Sommerserie 2018

«Hypnose ist eine Reise ins Unterbewusstsein»

Was ist Hypnose? Ist man unter Hypnose wirklich willenlos und manipulierbar? Wie funktioniert Selbsthypnose? Tatjana Strobel, Expertin für Physiognomik, Menschenkenntnis und Hypnosetherapie, klärt auf.

Frau Strobel, was genau ist Hypnose?

Tatjana Strobel: Hypnose ist eine Reise ins Unterbewusstsein. Durch Selbst- oder Fremdhypnose erreichen wir eine Trance, um alte, störende Glaubensmuster aufzulösen. In dieser Trance können wir unbewusste Blockaden im tiefen Unterbewusstsein lösen. Es geht bei der Hypnose immer darum, etwas Beschwerendes zu verändern und das optimale Potential des Menschen zu entfalten.

Wie kann uns Hypnose dabei helfen, ausgeglichener und entspannter zu sein?

Es gibt zwei Aspekte, warum diese Methoden so wichtig für uns sind:

  1. Das Leben wird immer komplexer – der Alltag verlangt viel von uns ab. Unser Gehirn muss diese Reize einordnen, bewerten und verarbeiten. Das kostet Energie und Kraft. Wir sind alle sehr stark «im Aussen», was sich in Stress, Hyperaktivität, Aktivitätsdrang, innerer Unruhe, Schlafstörungen auswirkt. Hynose kann uns dabei helfen, wieder mehr «ins Innen» zu finden.
  2. Wir tragen sogenannte «Überlebensmuster» in uns, die uns in jungen Jahren gelehrt haben zu überleben. Im Erwachsenenalter behindern uns diese allerdings und können auch zu Stress führen. Diese Muster lassen sich mit Hypnosetherapie und Selbsthypnose auflösen.

Kann uns also Hypnose bei einer besseren Work-Life-Balance unterstützen?

Oh ja! Weil wir uns mit jeder (Selbst)hypnose auf den Weg nach innen begeben. Es wird immer wichtiger, uns nicht von aussen ablenken oder beeinflussen zu lassen. Sondern bei uns selbst zu bleiben und eigenen Wünschen und Bedürfnissen Raum zu geben.

Seit wann ist Hypnose ein Thema? Ist sie nur ein Trend, der wieder vorbeigeht?

Hypnose ist der modernen Wissenschaft seit etwa 1770 durch Franz Anton Mesmer ein Begriff¹. Die Methode blickt auf uralte Wurzeln zurück und ist keine Neuerscheinung der heutigen Welt.

Gegenüber Hypnose gibt es viele Vorurteile ...

Ja, das stimmt. Oft heisst es, man sei bei einer Hypnose willenlos und manipulierbar. Dies ist man jedoch weder bei der Hypnosetherapie noch bei der Selbsthypnose. In der Therapie agiert man immer als Team. Man lernt sich gut kennen und durchleuchtet im Vorgespräch, woher das mitgebrachte Thema kommen könnte. Dann legt man ein gemeinsames Ziel fest. Ich selbst leiste Aufklärung über die Hypnose mit meinem Buch «Mesmerize it» oder mit Interviews wie diesem hier.

Wie viel Zeit brauche ich für Hynose?

Ähnlich wie beim Sport, hat man den besten Effekt, wenn man es regelmässig macht. Ich empfehle meinen Klienten, es täglich zu tun. Wir entwickeln zusammen ein persönliches Selbsthypnose-Hörbuch, welches 20 bis 25 Minuten Laufzeit hat. Die Regelmässigkeit hilft, in die Ruhe zu kommen, auch in stressigen Zeiten bei sich zu bleiben und den Überblick zu behalten.

Wie sorgen Sie persönlich für Ihre Work-Life Balance?

Im 2017 war ich längere Zeit in Afrika. Seit da steht meine Welt Kopf. Mir wurde beim Stamm der Mijikendas vor Augen geführt, was wirklich wichtig ist im Leben. Seit diesem Zeitpunkt pflege ich eine wunderbare Work-Life-Balance: Ich meditiere täglich, bin mindestens eine Stunde pro Tag in der Natur. Ich bin viel in Bewegung und treffe neben meiner Arbeit (die ich übrigens sehr liebe!) viele Freunde, die mir wichtig sind. Diesen Sommer geht es zwei Monate in ein buddhistisches Kloster, wo ich täglich fünf bis sechs Mal auf unterschiedliche Weisen meditiere. Ich habe den Druck aus meinem Leben genommen, meine Kosten minimiert, meine Arbeitszeit drastisch gekürzt und folglich meinen Lebensstandard verändert. Materiell betrachtet habe ich mich verschlechtert, emotional und körperlich um Welten verbessert.

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Welches sind Ihre Geheimtipps für mehr Entspannung?

Ich empfehle die Meditationen von Joe Dispenza und natürlich meine «Mesmerize-it»- Hörbücher. Und auch Achtsamkeitsübungen, wie etwa, sich 30 Minuten auf ein Blatt zu konzentrieren. Dessen Adern zu sehen, den Duft zu riechen, die unterschiedlichen Farben wahrzunehmen, das Blatt taktil zu erfassen, hilft, den Geist zu beruhigen und auf etwas Schönes zu lenken.  Zusätzlich empfehle ich das «Wheel of life». Es umfasst acht Teilbereiche, die ineinandergreifen und zusammen ein erfülltes, schönes Leben kreieren. Ich habe dieses Konzept im Busch von Afrika entwickelt, um zu definieren, was wirklich wichtig ist im Leben. Es beinhaltet acht Teilbereiche, die Platz in einem Leben finden sollten.

  1. Geben Sie Ihrer Gesundheit acht, um möglichst lange fit, beweglich und leistungsfähig zu sein.
  2. Pflegen Sie schöne und wertschätzende Beziehungen aller Art.
  3. Gehen Sie einer sinnhaften und persönlichkeitsorientierten Arbeit nach.
  4. Behalten Sie den Überblick über Ihre Finanzen.
  5. Engagieren Sie sich ehrenamtlich, geben Sie etwas zurück.
  6. Leben Sie schöne Freizeitaktivitäten. Laden Sie Ihren Akku mit reichen Aktionen.
  7. Finden Sie Ihre eigene Spiritualität, Ihre innere Mitte.
  8. Versuchen Sie, Ihre Berufung zu leben, sich Ihrer Einzigartigkeit bewusst zu werden und die Frage nach dem «Warum bin ich hier?» zu beantworten

Zur Person

Tatjana Strobel ist Expertin der Physiognomik, Menschenkenntnis und Überlebensmuster. Sie lebt in Zürich und auf Mallorca.

Quellen:

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Manuela Vock

Redaktorin, HR Today. mv@hrtoday.ch

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