HR-Team der Stunde: Téléverbier

«In drei Wochen erhielten wir über 4500 Bewerbungen»

Das HR-Team von Téléverbier wurde mit dem Swiss Digital HR Award ausgezeichnet – für ein innovatives  Rekrutierungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Walliser Start-up HooRa. HR-Director Nuno Dias spricht über das Vorgehen und die aktuellen Herausforderungen für den Walliser Seilbahnbetreiber. 


Herr Dias, Ihr Team hat kürzlich den Swiss Digital HR Award für ein HR-Marketingprojekt erhalten, das Mobile-First-Digitaltechnologie mit KI-gestützten Sprachinterviews kombiniert. Welche konkreten Ergebnisse hat Ihnen diese Innovation gebracht?

Nuno Dias: Seit der Covid-Zeit ist es für uns schwieriger geworden, insbesondere im Gastgewerbe Personal zu rekrutieren. Die üblichen Kanäle werden weniger genutzt. Nach einigen Saisons mit Unterbesetzung sind wir auf die Start-up-Firma HooRa zugegangen, die uns ein Tool zur Bewerbung unserer Stellenanzeigen auf sozialen Netzwerken vorgeschlagen hat. In nur drei Wochen erhielten wir über 4500 Bewerbungen. Das Tool ermöglichte es uns zudem, die Lebensläufe zu selektionieren und die Qualität des «Funnels» zu verbessern. Nach dieser ersten Auswahl füllten 900 Kandidatinnen und Kandidaten einen Fragebogen aus, und 450 Personen führten ein virtuelles Gespräch mit Alex, unserem digitalen Recruiter. Am Ende erhielten wir 300 konkrete Bewerbungen, von denen 160 genau dem gesuchten Profil entsprachen.


Welche konkreten Vorteile brachte Ihnen die Zusammenarbeit mit HooRa?

Die Partnerschaft mit HooRa ermöglichte es uns, den gesamten Rekrutierungsprozess neu zu denken – vom Sourcing bis zum Interview. Sie halfen uns auch dabei, KI in unsere Abläufe zu integrieren. Gleichzeitig konnten sie ihr Tool dank unseres Feedbacks weiterentwickeln. Zudem unterstützten sie uns beim Aufbau unserer Arbeitgebermarke. Uns verbindet ein gemeinsames Interesse an Innovation und Human Capital – und sie sind ebenfalls Walliser (lacht).


Die Wintersaison hat begonnen. Was sind Ihre kurzfristigen HR-Herausforderungen?

Unsere Aktivitäten haben Anfang November gestartet. Die aktuelle Herausforderung besteht darin, die saisonalen Teams erfolgreich zu onboarden. Das betrifft rund 500 Mitarbeitende, davon 150 in der Gastronomie. Wir organisieren Begrüssungstage. Und da der Grossteil der saisonalen Mitarbeitenden Grenzgängerinnen und Grenzgänger sind, müssen wir Fragen zu Unterkunft und Arbeitsbewilligungen klären.


Und langfristig?

Wir überlegen uns, wie wir die Attraktivität unserer Berufe steigern können. Die Gastronomie ist ein Sektor mit grossem Fachkräftemangel. Wir betonen die Attraktivität der Destination Verbier sowie zusätzliche Vorteile – etwa ein Saisonabo fürs Skigebiet. Ein weiteres strategisches Ziel ist die Mitarbeitendenbindung. Wenn die Teams jedes Jahr zurückkehren, vereinfacht das unsere Arbeit erheblich. Eine weitere Herausforderung ist die Wohnungsknappheit. Wir mussten regionale Lösungen finden. Zudem werden wir die Digitalisierung weiter vorantreiben.


Téléverbier SA

Téléverbier betreibt als grösstes Seilbahnunternehmen der Westschweiz drei Skigebiete – Verbier, La Tzoumaz und Bruson. 36 Anlagen erschliessen insgesamt 203 Pistenkilometer. Ebenfalls ist es in der Gastronomie und im Tourismusbereich aktiv. Téléverbier ist an der Pariser Börse kotiert und beschäftigt rund 500 Mitarbeitende.

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Marc Benninger ist Chefredaktor der französischen Ausgabe von HR Today.

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