Plattformenmix

Mehr Bewerbungen ≠ besser

LinkedIn und grosse Stellenplattformen bringen breite Reichweite. Spezialisierte Stellenplattformen erreichen Menschen, die auf die Stelle passen – meist für weniger Geld. Wer das weiss, kombiniert beides.

Eine Stelle wird frei. Die Ausschreibung landet auf LinkedIn und auf der grössten Schweizer Stellenplattform. Beide Plattformen bringen Reichweite. Beide Plattformen bringen Bewerbungen. Was fehlt hier also? Spezialisierte Kanäle, die gezielt die richtigen Menschen erreichen.

Quantität und Qualität im Missverhältnis


In Zeiten mit genügend Fachkräften, wie sie viele Branchen gerade erleben, kann auch eine Strategie Erfolg haben, die auf reine Reichweite setzt – egal, wer sich hinter dieser Reichweite verbirgt. Zumindest, wenn sich der Erfolg an der Menge der Bewerbungen misst. Viele HR-Abteilungen berichten, dass sie aktuell von Bewerbungen geradezu geflutet werden. Aber mehr Bewerbungen bedeuten nicht automatisch bessere Kandidaten. Und auf jeden Fall bedeuten sie mehr Aufwand.

Mit dem verbreiteten Einsatz von KI hat sich das weiter verschärft. Laut «Economist» verschicken Bewerbende seit dem Release von ChatGPT Ende 2022 weltweit durchschnittlich 239 Prozent mehr Bewerbungen als vorher. Auf die Spitze treiben das Bewerbende, die mit speziellen KI-Tools quasi im Schlaf Hunderte von Bewerbungen mit automatisch angepassten Unterlagen versenden.

Zitatgrafik: LinkedIn und die grossen Stellenplattformen gehören zu den teuersten Optionen, um eine Stelle auszuschreiben. Spezialisierte Plattformen sind im Vergleich deutlich günstiger – bei gleichzeitig gezielterer Reichweite.


In einer Studie der Schweizer Arbeitsmarktbeobachtung AMOSA gab mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass es zunehmend schwieriger werde, Motivation, Authentizität und Passung der Bewerbenden einzuschätzen. Die Bewerbungsunterlagen würden sich stärker ähneln und insbesondere Motivationsschreiben würden an Aussagekraft verlieren. 500 Bewerbungen, von denen 99 Prozent unpassend sind? Vielleicht doch nicht so ein grosser Erfolg. Aber gut, immerhin ein Prozent hat gepasst. Und die Stelle konnte wahrscheinlich besetzt werden. So viel zu dem Szenario, in dem genügend Fachkräfte auf dem Markt sind.

In Zeiten des Fachkräftemangels sind die gesuchten Kandidaten aber oft gar nicht aktiv auf Jobsuche. Breite Reichweite hilft dann wenig, weil sie niemanden erreicht, der passt. Wer trotzdem Fachkräfte finden will, muss gezielt dort ausschreiben, wo sich diese aufhalten.

Der Mix macht’s


Auch im Marketing setzt niemand nur auf Reichweite. Wer eine Kampagne professionell plant, kombiniert reichweitenstarke Kanäle mit solchen, die Zielgruppen präzise erreichen. Diese Idee des Media-Mix bewährt sich seit Jahrzehnten. Bei Stellenausschreibungen ist der Mechanismus der gleiche. Reichweitenstarke, breite Plattformen auf der einen Seite, spezialisierte Plattformen auf der anderen.

Gemeint sind Plattformen, die sich auf ein Arbeitgebersegment (z. B. publicjobs.ch) oder eine Branche (z. B. ictjobs.ch) spezialisiert und dort über Jahre eine treue Community aufgebaut haben. In der Schweiz gibt es davon eine vielfältige Landschaft. Die Bewerbungen, die über solche spezialisierten Stellenplattformen kommen, passen häufiger auf die Stelle. Denn wer auf einer spezialisierten Plattform inseriert, landet im direkten Sichtfeld der gesuchten Fachkräfte, die der Plattform vertrauen.

Solche spezialisierten Plattformen sind ausserdem über Fachmedien, Verbände und Ausbildungsinstitutionen in ihrer Branche oft gut vernetzt. Viele haben eigene Bewerberprofil-Datenbanken und Skill-Matching-Möglichkeiten für Fachkräfte ihres Bereichs. Sie erreichen so auch Menschen, die gar nicht aktiv auf Jobsuche sind.

Spezialisierung bringt messbare Vorteile


Und dann ist da noch der Preis. LinkedIn und die grossen Stellenplattformen gehören zu den teuersten Optionen, um eine Stelle auszuschreiben. Spezialisierte Plattformen sind im Vergleich deutlich günstiger – bei gleichzeitig gezielterer Reichweite.

Der JobBoard Index, der Schweizer Stellenplattformen nach ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis bewertet, macht die Vorteile spezialisierter Plattformen messbar: Die obersten Plätze belegen ausnahmslos spezialisierte Anbieter. Die grossen Namen tauchen erst viel weiter unten auf.

LinkedIn und grosse Stellenplattformen haben ihre Berechtigung. Aber als einzige Option im Media-Mix reichen sie nicht. Wer sie strategisch mit spezialisierten Stellenplattformen kombiniert, bekommt in Zeiten des Überschusses passendere Bewerbungen und ist in Zeiten des Mangels besser aufgestellt, die richtigen Profile überhaupt zu erreichen.

Mehr Bewerbungen bedeuten nicht automatisch bessere Kandidaten.

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Ein freundlich lächelnder Mann mit Brille und kurzen, leicht ergrauten Haaren blickt leicht zur Seite. Er trägt ein weißes T-Shirt vor einem unscharfen, von Sonnenlicht durchfluteten grünen Hintergrund.

Thomas Paszti ist Inhaber und Geschäftsführer der dpi Publishing Service AG in Zürich. Er betreibt seit 2003 medienjobs.ch, eine spezialisierte Stellenplattform im Bereich Kommunikation, Marketing und Medien, sowie seit 2012 ictjobs.ch, eine spezialisierte Stellenplattform für IT-Fachkräfte.

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