HR Today Nr. 1&2/2017: Fokus Forschung

Wenn die Führungskräfte jünger sind als ihre Unterstellten

Welchen Effekt hat eine junge Führungskraft auf die Befindlichkeit und die Leistung von älteren Unterstellten? Dieser Frage sind zwei deutsche Professoren nachgegangen. Die Forscher befragten Angestellte in 61 Firmen unterschiedlicher Branchen.

Historisch gesehen ist Alter eng verbunden mit hierarchischem Status. In der Annahme, dass wir mit zunehmendem Alter klüger und weiser werden, vertrauen wir älteren Personen gerne Führungsverantwortung an. Immer mehr Firmen sehen jedoch das Alter nicht mehr als primäres Kriterium für eine Beförderung in eine Führungsposition. Die Leistung zählt mehr als die Seniorität. Entsprechend werden heutzutage auch junge Talente in Führungspositionen befördert, in denen sie dann ältere Mitarbeitende führen.

Doch welchen Effekt hat eine junge Führungskraft auf die Befindlichkeit und die Leistung von älteren Unterstellten? Dieser Frage sind Florian Kunze, Professor für Organisational Studies an der Universität in Konstanz, und Jochen Menges, Professor für Leadership und HRM an der WHU in Düsseldorf, nachgegangen. Die Forscher befragten Angestellte in 61 deutschen Firmen in unterschiedlichen Branchen. Fast 8000 Teilnehmende gaben an, wie gross die Altersdifferenz zu ihrem Vorgesetzten ist. Tendenziell waren die Führungskräfte älter als die Unterstellten. Etwa ein Viertel gab jedoch an, dass ihre Führungskraft jünger sei als sie selber. Je grösser die Altersdifferenz zwischen den jungen Führungskräften und ihren älteren Unterstellten war, desto mehr berichteten die Unterstellten über negative Emotionen wie zum Beispiel Wut oder Angst.

Die Resultate zeigten weiter, dass in Firmen, in denen solche negativen Emotionen verbreitet waren, schlechter gearbeitet wurde. Indirekt weist dies darauf hin, dass Altersdifferenzen zwischen jungen Führungskräften und älteren Unterstellten die Firmenperformance verschlechtern. Dieser negative Effekt verschwand zwar, wenn die Unterstellten ihren negativen Emotionen nicht freien Lauf liessen, sondern diese für sich behielten. Doch das Unterdrücken von Emotion ist langfristig kaum empfehlenswert, da dies gravierende Folgen für die Gesundheit nach sich ziehen kann.

Gemäss Kunze und Menges sollte vielmehr die Kultur in einer Firma geändert werden, um dem negativen Effekt von Altersdifferenzen zwischen jungen Führungskräften und älteren Unterstellten entgegenzuwirken. Arbeitgeber sollten das hierarchische Denken reduzieren und Partizipation auf allen Hierarchiestufen zulassen. So haben ältere Mitarbeitende, unabhängig davon, ob sie eine Führungsposition innehaben oder nicht, die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen. Dies reduziert wiederum die Entstehung von negativen Emotionen gegenüber jungen Führungskräften.

Quelle:

Kunze, F., & Menges, J. I. (2016). Younger supervisors, older subordinates: An organizational‐level study of age differences, emotions, and performance. Journal of Organizational Behavior.

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Dr. Anja Feierabend 
ist Oberassistentin 
am Center für Human Resource Management der Universität Luzern.

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