Outsourcing

«Es gibt keine Grenzen»

Immer häufiger lagern Unternehmen Teile ihrer HR-Wertschöpfungskette aus. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen, glaubt Marek Dutkiewicz, CEO des Beratungsunternehmens HR Campus. Ein Gespräch.

Marek Dutkiewicz, in welchen Fällen sollte ein Unternehmen seine HR-Dienstleistungen outsourcen?

Marek Dutkiewicz: Wenn es günstiger ist, eine Dienstleistung einzukaufen, anstatt sie selbst zu erbringen, macht es bestimmt Sinn, diese auszulagern. Insbesondere, wenn es sich um administrative Prozesse handelt, die nur ein geringes Wertschöpfungspotenzial haben und nicht zur Kernkompetenz des Unternehmens gehören. In vielen kleineren Unternehmen ist es zudem mit Risiko verbunden, alle HR-Dienstleistungen selbst zu erbringen. Wenn beispielsweise nur zwei Personen mit der monatlichen Lohnabrechnung beschäftigt sind und eine dieser Personen kurzfristig ausfällt, besteht die Gefahr, dass die Lohnabrechnung nicht zeitgerecht erfolgen kann. Für sehr kleine Unternehmen ist HR-Outsourcing aus meiner Sicht deshalb schon fast ein «Muss». Viele von ihnen wickeln ihre Salärabrechnungen ja schon heute über Treuhandbüros ab. So gesehen ist das nichts Neues.

Ist das HR vom Outsourcing «bedroht»?

Bedroht? Bedrohe ich den herkömmlichen Automobilmarkt, wenn ich einen Tesla fahre? Ich sehe Outsourcing nicht als Bedrohung für das HR. Ausgelagert werden HR-Prozesse, die wenig zur Wertschöpfung beitragen und die automatisiert werden können, wie beispielsweise die Saläradministration. Auch HR-Aufgaben, die ein hohes Spezialistenwissen voraussetzen, werden zunehmend ausser Haus gegeben. Die Nachfrage nach breit abgestützten HR-Services steigt vor allem seitens der KMUs stetig an. Das merken wir auch im täglichen Geschäft. So starteten wir vor einigen Jahren mit Salärdienstleistungen, heute bieten wir auch Zeugnis-, Recruiting-, Spesenabrechnungs- und juristische HR-Services an.

Wo sind für Sie die Grenzen des Outsourcings?

Es gibt für mich keine Grenzen. Wir können uns heute bloss noch nicht vorstellen, was morgen Realität sein wird. Da sind wir noch zu sehr von der Vergangenheit geprägt und dem Satz «Das geht doch nicht.» Genau die Vergangenheit zeigt uns jedoch, das Unmögliches möglich wird. Die Technologie macht heute alles Denkbare möglich. Grenzen werden eher durch unsere Kultur und die Unternehmensstrategien gesetzt.

Geht der Trend zum Near- oder Offshoring?

Offshoring ist zweifelsohne sehr günstig. Man muss sich aber mit anderen Kulturen und einem anderen Qualitätsdenken auseinandersetzen. Hinzu kommt das Problem von nationalen Gegebenheiten. Bei der Saläradministration sind das beispielsweise  Aspekte wie Quellensteuer, AHV oder Expats. Ich glaube, dass sich Lösungen durchsetzen werden, in denen einige HR-Prozesse in der Schweiz verbleiben und andere Teile im Ausland erledigt werden. So verbleiben die Saläradministration, die Zeugniserstellung und juristische HR-Services beispielsweise in der Schweiz, während Spesenabrechnungen im Ausland erstellt werden.

Drei Tipps an Unternehmen, die Teile ihrer HR-Dienstleistungen auslagern möchten?

Bevor Unternehmungen mit Ausschreibungen einen Outsourcing-Dienstleister suchen, sollten diese eine Standortbestimmung machen und sich überlegen, welche Prozesse von strategischer Bedeutung sind, welche nicht und welche Ziele man mit dem Outsourcing erreichen möchte. Zweitens muss das Management das Vorhaben unterstützen. Und zuletzt sollten sich die Verantwortlichen bewusst sein, dass das Outsourcing von HR-Prozessen nicht alle Probleme löst.

Zur Firma

Marek Dutkiewicz ist CEO des Beratungsunternehmens HR Campus, das er 1998 gegründet hat. Das Dienstleistungsangebot umspannt alle Bereiche des Human Capital Managements, beginnend bei der Entwicklung von HR-Strategien und Prozessen, der Einführung IT-basierter HR-Lösungen oder HR-Outsourcing. Das Unternehmen mit Sitz in Dübendorf und Madetswil beschäftigt  97 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz von 20 Millionen Schweizer Franken.

http://www.hr-campus.ch

 

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Chefredaktorin, HR Today. cp@hrtoday.ch

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