nun sind insbesondere HR-Verantwortliche gefragt, um resiliente und wettbewerbsfähige Teams aufzubauen. Sie haben einen klaren Auftrag: die richtige Infrastruktur für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden bereitzustellen, damit sie sich anpassen und effektiv mit KI arbeiten können.

Immer mehr Schweizer KMU setzen KI ein und berichten von positiven Auswirkungen auf Arbeitsprozesse. Das beeinflusst auch die Einstellungen: Viele Arbeitgeber setzen zunehmend auf Skill-basiertes Hiring und achten verstärkt auf Qualifikationen statt auf Berufserfahrung oder Jobtitel. Auch in der Personalentwicklung werden Kompetenzen und Lernbereitschaft immer wichtiger. Das verschiebt das Verständnis von Karriere: weg vom linearen Aufstieg, hin zu kontinuierlicher, kompetenzorientierter Entwicklung – inklusive eines praxisnahen, reflektierten Umgangs mit KI.

Zentrale Bausteine für einen Skills-first-Ansatz


HR-Teams konzentrieren sich auf den organisatorischen und kulturellen Rahmen, der eine kompetenzorientierte Entwicklung im Unternehmen erst möglich macht. Die wesentlichen Aspekte für den Skills-first-Ansatz sind:

Eine Kultur des sicheren Experimentierens schaffen


Kultureller Widerstand ist laut dem AI Readiness Report von Lucid Software der häufigste Grund, warum die Implementierung von KI scheitert. Das macht Unternehmenskultur und psychologische Sicherheit zu entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Einführung. Im ersten Schritt gilt es, geeignete Tools und klare Leitlinien bereitzustellen: Das gibt Teams die nötige Sicherheit, um ohne Angst vor Fehlern mit KI zu experimentieren. Gleichzeitig müssen Unternehmen definieren, wo KI eingesetzt werden kann, wo sie nicht verwendet werden sollte und wie Mitarbeitende ihre Ergebnisse kritisch bewerten können. Ohne diese Klarheit bleibt die Unsicherheit bestehen.

Wenn Ausprobieren zum Arbeitsalltag wird, sammeln Mitarbeitende direkte Erfahrungen mit KI und bauen Vertrauen auf. Sie erkennen sie als sinnvolles Arbeitswerkzeug und verstehen gleichzeitig ihre Grenzen. Das hilft, Bedenken gegenüber KI-bedingten Veränderungen abzubauen, und fördert eine durchdachte und effektive Einführung.

KI-Kompetenzen und menschliche Fähigkeiten stärken


Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, KI-Tools sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Die eigentliche KI-Kompetenz entwickelt sich dann vor allem durch Wiederholen und gemeinsames Lernen: Teams tauschen sich darüber aus, was funktioniert und was nicht, und was sie aus diesen Ergebnissen machen. Findet dann jemand einen besseren Weg, um ein Problem zu lösen, sollte die Person dieses Wissen dokumentieren und für alle zugänglich machen.

Für den Arbeitsalltag bedeutet das: Ergebnisse kritisch zu bewerten, wird ebenso wichtig wie sie zu erzeugen. Denn auch wenn generative KI Antworten auf Knopfdruck liefert, entscheidet der Mensch, ob sie relevant und richtig sind.

Technisches Grundverständnis allein reicht nicht. Wer KI erfolgreich nutzen will, braucht:

  • Kritisches Denken, um den Output von KI einzuschätzen und zu hinterfragen
  • Problemlösungskompetenz, um komplexe Aufgaben so aufzubereiten, dass KI sie sinnvoll bearbeiten kann
  • Kommunikationsstärke, um präzise Prompts zu formulieren, die Zeit sparen und Missverständnisse vermeiden

Top-down und Bottom-up: Kompetenzentwicklung auf allen Ebenen fördern


KI lässt sich oft nicht einfach von oben anordnen. Statt ohne Kontext Zugang zu neuen Tools zu erhalten, wollen Mitarbeitende zunehmend mitgestalten, wie sie KI einsetzen. Unternehmen sollten den Zugang zu KI-Tools deshalb mit klaren Richtlinien und Leitplanken kombinieren. Gleichzeitig können sie Budgets für Bottom-up-Experimente bereitstellen, damit einzelne Teams vor einem grösseren Roll-out selbst die KI-Lösungen testen, die am besten zu ihren Workflows passen.

Ebenso wichtig ist es, dass Führungsteams mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu können sie Best Practices in Meetings und internen Kanälen teilen und zeigen, wie sich KI-Tools praktisch, sicher und kreativ einsetzen lassen. Konkrete Anwendungsfälle machen KI greifbarer, normalisieren das Experimentieren und ermutigen Teams, KI schrittweise in ihre täglichen Abläufe zu integrieren. Ein Beispiel: Mitarbeitende können KI nutzen, um Meeting-Transkripte zu sichten und Feedback zu eigenen Beiträgen zu erhalten. Diese externe Perspektive kann die Selbstreflexion erleichtern und Raum für Verbesserungen aufzeigen.

Neben Tools und Trainings brauchen Teams einen kontinuierlichen, menschlichen Austausch, um neues Wissen zu festigen. Mentoring-Programme beispielsweise geben Mitarbeitenden die Möglichkeit, KI in der Praxis zu erkunden, Prompts zu testen und über ihre Erfahrungen zu sprechen. Weniger formale Schulung, mehr angewandtes Lernen – dieser Schwerpunkt baut Sicherheit auf und verankert KI-Kompetenz dort, wo sie gebraucht wird.

Personalentwicklung im Wandel


KI wird die Arbeitswelt der Zukunft weiter prägen. Um diese Welt mitzugestalten, benötigen Mitarbeitende die richtige Unterstützung und Infrastruktur. Auch transparente Kommunikation und offener Wissensaustausch helfen ihnen dabei, KI schrittweise in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Das kommt auch den eher Zurückhaltenden zugute: Sie fühlen sich besser abgeholt, wenn sie sehen, wie andere Teammitglieder mit KI umgehen.

Für HR-Teams ist es entscheidend, Mitarbeitende bei der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zu unterstützen. Dadurch befähigen sie Angestellte, sich in der Skill-basierten Wirtschaft zu behaupten, wodurch leistungsstarke, zukunftsfähige Teams entstehen.

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Professionelles Porträtfoto einer lächelnden Frau mit schulterlangem blonden Haar, blauem Pullover und einer zarten Halskette vor hellem, neutralem Hintergrund.
Text: Katt Judd

Kat Judd ist seit 2017 bei Lucid. Davor war sie mehr als ein Jahrzehnt lang im Arbeitsrecht für Führungskräfte tätig. Zuvor war sie Aktionärin und Direktorin bei Clyde Snow & Sessions und verfügt über Erfahrung in präventiver Beratung und Betreuung, Ermittlungen am Arbeitsplatz sowie Fort- und Weiterbildungen zum Thema Arbeitsrecht. Sie hat einen Bachelor of Science in Betriebswirtschaft und Management von der Brigham Young University sowie einen Doktortitel in Jura von der University of Utah.

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