Compliance

«Es braucht jemanden, der Nein sagt»

Ivo Annen leitet die Abteilung Dienstleistungscenter Kundendaten und ist gleichzeitig Compliance Officer bei der Schwyzer Kantonalbank (SZKB). Im Gespräch erzählt er, was seine Arbeit beinhaltet und wie er sicherstellt, dass wichtige Regeln eingehalten werden.


Compliance – für manche ist das im wahrsten Sinne ein Fremdwort, und was ein Compliance Officer genau macht, darunter können sich viele erst recht nichts Konkretes vorstellen. Diese Ansicht vertritt auch Ivo Annen, Compliance Officer bei der SZKB, weshalb er auch sofort für ein Interview über seine Arbeit bereit war.





«Ich stelle sicher, dass wichtige Regeln eingehalten werden», bringt Ivo Annen seine Arbeit auf den Punkt. Wobei «Regeln» ein weiter Begriff ist: Damit gemeint sind nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern auch Rundschreiben und Richtlinien von Regulatoren wie der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA, interne Reglemente und Weisungen, allgemein gültige Standards, die das Umfeld vorgibt, und ethisch-moralische Grundsätze. Dabei gilt: Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. «Im Compliance versucht man, dieses Gesamtpaket an Regeln so umzusetzen, dass Unternehmen oder Mitarbeiter compliant sind, also sich regelkonform verhalten» erläutert Annen.



Unbekannter Beruf

Compliance Officer in der Schweiz ist ein relativ neuer und unbekannter Beruf. Gemäss Annen entstand er aus zwei Gründen: Zum einen verlangt das Gesetz, dass sich Unternehmen an Regeln halten. Unternehmen brauchen Compliance, um sicherzustellen, dass sie die vom Umfeld geforderten Regeln einhalten können, « und damit Gewähr für eine einwandfreie Geschäftsführung bieten», veranschaulicht Annen. Zum anderen habe das Bedürfnis nach Kontrolle zugenommen. Manchmal ist es für den Einzelnen schwierig, «nein» zu sagen. «Es braucht jemanden, der beim Neinsagen unterstützend wirkt, und das ist der Compliance Officer.»



Bei der SZKB gibt es eine dezentrale Compliance-Organisation mit einem Chief Compliance Officer und Fach-Compliance Officern in den Geschäftsbereichen. Ivo Annen ist Fach-Compliance Officer im Geschäftsbereich Verarbeitung und Infrastruktur.

Die Arbeit des Compliance Officers besteht aus zwei Pfeilern: Der technische Aspekt, das Monitoring, macht etwa drei Viertel seiner Arbeit aus: «Aufgrund des Monitorings werden Geschäftsfälle und Transaktionen überprüft, um sicherzustellen, dass wichtige Regeln eingehalten werden.» Annen nennt ein Beispiel: Übersiedelt ein Kunde sein Unternehmen in ein anderes Land, gelten dort andere Bestimmungen, die es zu beachten gilt.



Die restliche Zeit berät der 49-Jährige die Mitarbeitenden bei der Schwyzer Kantonalbank. Auch hier nennt Annen ein Beispiel: Ein Kundenberater hat einen Kunden, der im Ausland wohnt. Wie muss sich nun der Kundenberater verhalten, damit er compliant ist? Neben solchen Fragen beschäftigt sich Annen auch mit der Beratung und Ausbildung von Mitarbeitenden. Er informiert diese an Veranstaltungen zu einem bestimmten Thema aus dem Compliance-Bereich.



Die Themen, mit denen sich Compliance Officers befassen, ändern sich laufend. Derzeit aktuelle Themen sind etwa die Abgeltungssteuer oder die Weissgeldstrategie des Bundes. «Deren Umsetzung und Einführung bedeuten für uns aus Compliance-Sicht zusätzliche Kontrollen, zusätzliches Monitoring und zusätzliche Ausbildung der Mitarbeitenden», sagt Annen. Ein ewiger Dauerbrenner dagegen sei die Geldwäschereibekämpfung und die diesbezüglichen Sorgfaltspflichten.



Unter Druck

Für die Zukunft sieht Annen die Herausforderung bezüglich Compliance für Unternehmen darin, den Spagat zu meistern zwischen dem Anspruch, compliant zu sein, und dem Druck von aussen standzuhalten. Die Finanzbranche sei unter Druck und ein Margenzerfall feststellbar. «Gleichzeitig sind die regulatorischen Anforderungen im Steigen begriffen. Dadurch nimmt der Druck auf die Finanzdienstleister noch mehr zu», so Annen.



Für die Unternehmen und deren Mitarbeitenden werde es damit immer schwieriger, allen Erwartungen gerecht zu werden. Von ihnen wird verlangt, dass sie Gesetze und weitere Vorgaben sowie ethische und moralische Grundsätze einhalten und gleichzeitig Gewinn machen. «Ethik und Moral sind ausserordentlich wichtig, um compliant zu sein», betont Ivo Annen. Ein Grossteil der Banken und Bankmitarbeitenden halte sich daran. «Die Branche hat zum Teil zu Unrecht einen schlechten Ruf; ein paar schwarze Schafe ruinieren das Image.»



Hält sich ein Mitarbeiter nicht an die Regeln, kommt es zu Sanktionen. «Diese reichen vom einfachen Verweis bis zur Kündigung, in extremen Fällen.» Verstösse seien dank dem Monitoring erkennbar. «Es gehört zu den Compliance-Aufgaben, solche Verstösse festzustellen», sagt Annen.



Die komplexe Vielfalt der Regeln, die es einzuhalten gilt, fasziniert Ivo Annen an seiner Arbeit. «Gerade weil es nicht nur um gesetzliche Vorgaben, sondern auch um ethische und moralischen Grundsätze geht.» Die Komplexität der Regeln könne aber auch belastend sein, vor allem dann, wenn bei den Mitarbeitenden das Verständnis für diese Regeln fehle. «Das Hauptziel von Compliance ist das Wohl des Unternehmens; das wird nicht immer erkannt.»

Buchtipps

  • Monika Roth: Kompetenz und Verantwortung: Non-Compliance als strategisches Risiko. Dike Verlag AG, 2012. 141 Seiten, Taschenbuch, CHF 37.90
  • Stefan Behringer (Hrsg.): Compliance für KMU. Schmidt, Erich Verlag, 2012. 272 Seiten, Taschenbuch, CHF 40.90
  • Monika Roth: Compliance - in a nutshell. Dike Verlag AG, 2011. 106 Seiten, Taschenbuch, CHF 39.00
  • Depré (Hrsg.): Praxis-Handbuch Compliance. Risiken erkennen, Haftung ausschliessen. Walhalla und Praetoria, 2011. 192 Seiten, gebunden, CHF 28.50
  • Monika Roth: Compliance - Voraussetzung für nachhaltige Unternehmensführung. Dike Verlag AG, 2010. 356 Seiten, Taschenbuch, CHF 94.90

 

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