Realistische Ziele oder Fortschritt – entscheiden Sie selbst!

Es ist Zielsetzungssaison. Gerade erst haben die Führungskräfte erfolgreich Budget-Schlachten gewonnen, nun verbringen sie die kommende Zeit damit, die «Mythen» am Ende des Strategie-Regenbogens neu zu erfinden. Wie daraus nachhaltige und vor allem realistische Bestrebungen werden.

Im Grunde hat die Art Zielsetzung, die ich noch zu Beginn meiner Laufbahn in den 90ern kennengelernt habe, jeden Einzelnen, Teams, Firmen und ganze Nationen jahrzehntelang zurückgehalten. Das Zielmanagement hatte nicht den besten Ruf: Es war eine frustrierende, lästige Pflicht, die bis Jahresende erledigt werden muss.

Sie stimmen sicher zu, dass im Grossen und Ganzen Ziele schon Sinn ergeben. Nur können wir nicht genau benennen, wie unsere Arbeit einen messbaren Einfluss auf das Ergebnis des Unternehmens hat. Oder können Sie mir wirklich sagen, ob die Summe des Erreichten einen wirklichen «Return on Invest» erbracht hat? Vor allem, wenn man die investierte Mühe und Arbeit dabei bedenkt?

Zielsetzung geht heute anders

Ich spreche von Objectives und Key Results, auch bekannt als OKR. Es ist keine neue Erfindung, die sich irgendeine grosse Beraterfirma ausgedacht hat. Es ist eine bewährte Methode, die erstmals in den 80er Jahren von der Firma Intel angewendet wurde.

Heutzutage verwenden viele grosse Pharmaunternehmen OKR, um die Medizin-Industrie neu zu erfinden. Ebenso allgemein bekannte Namen wie Google, LinkedIn, Spotify oder IKEA, Versicherungsunternehmen, Fluggesellschaften, Bekleidungsversandhäuser und grosse Supermarkketten, profitieren von dessen Vorteilen.

OKR ist einfach und effektiv, und ist dadurch für jegliche Unternehmensart geeignet. Die Zielsetzungsmethode schafft eine Lernkultur des Miteinanders, wo Entscheidungen verteilt werden und jeder sich mit voller Kraft einbringt. Es hilft Unternehmen, sich einfach an die stetig verändernde Welt um uns herum anzupassen.

So viel wie möglich, aber bitte realistisch

Wie alle effektiven Systeme, basiert auch OKR auf gesundem Menschenverstand. Die erste und allerwichtigste Regel ist, die richtigen Prioritäten zu setzen, solche, die auch einen wirklichen Einfluss auf unser Geschäft haben. Das ist zu Beginn einer OKR-Reise oft gar nicht so einfach, weil wir in einer Kultur leben, in der immer alles möglich erscheint.

Der nächste Schritt ist, sich Ziele zu setzen, die nicht nur motivieren, sondern auch Ergebnisse erzielen, die höher liegen als zu erwarten (und zwar regelmässig). Dabei müssen wir lernen, unsere Ziele quartalsweise zu setzen. Gleichzeitig lohnt es sich die Quartalswechsel dazu zu nutzen, einen Moment zu reflektieren, zu hinterfragen, ob sich unsere Prioritäten verändert haben, ob die Arbeit, die wir reingesteckt haben, auch den erwarteten Mehrwert liefert und wenn nicht, warum. Jetzt müssen wir das Gelernte austauschen, die Kapazitäten noch einmal abstimmen, uns noch einmal zu verpflichten die paar wenigen wichtigen Dinge zu priorisieren.

Der Zielsetzungsprozess kann es sich nicht mehr leisten, so lange zu warten, bis alles akribisch erledigt wurde. Wir können unsere Ziele nur dann erreichen, wenn wir die Macro- und Micro-Trends unserer Märkte und in der ganzen Welt so beobachten, dass wir den strategischen Ball der in unsere Richtung geflogen kommt fangen und weiterverarbeiten können.

Oder einfacher: Die Strategie muss aus dem Sitzungsraum raus und wieder den Menschen zurückgegeben werden. Dann kann Strategie wieder das erreichen, was auch auf ihrer Verpackung steht: Messbare und wertvolle Veränderungen schaffen und dem Unternehmen helfen, von allen Marktchancen unserer modernen Welt zu profitieren.

Also, fassen wir zusammen:

#1 Prioritäten setzen!

Dies bedeutet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die erste und wichtigste Regel von OKR ist, die richtigen Prioritäten zu setzen – solche, die auch einen wirklichen Einfluss auf unser Geschäft haben.

#2 höher als erwartet

Ziele zu setzen, die nicht nur motivieren, sondern auch Ergebnisse erzielen, die höher liegen als erwartet – und das in einem immer wieder kehrenden Zyklus, ist eine wichtige OKR Säule. Mit OKR sind wir sogar in der Lage, Ziele übertreffen, die uns zuvor undenkbar vorkamen.

# 3 OKR – ein neues Mindset

OKR schafft eine Lernkultur des Miteinanders, wo Entscheidungen verteilt werden und jeder sich mit voller Kraft einbringt. Es hilft Unternehmen, sich einfach an die stetig verändernde Welt um uns herum anzupassen.

# 4 Adaption ist gefragt

In unserer dynamischen VUCA Gesellschaft verändert sich die Welt immer schneller. Erfolgreiche Firmen haben heute zwar einen klaren und langfristigen Zweck (Porpose), aber ihre Strategie muss so anpassungsfähig sein, dass sie sich immer wieder an die neuen Umstände anpassen kann.

# 5 Warum keine realistischen Ziele?

Weil wir so oft sehen, wie die sogenannten realistischen Ziele nicht erreicht werden können, weil sie viel zu schnell ihre Relevanz verlieren. Bis die «Chief Important Leute» in Grossunternehmen ihre Jahresziele abgezeichnet haben, haben diese ihren massgeblichen, spürbaren Vorteil verloren oder stehen zumindest nicht mehr oben auf der Prioritätenliste.

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Nick Stanforth

Nick Stanforth gilt als OKR-Pionier in Europa und hat zahlreiche Unternehmen bei der Einführung begleitet. Der studierte Physiker gründete nach einer erfolgreichen Karriere im operativen Business die Firma Progress Factors.

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