Kopf der Stunde: Hans Rusinek

Vom Überleben zur Hoffnung

HSG-Arbeitsforscher Hans Rusinek schreibt, manche Innovationen müsse man wieder aufgeben. Wie wir die Arbeitswelt sehen, sei ein Spiegel der Gesellschaft – und der Klimakrise. 

Der HSG-Arbeitsforscher Hans Rusinek will die Arbeit zurück: Statt dass wir unsere Jobs nur ertragen, sollen sie wieder zu einem Ort der Hoffnung und des Aufbruchs werden. 

Manche Menschen sind der Ansicht: Wir müssen die Welt verbessern. Andere finden: Wir müssen die Welt so nehmen, wie sie ist. Beide sehen im jeweils anderen gerne einen Widerspruch. Nicht so Hans Rusinek. Wer die Welt verändern will, muss sie zunächst so nehmen, wie sie ist. 

Rusinek forscht und doziert zu Themen wie Arbeit, Sinn, KI und Transformation an der HSG. Work-Life-Balance? Rusineks letztes Buch sprach 2023 von der «Work-Survive-Balance». Wenn Metaverse und Bürolounges die Lösungen seien, will Rusinek «mein Problem zurück». Die Art und Weise, wie wir mit der Unternehmenswelt und Arbeit interagieren, sei eine Reflexion der ganzen Gesellschaft und Weltlage, so etwa auch der Klimakrise. 

Die vielgerühmte Work-Life-Balance aktualisiert Rusinek somit zu einer Balance zwischen Arbeiten und Überleben. Er kritisiert den vorherrschenden Innovations- und Tech-Optimismus und plädiert für «Exnovation» – quasi das Gegenstück zur Innovation. Pointiert erklärt: Nur weil etwas neu ist und man neue Dinge damit tun kann, die zuvor nicht möglich waren, heisst das noch lange nicht, dass man sie auch tatsächlich tun soll. 

Manchen – schädlichen – Innovationen muss man damit auch irgendwann den Stecker ziehen. Vor wenigen Monaten war Rusinek auch zu Gast im «Zimmer 42»-Podcast von SRF mit Barbara Bleisch und erklärte, dass produktiv zu sein die meisten Menschen mit Sinn und Glück erfüllt. 

Möglicherweise ist das der Grund, warum Rusinek nach der Überlebens- jetzt eine Hoffnungsbotschaft sendet: Sein neues Buch «Reclaim Work» erscheint Ende September im Kösel-Verlag und will die Arbeit zurückerobern – als Ort des Aufbruchs statt der Resignation. Die wichtigste Zukunftsressource dafür sei nicht künstlich, sondern zutiefst menschlich.  Buchtipp Hans Rusinek: «Reclaim Work. Für eine Arbeitswelt, die wieder Hoffnung macht» (rs/jm)

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