Arbeitsmarkt-Barometer 2026

So hält sich der Arbeitsmarkt

Der HR-Dienstleister Alixio hat sein Arbeitsmarkt-Barometer 2026 veröffentlicht. Alles zu Marktlage und Stimmung: Welche Branchen und Altersgruppen von Kündigungen besonders betroffen sind, wie rekrutiert wird, wie mobil die Branchen sind – und die Gründe dahinter.

Das Jahr 2025 war in vielerlei Hinsicht schwierig. Die Welt musste sich mit Krieg, Krisen und Konflikten auseinandersetzen – mit Folgen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.

Wie das Arbeitsmarkt-Barometer des HR-Dienstleisters Alixio festhält, war das Jahr 2025 darum geprägt von «einer verhaltenen Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz und im EU-Raum, sowie einer nachlassenden Dynamik in den USA».

So hätten globale Konflikte und die Zollpolitik der Regierung von US-Präsident Donald Trump zu «Unsicherheit bei den Investitionen» geführt, Exporte und «besonders der industrielle Sektor wurden zusätzlich durch die international eher schwache Nachfrage belastet», analysiert Alixio.

Zitatgrafik mit gelbem Hintergrund und einem Zitat in schwarzer Schrift: «Der Arbeitsmarkt bleibt aufnahmefähig, selbst wenn die Jüngeren etwas länger nach Stellen suchen und der Druck auf die Älteren bestehen bleibt.» Darunter steht in goldener Schrift der Name des Zitatgebers: Pascal Scheiwiller, CEO Alixio Gruppe. Links oben sind stilisierte Anführungszeichen abgebildet.


Insgesamt gut hätten sich die Pharmabranche und der Dienstleistungssektor gehalten. Erstere «trotz standortpolitischer Herausforderungen». Unter anderem herausfordernd: Donald Trump hatte die Pharmabranche international bereits kurz nach seinem Antritt im Visier – konkretisiert hatte sich das für die Schweiz schliesslich im April in Form des «Zollhammers».

Weiterhin hätte der Binnenkonsum «eine wichtige Stütze» für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt gebildet.

Die seit 2024 anhaltende Konsolidierung im Arbeitsmarkt habe primär zu einem Rückgang des Fachkräftemangels geführt, heisst es im Alixio-Barometer.

Arbeitsmarkt steht besser da als wahrgenommen


Zwar nehme die Öffentlichkeit den Arbeitsmarkt zur Zeit als grosse Herausforderung wahr – etwa wegen Personalabbau und Massenentlassungen –, dennoch habe sich der Arbeitsmarkt «besser gehalten», als es die öffentliche Wahrnehmung suggerieren würde. Das liege daran, dass Unternehmen, die Personal nicht ab- sondern aufbauen, weniger «im Scheinwerferlicht der Medien» stünden.

«Der Arbeitsmarkt bleibt aufnahmefähig, selbst wenn die Jüngeren etwas länger nach Stellen suchen und der Druck auf die Älteren bestehen bleibt», sagt dazu Pascal Scheiwiller, CEO der Alixio Gruppe und von Rundstedt Schweiz.

Obwohl sich der Arbeitsmarkt besser als wahrgenommen gehalten hat, bedeutet das keine Entspannung der Situation. Auch im Jahr 2026 werde die Schweizer Wirtschaft «unter ihrem Potenzial wachsen» und die Arbeitslosigkeit nochmals leicht zunehmen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) geht für 2026 derzeit von einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent aus. Damit läge die Arbeitslosigkeit etwas über ihrem langjährigen Durchschnitt von 2,8 Prozent. «Dennoch wird der Arbeitsmarkt voraussichtlich auch in diesem Jahr ausgeglichen und im Lot bleiben», so Scheiwiller.

Basis für das Arbeitsmarkt-Barometer ist die Outplacement-Statistik 2025 von von Rundstedt. Die Statistik setzt sich aus Daten von 2668 Klientinnen und Klienten aus 415 Unternehmen zusammen.


Die wichtigsten Erkenntnisse


Zugenommen haben die Kündigungen gemäss Arbeitsmarkt-Barometer insbesondere in den Branchen Pharma & Life Sciences, Business Services & Dienstleistung. Die dort betroffenen Funktionen betreffen primär Forschung & Entwicklung sowie Produktion. Anhaltend hoch geblieben sind die Kündigungen in der Banken- und Versicherungsbranche.

