Heft Nr. 9/2015: Mitarbeitermotivation

Niederschwellig Silos einreissen

Als Flirting-App konzipiert, haben heute globale Hotelketten wie der Fairmont-Raffle-Swissôtel-Komplex das Mobile-basierte Tool im Einsatz. Das Konzept des Zürcher Start-ups Beekeeper hat auch Holcim Central Europa überzeugt, die es heute in einer Pilotphase zur Ergänzung der Merger-Kommunikation mit La Farge einsetzt. Als partizipatives «Feelgood-Tool» verbindet es auf niederschwellige Weise die Mitarbeitenden.

Als Cristian Grossmann mit Flavio Pfaffhauser an der ETH eine Flirting-App entwickelte, ahnten sie nicht, dass sie damit den Grundstein legten für ein heute rasant wachsendes Start-up namens «Beekeeper». Unter Beteiligung von HR Today-Employee-Engagement-Bloggerin Sunnie Groeneveld hatte Beekeeper 2013 den HR-Chef der Swissôtel-Group Pierre Botteron für einen Pilotversuch gewinnen können. Dieser war auf der Suche nach einem partizipativen und Mobile-basierten Kommunikationstool, welches die Belegschaft weltweit in Verbindung bringen sollte insbesondere diejenige, die bei ihrer Arbeit keinen Zugang zum Internet hat, aber über ein eigenes Smartphone oder Handy verfügt. Damit sollten als Nebeneffekt auch interne «Silos» eingerissen werden. Versuche mit WhatsApp hatte er verworfen, weil dieses im Gegensatz zu Beekeeper für den Einsatz als Corporate-App keine Dashboard-Funktion für Steuerung und Aktivitätsmessung geboten hat.

Case I: FRHI Hotels & Resorts

Nach erfolgreicher Testphase unter dem Namen «Swissôtel Talk!» wurde die App 2014 auf sämtliche 140 Hotels des Mutterkonzerns «FRHI Hotels & Resorts» ausgerollt. FRHI war 2006 durch eine Fusion der drei Hotel-Gruppen Fairmont, Raffles und Swissôtel hervorgegangen und beschäftigt heute insgesamt rund 50 000 Mitarbeitende. Allerdings identifizierten sich die Mitarbeitenden zwar mit den einzelnen Hotel-Brands, für die sie arbeiteten, jedoch nur sehr beschränkt mit dem FRHI-Dach-Brand. Und obwohl grundsätzlich alle Angestellten der FRHI-Familie über eine E-Mail-Adresse verfügten, nutzten faktisch nur rund 15 000 ihren E-Mail-Account und das Intranet. Währenddessen 30 000 kaum auf diese Kommunikationskanäle zugriffen, weil sie an ihrem Arbeitsplatz keinen Computer haben – etwa wenn sie im Housekeeping arbeiten. Deshalb bot sich die «Mobile-First-Plattform» von Beekeeper nach dem Prinzip «Bring-Your-Own-Device» als Lösung für die Belebung der internen Kommunikation an.

So wurde das Projekt von Beekeeper unter dem Namen «FRHI Talk» 2014 geboren mit der Vision einer Zwei-Weg-Kommunikation basierend auf drei Zielen: 1. Das Bewusstsein für 
den FRHI-Brand zu stärken. 2. Allen Zugang 
zur internen Kommunikation zu ermöglichen. 
3. Kolleg/-innen mit deaktivierten E-Mail-Accounts zu erreichen. Das Projekt verlief so erfolgreich, dass heute in allen Hotels mindestens 25 Prozent der Mitarbeiter «FRHI Talk» nutzen – mit erstaunlich hohen Nutzerzahlen in der Region Middle East, Africa & India (35 Prozent) und Asia Pacific (26 Prozent), fast gleichauf mit der Region Americas (27 Prozent ), während die Nutzerrate in Europa mit 46 Prozent am höchsten ist. Nach der Einführung des Beekeeper-Tools stieg gemäss Kenexa Employee Engagement Survey das Employee Engagement signifikant an.

Im Frühjahr 2015 wurde das «FRHI Talk»-Projekt zudem mit dem Employee Engagement Award ausgezeichnet. Sehr zur Freude des FRHI-Managements: «Wir haben diese Auszeichnung mit viel Stolz entgegengenommen», sagt Pierre Botteron, der heute als Europa-HR-Chef der FRHI Hotels & Resorts amtet. «Der Preis bestätigt, dass unsere Employer Value Proposition stark ist und unsere Firma mit innovativen Lösungen konstant an der Steigerung des Mitarbeiter-Engagements arbeitet, was namentlich auch auf die Generation Y anziehend wirkt.»

Case II: Holcim-Lafarge

«Als ich anfangs Jahr an einer internen Tagung vom FRHI-Case erfuhr, fand ich das Projekt sehr interessant», erinnert sich Susanne Sugimoto, damals Kommunikationschefin von Holcim Central Europe, die heute für den fusionierten Holcim-Lafarge-Konzern in der gleichen Funktion tätig ist. «Als global tätiger Konzern mit zahlreichen Mitarbeitern, die in ihrem Job keinen Internetzugriff haben, haben wir in der internen Kommunikation eine ähnliche Problematik.» Kam hinzu, dass Mitarbeiterumfragen gezeigt hatten, dass sich die Belegschaft zu wenig gut informiert fühlte – insbesondere über die zahlreichen Change-Projekte, die bereits im Vorfeld der Fusion bei Holcim an der Tagesordnung waren. «Ich fand das Konzept, die einfache Handhabung und auch die flexible Cloud-Lösung bestechend und habe deshalb die Leute von der IT und vom HR zusammengebracht, um das Konzept zu prüfen», erklärt Sugimoto.

Der Entscheid fiel im März und Ende April 2015 hat man bereits gemeinsam mit Beekeeper unter dem Namen «Central Europe West Talk» einen Pilotversuch aufgesetzt, der sich gut bewährt: «Im Vergleich zum Intranet haben wir bereits sehr gute Mitmach-Werte und Gewinnspiele helfen, den Traffic zu erhöhen», erklärt Susanne Sugimoto. Entscheidend für den Erfolg und die Akzeptanz des Tools sei aber auch, «dass sich die oberste Führungs
ebene aktiv beteiligt und für Postings keine Restriktionen vorgegeben werden».  

Kommentieren0 Kommentare

Chefredaktor HR Today

sb@hrtoday.ch

Weitere Artikel von Simon Bühler

Kommentieren

Das könnte Sie auch interessieren