Grafik mit dem Titel "Von Kündigungen betroffene Branchen", die sechs Branchen nach ihrem Anteil an Kündigungen im Jahr 2026 auflistet. Angegeben sind jeweils der prozentuale Anteil an Kündigungen sowie die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Platz 1: Pharma & Life Sciences mit 30 % (+5 %), Platz 2: Banken & Versicherungen mit 33 % (–1 %), Platz 3: Business Services & DL mit 21 % (+4 %), Platz 4: FMCG & Handel mit 12 % (+1 %), Platz 5: Industrie mit 11 % (+1 %), Platz 6: Informatik mit 5 % (–7 %). Quelle: Rohdaten Arbeitsmarkt-Barometer 2026. Jede Branche ist mit einem passenden Emoji illustriert.

So sind es denn auch die Banken- und Versicherungsbranche sowie die Pharmabranche, in denen anteilsmässig die meisten Kündigungen erfolgt sind. Der Anpassungsdruck auf diese Branchen sei aus «diversen Gründen» hoch, heisst es in der Medienmitteilung zum Barometer. Der Anstieg bei den Business-Services und Dienstleistungen sei auf die konjunkturelle Eintrübung zurückzuführen, da Unternehmen dort sparen, wo sonst externe Aufträge vergeben werden. Der anteilsmässige Rückgang an Kündigungen in der IT-Branche hingegen habe seinen Ursprung in den Investitionen in KI-Technologie.

Die von Kündigungen besonders betroffenen Funktionen in Forschung, Entwicklung und Produktion hängen eng mit den bereits erwähnten Herausforderungen der Exportindustrie zusammen.

Mehr Kündigungen durch Stellenabbau


«Der Anteil Kündigungen infolge Stellen- und Personalabbau steigt deutlich an, während individuelle Kündigungen aufgrund mangelnder Leistung rückläufig sind», sagt die Alixio. Kündigungen infolge Reorganisation würden jedoch weiterhin die Statistik dominieren.

Die Entwicklung beim Personalabbau sei auch hier auf die schwächelnde Konjunktur zurückzuführen. «Bei diesen Kündigungen ging entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nur ein kleiner Teil auf medial kommunizierte Massenentlassungen zurück», so die Alixio Group. «Einerseits weil nicht alle Massenentlassungen medial kommuniziert werden und anderseits, weil ein grosser Teil der Kündigungen unterhalb der Schwellenwerte für Massenentlassungen liegt».

Flächendiagramm mit dem Titel "Kündigungen nach Gründen", das die prozentuale Verteilung verschiedener Kündigungsgründe von 2016 bis 2025 zeigt. Die vier dargestellten Kategorien sind: Reorganisation (hellblau), Personalabbau (lila), Leistungsabweichung (grün) und persönliche Gründe (rot). Die Daten zeigen, dass Reorganisation und Personalabbau über die Jahre die häufigsten Kündigungsgründe waren. Leistungsabweichung bleibt relativ konstant, während persönliche Gründe deutlich zurückgehen. Quelle: Rohdaten Arbeitsmarkt-Barometer 2026.

Persönliche Gründe bei den Kündigungen spielen weiterhin eine klar untergeordnete Rolle, obwohl hier ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist. Diese Zahlen haben sich eigentlich seit 2016 stets nach unten entwickelt. Damals waren persönliche Gründe noch verantwortlich für anteilsmässig 20 Prozent der Kündigungen. Mittlerweile sind es noch sieben Prozent.

Jüngere suchen länger, bei Älteren dauert es aber weiterhin lange


Die Herausforderungen bei der Stellensuche werden – zumindest gemessen an der Suchdauer – höher. Zwar wertet Alixio den Anstieg bei unter 30-Jährigen als «markant», aber auf den Gesamtarbeitsmarkt bezogen solle er nicht überbewertet werden, da der Anteil der Gekündigten dieser Gruppe nur zwei Prozent betrüge.

Angesichts der Wirtschaftsentwicklung würden Stellenbesetzungen generell eingehender geprüft. «Rekrutierungen dauern somit etwas länger», erklärt die Alixio Group. Dies zeigt sich etwa an der leicht höheren Suchdauer bei Profilen mit vergleichsweise geringen Herausforderungen. Hier könnten sich ausserdem erste Effekte des KI-Booms bemerkbar machen, «da ein zunehmender Anteil der Aufgaben von White Collars mit noch wenig Berufserfahrung von KI übernommen werden kann».

Der Druck auf über 50-jährige Arbeitskräfte bleibe indes hoch. Nicht nur dauere ihre Jobsuche von allen Altersklassen am längsten, sondern auch der Anteil an Kündigungen sei bei ihnen seit vier Jahren überproportional hoch: Zuletzt betrug er 41 Prozent – der Anteil der Erwerbstätigen über 50 betrüge hingegen 30 Prozent.

Balkendiagramm mit dem Titel "Suchdauer nach Alter", das die durchschnittliche Dauer der Jobsuche in Monaten für verschiedene Altersgruppen in den Jahren 2024 (rot) und 2025 (blau) vergleicht. Altersgruppen: unter 30 (2024: 2,0 Monate, 2025: 3,2), 30 bis 40 (4,2 / 4,8), 40 bis 50 (5,8 / 5,8) und über 50 (7,4 / 7,3). Die Suchdauer steigt mit dem Alter deutlich an. Quelle: Rohdaten Arbeitsmarkt-Barometer 2026.

Die Jobsuche verteilt auf verschiedene Profile hingegen bleibt stabil, vermeldet der Arbeitsmarkt-Monitor: «Trotz konjunktureller Abschwächung und einer Zunahme von Personalabbaumassnahmen erhöht sich die Suchdauer selbst bei schwierigen Profilen nicht. Der Arbeitsmarkt bleibt aufnahmefähig.»

Risiken, die zu einer längeren Suchdauer führen, beinhalten etwa eine lange Verweildauer in der gleichen Funktion, ein höheres Alter, gesundheitliche Einschränkungen oder Skillgaps. Dass die Suchdauer bei schwierigen Profilen nicht angestiegen sei – anders, als man es erfahrungsgemäss erwarten würde –, spreche dafür, dass im Markt nach wie vor genügend Stellen besetzt werden und der Markt damit aufnahmefähig bleibe.

Stellenausschreibungen überholen das persönliche Netzwerk


2025 seien 42 Prozent der Anstellungen über ausgeschriebene Stellen gefunden worden. «Die Unternehmen gehen offenbar davon aus, dass sie auf diesem Kanal am besten passende Mitarbeitende finden und die Menge eingehender Bewerbungen bewältigen können», ordnet Alixio ein. Das persönliche Netzwerk hat deshalb an Relevanz verloren. Das Netzwerk hat anteilsmässig im Vergleich zu 2024 zu acht Prozent weniger Einstellungen geführt.

«Dennoch bleibt das Networking für die Gekündigten absolut erfolgsentscheidend, auch um optimal vorbereitet in den Bewerbungsprozess einzusteigen.»

Von marginaler Bedeutung seien Blindbewerbungen mit neun Prozent und der Weg über Headhunterinnen und Headhunter mit sieben Prozent. «Dies erklärt sich daraus, dass Headhunter bei der Besetzung einer Festanstellung Personen bevorzugen, welche noch in einem Anstellungsverhältnis sind».

Branchenmobilität bedeutend höher


Über die Hälfte der Gekündigten konnten gemäss Statistik erfolgreich die Branche wechseln. Das sei in der Schweiz «mit ausgeprägtem Branchenkult relativ hoch», wertet die Alixio Gruppe. Die hohe Anzahl an Branchenwechseln sei aber auch im Kontext der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt «eher untypisch».

Liniendiagramm mit dem Titel "Kündigungen nach Hierarchiestufe", das die prozentuale Verteilung von Kündigungen in den Jahren 2016 bis 2025 auf vier Hierarchiestufen zeigt: Executive (hellblau), Management (lila), Kader (grün) und Fachkräfte (rot). Die Linien zeigen teils starke Schwankungen. 2025 ist der Anteil der Kündigungen bei Fachkräften am höchsten (über 40 %), während Kader stark zurückgeht. Quelle: Rohdaten Arbeitsmarkt-Barometer 2026.

Eine Erklärung sieht das Arbeitsmarkt-Barometer in der Hierarchiestufe der Gekündigten. 41 Prozent der Gekündigten seien Fachkräfte. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es auf dieser Stufe noch 24 Prozent. Die Kündigungen beim Kader hingegen sind markant gefallen. Für Fachkräfte sei aber ein Branchenwechsel einfacher als für Führungspersonen. (rs)

Kommentieren 0 Kommentare HR Cosmos
Weitere Artikel von HR Today Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren